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Rhein-Neckar-Zeitung, 31. 3. 2006

Zurück in die fremde Heimat? Abschiebung wäre „eine Katastrophe“

Viele Hüffenhardter sind empört: Familie Ferizi lebt seit 1993 in Deutschland, jetzt sollen sie ins Kosovo ausgewiesen werden

 

Bericht von Annette Gast-Prior

Bei Familie Ferizi ist die Stimmung gedrückt. Mitten in Hüffenhardt, gegenüber dem Rathaus, ist seit fast elf Jahren ihr Zuhause: Rexhep und Gjula bewohnen mit ihren Kindern Sabina, Samir und Yetmir die drei Zimmer der Gemeindewohnung. Nicht mehr lange, kündigt ein Schreiben vom Regierungspräsidium an.

Die Familie hat bereits Asyl und ein Bleiberecht beantragt, beides ohne Erfolg. Alle juristischen Möglichkeiten sind ausgeschöpft, die humanitären Aspekte des Falls hat die Härtefallkommission beim Innenministerium geprüft und ein Bleiberecht abgelehnt. Wie die Ferizis stammen die meisten der über 3000 betroffenen Ausländern, deren Rückführung ansteht und die eine Eingabe vor der Kommission angestrebt haben, aus Serbien und Montenegro einschließlich dem UN-verwalteten Kosovo. Jetzt kündigte ein Schreiben von der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge im Regierungspräsidium Karlsruhe an, die Ferizis müssen ihre „freiwillige Ausreise“ antreten. Am Ostersamstag läuft die Frist ab, bei Nichteinhaltung droht die zwangsweise Rückführung in „das Heimatland“.

Kosovo. Samir, 16, erklärt, wo das liegt. Sonst weiß er nichts von dem Land, aus dem er mit Eltern und Geschwistern 1993 nach Deutschland kam. Samirs ältere Schwester Sabina: „Als ich hierher kam, war ich vier. Ich habe keine Erinnerung, wie es dort aussieht“. Yetmir erst recht nicht. Er besuchte wie sein Bruder Kindergarten und Grundschule in Hüffenhardt, aktuell die Haupt- und Werkrealschule in Haßmersheim. Gewitzt und von schneller Auffassung ist er, auch im Fußball. Die C-Jugend im Hüffenhardter Sportverein zählt auf den Stürmer und fleißigen Trainingsbesucher. Sabina hat in der örtlichen Metzgerei ein Praktikum absolviert, nach der Berufsschule könnte sie Verkäuferin werden. Mutter Gjula musste ihre Stelle in der Pizzeria im Dorf aufgeben, weil ihr im Dezember die Arbeitserlaubnis entzogen wurde. Damals zeichnete sich ab, dass die Familie wohl nicht bleiben darf. Pizzeria-Inhaber Ayhan Kösker bedauert, eine fleißige Mitarbeiterin zu verlieren. Gjulas Mann war über sieben Jahre bei der Gemeinde beschäftigt und hat alle Einsatzbereiche im Bauhof durchlaufen. Bauhofleiter Torsten Hahn kann ihn nur loben und ist über den Bescheid entsetzt: „Das sind unbescholtene Bürger, eine Katastrophe für die Familie“.

„Die Leute sind integriert“, daran gibt es für Bürgermeister Bruno Herberich nichts zu rütteln. Mehr als man gemeinhin erwarten könnte, hat er sich in den letzten Jahren für die Ferizis eingesetzt: „Ich bin überzeugt, sie sind es wert“, sagt er. Menschlich sei nicht nachzuvollziehen, warum man die Leute in eine ungewisse, im Fall der Kinder perspektivlose Zukunft in einem für sie fremden Land schicken sollte. Für den Bürgermeister keine Frage, dass geltendes Recht hier nicht mit gerecht gleichzusetzen ist. Viele im Dorf teilen diese Auffassung. Empört sind Ursula und Wolfgang Hasemann aus Kälbertshausen, die sich fragen, warum man „rechtschaffene, gesetzestreue Menschen außer Landes weist“. Sportvereinsvorsitzender Lothar Küblböck, Pfarrer Christian Ihrig, Dr. Bernhard Johmann oder GHWRS-Rektor Gerhard Hui haben ihre jeweils positive Einschätzung der Härtefallkommission zukommen lassen, die dennoch das Bleiberecht versagt. Die Begründung für den Negativ-Bescheid kennt nicht einmal der Anwalt der Familie. Im allgemeinen gilt die Tatsache, dass Antragsteller ihren Lebensunterhalt durch eigenes Einkommen bestreiten können oder überdurchschnittlich integriert sind als Grund, ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. Mit dem Gang vor den Petitionsausschuss des Landtags erhofft sich die Kanzlei aus Sinzheim, die die Familie vertritt, eine letzte Chance, wohl wissend, dass alle Aspekte des Falls bereits abgewogen wurden. „Petitionen an den Landtag mit dem Ziel eine Aufenthaltserlaubnis zu erlangen werden wohl in Zukunft keine Bedeutung mehr haben“, so eine Abwägung in einer Veröffentlichung der Geschäftsstelle der Härtefallkommission.