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Erfahrungen mit der S-Bahn von Osterburken nach Mosbach

Leserbriefe von Christine Denz an die lokale Presse

 

6. November 2005

Ich fahre sehr oft die Strecke Hannover - Würzburg – Osterburken – Mosbach und teile dabei regelmäßig mit zahlreichen Reisenden den Ärger, dass der Regionalexpress zwar in Würzburg pünktlich abfährt, aber mit Verspätung in Osterburken ankommt. Dann ist die S-Bahn meistens weg. Am letzten Freitag Abend waren es 27 Reisende, die fast eine Stunde warten mussten. Bekanntlich fährt die S-Bahn dort nur jede Stunde, was für eine so stark nachgefragte Strecke sowieso ein Unding ist.

Es ist mir ein Rätsel, warum die Bahn nicht in der Lage ist, ihren Fahrplan einzuhalten. Denn auf dem knapp einstündigen Weg zwischen Würzburg und Osterburken gibt es nur einen einzigen Halt: nämlich Lauda. Falls irgendwo auf der Strecke Zeit verloren geht, müsste diese doch einzuholen sein.

Es ist mir auch ein Rätsel, warum die Bahn- und die S-Bahn-Betreiber offensichtlich nicht miteinander kommunizieren und im Verspätungsfall nicht miteinander telefonieren können. Dann muss der Anschlusszug in Osterburken eben warten. So gesellt sich zum Verdruss über die ständig steigenden Preise der Verdruss über den miserablen Service. Es gibt keine Durchsage. Wo sind die Warteräume? Der nächste Winter kommt bestimmt; dem Bahnhof fehlt jede Attraktivität. Und dann fielen mir doch fast die Augen aus dem Kopf: es hielt ein Zug, aus Richtung Mosbach kommend, 20 Minuten, bevor er zurückfahren sollte. Die Leute stiegen aus – der Zug wurde geschlossen – man stand erst einmal fassungslos davor. Was die Reisenden dann wohl denken, wenn es wieder Winter ist? Im Kreistag habe ich einen Vortrag von den S-Bahn-Betreibern gehört. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich von über 95%iger Zuverlässigkeit gehört. Bei den restlichen 5% muss es sich um Osterburken handeln, wo ich es schon so oft erlebt habe. Man sollte aus Protest auch nur 95% des Fahrpreises bezahlen!

 

16. November 2005

Der Leserbrief von Frau Fischer erfüllt mich mit großer Befriedigung, weil er aussagt, dass der Nahverkehr im Landkreis angekommen ist. Er entschädigt mich für manche Diffamierung (nicht durch Frau Fischer!), die wir Grüne uns noch vor 10 Jahren in der politischen Diskussion um die Stärkung des Öff. Nahverkehrs anhören mussten. Damals hieß es u. a. im Mosbacher Gemeinderat und in Leserbriefen: „ideologischer Schwachsinn, dieser ÖPNV!“ Nun sind alle dafür, auch die damaligen Kopf-Schüttler: „unser eigenes Kind“ (Leserbrief von Frau Ament, Limbach) hat im Nachhinein viele politische Väter bekommen. Auch die Bevölkerung engagiert sich. Das ist gut so! Dasselbe läuft übrigens jetzt auch mit unserem zweiten „Kind“: den erneuerbaren Energien und der Biomasse. CDU und SPD versuchen sich auf der Grünen Überholspur. Im Sinne der Sache ist auch das sehr gut so.

Nun aber noch in aller gebotenen Kürze zur S-Bahn. Ja, die Strecke Mosbach – Eberbach – Mannheim hat kaum Verspätung; das erfahre auch ich am eigenen Leib. Aber 95 % Zuverlässigkeit sind eben 5 % zu wenig. Wie dem möglicherweise abzuhelfen wäre, habe ich in meinem Leserbrief geschildert. Ich gehe noch weiter: eine S-Bahn, die ihren Namen auch verdient, müsste alle 20 Minuten fahren. S-Bahn bedeutet ja „Schnellbahn“, heißt schnell weg und schnell hin, und dies zuverlässig, da gebe ich Frau Fischer Recht. Aber es müssen auch die Übergänge zu den Zügen der Bahn-AG funktionieren (Osterburken, Heidelberg, Mannheim). Da hapert es aus vielen Gründen, u. a. auch deshalb, weil die Bahn AG sich aus der Fläche zurückgezogen hat und sich auf lukrative Strecken konzentriert. Selbst Heidelberg wird kaum noch von ICEs angefahren. Meinen Leserbrief habe ich an die verantwortlichen Stellen geschickt: die Bahn-AG, den Verkehrsverbund Rhein-Neckar und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Ich will nicht nur Missstände aufzeigen, sondern will auch etwas verändern.

 

28. November 2005

Einerseits – andererseits: Manchmal führt es tatsächlich zu Verbesserungen, wenn man öffentlich Missstände aufzeigt. So geschieht es für den Umstieg vom Regionalexpress Würzburg – Stuttgart am Bahnhof Osterburken in die S-Bahn Richtung Mosbach – Mannheim usw. Zu großer Euphorie ist allerdings kein Anlass. Aber auch kleine Dinge sollte man wertschätzen und würdigen. So schrieb mir auf meinen Leserbrief hin, den ich an die verschiedenen zuständigen Stellen weitergeleitet hatte, die DB Regio, Mannheim: künftig sollen die Türen der S-Bahn für in Osterburken wartende Reisenden offen gehalten werden. Damit können diese früher zusteigen und sich in der geheizten Bahn aufhalten. Alternativ wird die DB Regio AG mit der DB Station & Service über Möglichkeiten sprechen, den Wartesaal zu öffnen. Ab sofort soll auch die letzte Anschluß-S-Bahn S 6136, 20.36 Uhr ab Osterburken Richtung Mosbach – Mannheim so lange warten, bis der Zug aus Würzburg eintrifft. So weit so gut geht es mit der S-Bahn.

Andererseits: Aber bestehen bleibt das Problem mit der Bahn AG. Der Brief gibt folgende miserable Anschlusssicherheit in Osterburken an: Umstieg vom Zug aus Richtung Würzburg auf die S-Bahn: 87,3%. Die umgekehrte Richtung: S-Bahn und dann Zug nach Würzburg: 98,4%. Die Bahn konzentriert sich auf lukrative ICE- und andere Strecken, zieht sich immer mehr aus der Fläche zurück. Das ist nicht akzeptabel. Wir brauchen gute Anschlüsse in Würzburg, Stuttgart an die Fernverbindungen. In Mannheim bestehen sie bereits. Viel mehr Menschen würden das Auto stehen lassen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen, wenn Takt, Vernetzung, Service und Preis stimmen würden. Man kann davon ausgehen, dass die Öl- und Benzinpreise weiter steigen werden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man wesentlich sicherer als im PKW, braucht nur ungefähr ein Viertel der Energie. Eine Studie des ADAC hat gerade errechnet, dass ein Autokilometer mehr als doppelt so teuer ist wie ein Bahnkilometer. Ein Liter Benzin verpestet ca. 10.000 Liter Luft. Der steigende Verkehr „frisst“ alle bisherigen Fortschritte in der CO2-Reduzierung auf. Die Schweiz macht uns die Verkehrswende längst erfolgreich vor. Dort fahren die Menschen dreimal mehr mit Bahn und Bus, weil das Netz und der Takt viel dichter sind. Die deutsche Bahn AG muss ihr Angebot wesentlich verbessern. Die von der neuen Bundesregierung angekündigten Kürzungen für den Nahverkehr müssen zurückgenommen werden.