Bündnis 90/Die Grünen

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Presse 2008

 

3. Juli 2008

Antwort auf die Stellungnahme von Karl-Heinz Neser in der RNZ vom 27. Juni 2008

 

Von Dinosauriern und Milchmädchen

 

Herr Neser freute sich über die kleine grüne Basis. Doch der Umstand, dass seine Partei mehr Mitglieder hat, führt nicht zwangsläufig zu Unfehlbarkeit. Zudem gibt es sogar in der CDU Menschen mit zukunftsfesten Standpunkten, nicht nur Atom-Dinosaurier.

 

Zu 1. Er beklagt martialisch die Vernichtung von Volksvermögen und Steuergeld. Welche denn?  Die Fehlinvestition von zig Milliarden in Forschung und zahlreichen Steuerbefreiungen? Oder die künftige Vernichtung für die Mülllagerung über Jahrtausende? Das sogenannte Endlager Asse II war für die Ewigkeit gedacht, doch nun ist es schon nach 40 Jahren am Ende.

Vernichtung von Arbeitsplätzen? Solche Prioritäten sind angesichts der Gefährlichkeit und Kosten der Atomenergie makaber und unseriös. Außerdem bieten die Ersatzenergien schon jetzt weit mehr Arbeitsplätze.

Ich erkenne wirtschaftlich keinen Nachteil für Obrigheim, man ist vorne dabei an einer neuen Zukunftstechnologie, dem Abbau von Atomkraftwerken, und neuen Dienstleistungen, der Lagerung von Atommüll. Dank des Ausstiegs wird es hiervon leider weniger geben, das könnte man den Grünen allerdings vorwerfen. Aber im Ernst, Obrigheim hat lange vom KWO profitiert, doch auch ein Lottomillionär ärgert sich ja nicht, wenn er fortan keinen Sechser mehr tippt.

 

Zu 2. Es stimmt, Firmenansiedelungen sind rar, doch gerade die Grünen schaffen die Grundlagen für neue Industrien bei Effizienz und erneuerbaren Energien. Ein altes AKW schafft keine neuen Arbeitsplätze, außer vielleicht bei Castorproduzenten oder Kinderärzten.

Herr Neser fordert einen Autobahnanschluss, wichtig wäre der flächendeckende DSL-Anschluss im NOK gewesen, auch hier ist er wie andere Granden der hiesigen CDU nicht auf der Höhe der Zeit.

 

Zu 3. Deutschland geht keinen Sonderweg, sondern muss den unvermeidlichen Weg in eine Zukunft ohne Öl und Uran gehen. Beispiel China, gerne falsch interpretiert, selbst deren Atomstromanteil wird trotz massiven AKW-Neubaus bis 2020 nur auf 4% steigen.

Der angebliche Stromkauf im Ausland ist ein Märchen, Deutschland exportierte 2007 Strom trotz wegen zahlreicher Probleme ausgeschalteter Atommeiler. Schlechte Netze, vermeidbare Spitzenlasten, Verschwendung, das sind die Knackpunkte.

Herr Neser glaubt, das KWO produzierte in der Endphase Strom für 3,5 Cent pro kWh. Das 11. Bier in meiner Stammkneipe ist gratis. Beides sind Milchmädchenrechnungen. Es ist unbestritten, dass Atomkraft allein dank der Folgekosten sehr teuer wird, hinzu kommen unermessliche Kosten potentieller Gefahren. Wer also ist der wahre Träumer?

 

Markus Schwab, Gundelsheim