Bündnis 90/Die Grünen

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Presse 2010

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 13. 1. 2010

Das „Ding“ und die Dinge differenziert betrachten

Der Landschaftsaspekt ist nicht der einzige Blickpunkt auf den Katzenbuckel-Masten

 

von Ulla Brinkmann

Wie jedes so hat auch das „Ding vom Katzenbuckel“ mehrere Seiten. Und auf die weisen Landrat Dr. Achim Brötel und Waldbrunns Bürgermeister Klaus Schölch hin. Sie fordern dazu auf, die „Dinge differenziert zu betrachten“. Dr. Brötel unterscheidet zunächst den Digital- vom Mobilfunk. „Der Digitalfunk ist Grundlage einer zeitnahen Alarmierung der Rettungsdienste. Hier kann es also um Leben oder Tod gehen.“ Das der Einwohner und das der Feriengäste.

Auch wenn der Katzenbuckel so etwas wie die touristische Visitenkarte unserer Region sei, wo man den Gästen gegenüber kein schlechtes Bild abgeben will, wägte Brötel ab, muss man seines Erachtens bereit sein, tragfähige Kompromisse zu suchen.

Dafür ist noch Zeit. Bürgermeister Schölch wies darauf hin, dass die Planungen ja bereits seit einem Jahr laufen. „Und sie werden noch ein weiteres halbes Jahr brauchen.“ Zum Beispiel deshalb, weil das Gutachten über die Umweltverträglichkeit nicht vor April bis Mai vom Mosbacher Ingenieurbüro für Umweltplanung Walter Simon vorgelegt werden kann. Schölch stimmte Brötels Betrachtungen „vollkommen zu“. Auch für den Bürgermeister der Winterhauch-Gemeinden hat oberste Priorität, dass es in Waldbrunn „kein schwarzes Loch“ geben darf. Gemeint ist, dass von anderen Standorten die funktechnische Ausleuchtung einiger Gebiete im Bereich des Ittertales nicht gewährleistet wäre, wenn ein weniger geeigneter Standort als der Katzenbuckel gewählt würde.

Ziel aller Anstrengungen der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) aber ist die weitgehend flächendeckende Funkversorgung der ganzen Republik. Das ließ man von der Berliner BDBOS verlautbaren, die mit der Planung und Konzeption des Digitalfunknetzes befasst ist. Für den Basisstandort Katzenbuckel ist ein neuer Stahlgittermast mit einer Höhe von 50 Metern vorgesehen. Nun kann sich Klaus Schölch vorstellen, dass eine Lösung möglich wäre, die den bestehenden Sandsteinturm als Träger der Parabolantennen nutzt. „Das geht aber nicht, wenn die einen Durchmesser von 1,8 Metern haben“, schränkte Schölch ein.

Zwei technische Details, die bei dem Treffen in der Turmschenke angesprochen wurden, klärte die BDBOS ebenfalls: „Mit zwei niedrigeren Masten kann eine ausreichende Funkversorgung nicht geschaffen werden.“ Und: „Der Strombedarf entspricht dem eines Einfamilienhauses.“

Gleichwohl hofft der Landrat, „dass es im Zuge der weiteren Gespräche noch gelingen wird, einen Alternativstandort zu finden, der funktechnisch gleichwertig ist, aber das Landschaftsbild nicht so sehr beeinträchtigt.“ Damit alle sich demnächst ein Bild davon machen können, wie sich der Sendemast in dem Landschaftsschutzgebiet ausnehmen würde, sollen nach Schölchs Worten Bildmontagen erstellt werden und bei einem weiteren Ortstermin ein befestigter Ballon auf dem Odenwaldgipfel der Vorstellungskraft über den späteren Zustand auf die Beine helfen. Schölch wandte außerdem ein, dass das Bild schon im Mai ganz anders aus- und man den Masten nicht mehr sehe. Er sagte aber auch: „Wenn’s ohne den Standort dort oben geht, dann ist mir das recht.“

Es kommt nun auf den Waldbrunner Gemeinderat an. Der wird am 1. Februar zu einer Sitzung berufen, die ausschließlich dem Funkmasten gewidmet ist. Die Planer, die bis dahin noch einmal nach Alternativen Ausschau halten, werden den Volksvertretern das Projekt detailliert vorstellen. Beschlossen wird an diesem Tag noch nichts.