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Thema: Biogasanlagen

 

Kraichgau-Stimme, Dezember 2005

 

Annette Gast-Prior

 

Alternativ zu Obrigheim könnte eine Anlage des Biogaspark Neckar-Odenwald im Kraichgau stehen - Hüffenhardt ist als Standort in der Diskussion

Eine Biogasanlage in Hüffenhardt? Bürgermeister Bruno Herberich hält das für möglich, nachdem sich bei einer Informationsveranstaltung in Obrigheim herauskristallisiert hatte, dass dort die Transportwege ein Problem für die Landwirte darstellen, die so eine Anlage beschicken sollen.

Sie erzeugen aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo) Wärme und elektrische Energie. Ob das höher gelegene Hüffenhardt einer von bisher sieben vorgesehenen Standorten innerhalb des Biogaspark Neckar-Odenwald wird, hängt wesentlich von zwei Faktoren ab: ist genügend Fläche verfügbar, um das Rohmaterial – Mais-, Gras- und Ganzpflanzensilage aus Getreide (GPS), aber auch Gülle – standortnah zu gewinnen und: ist die entstehende Wärme verwertbar? Letztere Voraussetzung wäre in Obrigheim erfüllt, das im Schulzentrum einen idealen Wärme-Abnehmer hätte. Diese Wärmeleistung kann aber auch auf anderem Wege erbracht werden, betont Dr. Dr. Thomas Brückner von der Münchener Natur Energieanlagen Projekt GmbH (neap). Die Biogaspark Neckar-Odenwald GmbH, die unter anderem mit diesem Partnern das alternative Energieprojekt im Zeitalter nach KWO auf den Weg bringt, ist ein Kind der Abfallwirtschaftsgesellschaft Neckar-Odenwald (AWN), die eine der Anlagen gern in Obrigheim sähe. Interessenten finde das Projekt im Neckartal durchaus, allerdings sprechen steile und damit teuere Transportwege aus Sicht der Landwirte dagegen, erklärt Brückner die Situation. Herberich hat Hüffenhardt als alternativen Standort ins Spiel gebracht, mögliche Wärme-Nutzer sieht er in einer Kreiseinrichtung oder Gewerbebetrieben. Um den Betrieb für die 500 Kilowatt-Anlage zu gewährleisten, wären Rohstoffe aus rund 300 Hektar Ackerland nötig, erklärte Brückner jetzt vor rund 40 Landwirten, die zu einer Informationsveranstaltung im Hüffenhardter Teilort Kälbertshausen gekommen waren. Sie als Investitionspartner zu gewinnen, scheint Herberich sinnvoll, um „die Wertschöpfung in einer Hand zu behalten“, allerdings ist auch eine Kooperation „nur“ als Zulieferer von Gärsubstraten möglich. Über 20 Landwirte haben sich in Hüffenhardt näher für das Projekt interessiert. Reinhard Koos aus Siegelsbach brachte auf den Punkt, was sie bewegt: Die Abnehmer müssten „eine Kleinigkeit mehr bezahlen wie dort, wo wir jetzt hin fahren“. Am Rechenbeispiel zeigte Brückner, dass aus dem Entgelt für Substratlieferung, Einspeisevergütung nach dem erneuerbare Energien-Gesetz und Wärmeverkauf die Anlage ab 2017 bezahlt wäre, wenn 2006 gebaut wird. Sein Ziel: im neuen Jahr drei Anlagen im NOK in Betrieb bringen. „Varianten des Entgegenkommens“ bei einem durchschnittlichen Entgelt von 24 Euro (Mais-Substrat) und 26 Euro (GPS) je Tonne Rohmaterial würden geprüft, sagte Brückner zu. Das unternehmerische Risiko, das Investoren eingehen, könne diesen niemand abnehmen, brachte Herberich die Diskussion um Gewinne und zehn Jahre Vertragsbindung auf den Punkt. Die Anlagen im Biogaspark des NOK würden entweder jede für sich als GmbH betrieben oder alle zusammen als GmbH und Co. KG. Lebhaft diskutierten die Landwirte Fragen der Haftung bei schlechten Erträgen, Bonusregelungen, die Zulassung von Substraten, Rücknahme der anfallenden Gülle, die Anrechnung der NawaRo auf Stillegungsflächen oder den möglichen Rückbau der Anlage nach 20 Jahren.

 

Bewirtschaftung sicherstellen

Als „gute Zukunftsvision“ sieht Hüffenhardts Bürgermeister Bruno Herberich die Errichtung von Biogasanlagen im ländlichen Raum und informierte in der letzten Gemeinderatssitzung über Sondierungsgespräche über einen möglichen Standort in Hüffenhardt. „In der Moderatorenrolle“ sei die Gemeinde und sehr interessiert daran, wie sich Veränderungen in der Landwirtschaft auf die Kulturlandschaft auswirke. Die Bewirtschaftung vorhandener Flächen sei von öffentlichem Interesse, aber auch, dass dabei die Wertschöpfung „bei der Landwirtschaft“ bleibe. Sollte in Hüffenhardt eine Biogasanlage entstehen, muss die Kommune eine Bauleitplanung erstellen, unter Umständen den  Flächennutzungsplan fortschreiben und die Suche nach einer Fläche von rund einem Hektar begleiten, „damit eine Anlage den Betreibern und der Wohnbevölkerung Rechnung trägt“ - so weit wie möglich weg von der Bebauung, so nah wie möglich beim Wärmeabnehmer. Theoretisch und technisch bestünde auch die Möglichkeit, Biogas aus einer 500 KW-Anlage zu nutzen, um rund 250 Haushalte mit Wärme zu versorgen, vorrangig suche man aber einen Großabnehmer. Auch bestünde die Möglichkeit einer Einspeisung in ein Erdgasnetz.

 

Genmais bis auf Weiteres ausgeschlossen

Wird die Zulassung für gentechnisch veränderten Mais den Bau von Biogasanlagen attraktiver machen? „Eher nicht“, meint Thomas Brückner vom Energieanlagenbauer neap. Genmais sei zwar ein politisch hoch gehängtes Thema, bringe aber in der Praxis keinen speziellen Vorteil für die Maisverwertung in Biogasanlagen. Dafür gebe es viel versprechende konventionelle Züchtungen speziell für diese Nutzung, die in fünf bis zehn Jahren gegenüber heute doppelt so hohe Erträge versprechen. Beim Biogas-Mais komme es wesentlich auf Masse an, entscheidend sei nicht, wie bei Futter- oder Körnermais, die Kolbengröße. Sollte es eine Kennzeichnungspflicht für Genmais geben, könne man die Zulassung gelassen sehen, wenn nicht, bekomme man in fünf Jahren gar nichts anderes mehr. In den Verträgen, die die neap mit ihren Zulieferern und Investoren schließen will, sei Genmais „bis auf Weiteres ausgeschlossen“. Thomas Mann, Landwirt aus Hüffenhardt und Mais-Experte, sieht in der Genmais-Diskussion den Widersinn, dass man Flächen stilllegt, andererseits aber einem – vermutlich teueren – Produkt den Weg bereiten will, das auf hohe Erträge abzielt.