Impressum

Antwort auf den Leserbrief von Herrn Achim Haag (erschienen in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 2. Mai 2006)

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 8. Mai 2006

Morsch und faul

Herr Haag, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim KWO, behauptet, jeder Baden-Württemberger und somit auch jeder Kreisgrüne würde 60% seines Stroms aus Atomkraft erhalten. Das ist falsch. Dem EnBW-Mitarbeiter ist wohl entgangen, dass der Markt mittlerweile liberalisiert wurde. So kaufen der gesamte Kreisvorstand und viele andere Grüne sauberen Strom, der ohne Atomkraft produziert wird. Würden das alle Deutschen, die in großer Mehrheit gegen Atomkraftnutzung sind, auch so machen, würden die Konzerne bald auf ihrem Atomstrom sitzen bleiben oder müssten noch mehr Strom als jetzt schon ins Ausland exportieren.

Um nun auf Herrn Haags Frage einzugehen, wir Grüne sehen über den Tellerrand hinaus und denken langfristig und nachhaltig. In der Tat entstammen in Baden-Württemberg 60% des produzierten Stroms aus AKWs, das ist der höchste Anteil in Deutschland. Übrigens ist das Ländle auch Spitzenreiter bei den Strompreisen, nur soviel zur angeblich billigen Atomkraft. Doch deutschlandweit liegt ihr Anteil an der Gesamtenergieerzeugung bei unter 5%, weltweit bei 2%. Die erneuerbaren Energien hingegen machen in Deutschland bereits 11% aus.

Und natürlich funktioniert die Substitution nicht ohne deutliche Energieeinsparung und Effizienzsteigerung in Zukunft – bei steigenden Energiepreisen selbstverständlich. Die ohnehin notwendige Nutzung von Sonne, Wind, Biomasse & Co. hat bereits begonnen und steigt weiter rasant an. Den heutigen Anteil haben die ideologischen Atom-Fans noch vor kurzem für unmöglich gehalten. Aber verständlich, dass etwa KWO-Mitarbeiter nicht auch noch Experten im modernen Energiesektor sein können, von deren Glaubwürdigkeit und Unbefangenheit ganz zu schweigen.

Um schließlich dem Holzhammer der Grundlast vorsorglich auszuweichen:  Dieses Argument ist längst entkräftet, das Holz ist morsch und faul, wie bei so manch anderen hilflosen Einwänden der Atombranche.

Ich hoffe, ich konnte Herrn Haag etwas aufklären und bezüglich seiner Sorgen beruhigen.

 

Markus Schwab, Dallau

 

Nachtrag von Markus Schwab: "Leider unterlief mir ein Fehler, der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtenergie beträgt 3%, bei der Stromerzeugung sind es 11%.”