Bündnis 90/Die Grünen

Kreisverband Neckar-Odenwald

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Presse 2009

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 16. 7. 2009

Strom und Wärme müssen genutzt werden

Künftige grüne Kreisfraktion besuchte Biomassekraftwerk Obrigheim

 

Von Dorothee Roos

Das Frauenquartett der künftigen bündnisgrünen Kreistagsfraktion im Neckar-Odenwald-Kreis (Christine Denz, Simone Heitz, Gabi Metzger, Dorothee Roos) besuchte – als erste gemeinsame Aktion - das neue Biomasse-Kraftwerk in Obrigheim. Die vier Frauen wurden dort von Bürgermeister Lauer, Geschäftsführer Martin Schnatterbeck und einem der privaten Investoren begrüßt.

Das Gespräch wurde zweiteilig geführt. Zunächst beantwortete Martin Schnatterbeck ausführlich alle Fragen zur – inzwischen beseitigten – Lärmbelästigung, die vor allem in Binau für viel Unmut gesorgt hatte. Er unterstrich dabei, dass alle Einzelkomponenten des Kraftwerks bei der Fertigung den vorgeschriebenen Schallwerten entsprochen hätten. Im Zusammenspiel und in der komplexen Schall-Umgebung vor Ort habe es aber zahlreiche Summations- und Überlagerungseffekte geben. Sie seien in dieser Form nicht vorhersehbar gewesen und hätten erst in einem aufwändigen Prozess geortet und identifiziert werden müssen. Eines der beanstandeten Schallphänomene sei sogar im Bereich der Kläranlage entdeckt worden, deren Betrieb in den Jahren vorher nie zu Klagen geführt habe. Nach Einschaltung von Lärmschutz-Experten seien nunmehr die kritischen Punkte des Kraftwerks nachgerüstet worden. Die jüngsten Messungen hätten eine Einhaltung der Grenzwerte ergeben, auch die Proteste seien verstummt.

Die Kreisrätinnen zeigten sich hierüber zufrieden; sie betonten, dass auch bei erneuerbaren Energien die Umweltverträglichkeit gewährleistet sein müsse. Sie empfahlen den Betreibern, noch mehr Anstrengungen zur Information der Öffentlichkeit zu unternehmen – wie inzwischen auch geschehen.  

Elektrische Leistung, Wärmeleistung, nachhaltige Holzlieferungen, regionaler Wirtschaftskreislauf,  – um diese Themen drehte sich dann der zweite Teil des Gesprächs. Das Kraftwerk unterhält Wirtschaftsbeziehungen mit 60 bis 65 Partnern aus der Region in einem Radius von bis zu 100 km, darunter Gemeinden und Straßenbauämtern, die kleinere Holzmengen aus den üblichen Landschaftspflegemaßnahmen und Schwachholz aus dem Forst anliefern. Dies solle auch so bleiben, versicherte Schnatterbeck, der erklärte, gerade ein größeres Angebot aus Südfrankreich aus diesem Grund abgelehnt zu haben.

Die grüne Kreisvorsitzende und Bundestagskandidatin Christine Denz forderte die Verantwortlichen abschließend aus, alles zu tun, um die thermische Leistung des Kraftwerks, die immerhin zwei Drittel der eingesetzten Energie betrage, einer effizienten Nutzung (Nahwärme oder industrielle Prozesswärme) zuzuführen. Erst dann könne beim 17 Millionen teuren Kraftwerk von einer ökologisch sinnvollen Investition gesprochen werden.  Schwachholz und Abfallholz aus Pflegemaßnahmen könnten und sollten zwar genutzt werden, doch dürfe dies nicht zu einer „ausgeräumten“ Umwelt führen. Erhaltung und Neubildung der Humusschicht seien für eine nachhaltige Landschaftspflege unverzichtbar.