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Rhein-Neckar-Zeitung, 13. 3. 2006
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Grüne Energievisionen gehen weiter
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Vier Referenten beim bündnisgrünen „Energieforum“ – Die drei großen E
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Von Peter Lahr
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Mosbach. Das Landkreis-Kürzel NOK interpretierte die bündnisgrüne Landtagskandidatin Christine Böhm am Donnerstagabend um in „Neue Odenwald Kraft“ und titelte so das regionale grüne Energiekonzept, das auf dem Einsatz erneuerbarer Energien basiert. Vier Referenten setzten sich vor 30 Zuhörern in der Alten Mälzerei mit dem Ökostrom-Ziel von Landrat Dr. Achim Brötel auseinander. Dieser selbst ließ sich entschuldigen. Einig waren sich die Referenten darüber, dass der Neckar-Odenwald-Kreis weitaus mehr erneuerbares Energiepotential hätte.
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„Die erneuerbaren Energien sind für uns ein altes Thema“, betonte Landtagskandidatin und bündnisgrüne Kreisvorsitzende Christine Böhm in ihrer Begrüßung. Allerdings finde gerade während des Landtagswahlkampfes ein Wettbewerb statt, bei dem derzeit alle miteinander wetteiferten, der beste Erneuerer sei. Als Referenten begrüßte Böhm die Co-Kreisvorsitzende Christine Denz, MdL Dr. Walter Witzel, Daniel Bannasch von der Mannheimer Agentur Ecorema und Erhard Renz, den Initiator des weltgrößten Solardachs in Bürstadt.
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Angestachelt von der Zielvorgabe des neuen Landrats, in drei Jahren alle Haushalte des Neckar-Odenwald-Kreises mit 100 Prozent Ökostrom versorgen zu wollen, analysierte Kreisrätin Christine Denz die aktuelle Energiesituation in der Region. Im Bereich der Photovoltaik seien besonders Landwirte und Privatleute eingestiegen, derzeit würden hieraus neun Megawatt (MW) Strom gewonnen. Wasserkraft spiele im Kreis kaum eine Rolle (0,5 MW), bei der Biomasse gehe es gerade erst los (7,8 MW). Zusammen mit den Windkraftanlagen (24 MW) errechnete Denz derzeit eine regenerative Energieproduktion von 41,3 MW, für die immerhin 90,6 Mio. Euro in der Region investiert worden seien.
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Würden die derzeit in Planung oder Bau befindlichen Anlagen – insbesondere das Biomassekraftwerk in Mudau, der Biogaspark und das Bioenergiezentrum in Obrigheim realisiert, so erhöhe dies die Stromproduktion um weitere 27,8 MW auf knapp 70 MW Leistung. Dem gegenüber setzte die Referentin den derzeitigen Stromverbrauch der Haushalte des NOK, der 150 000 Bewohner zähle. Diese verbrauchten 150 Millionen Kilowattstunden.
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Daraus folgerte Christine Denz: „Wenn die momentanen Planungen realisiert werden, könnte Brötels Ziel innerhalb von drei Jahren unter großen Anstrengungen erreicht werden.“
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Die Kreisrätin bemängelte, dass im Bereich der Wärme, insbesondere bei der Nutzung der Abwärme, die bei einer Biogasanlage als „Nebenprodukt“ anfalle, bislang keine Konzepte vorlägen. So habe es etwa die Mosbacher CDU-Gemeinderatsmehrheit beim neu zu erschließenden Baugebiet „Mittel“ abgelehnt, dort eine entsprechende Leitungs-Infrastruktur verlegen zu lassen.
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Bereits erfolgreich realisierte Projekte, die zeigen, dass 100 Prozent Ökostrom möglich sind, schilderte Daniel Bannasch, Volkswirt und Leiter der Mannheimer Agentur Ecorama. Er begann mit zwei kleinen Heidelberger Projekten wie dem Solarboot oder dem Krausturm, bei dem eine Solaranlage auf dem Dach den Strom für die Erdsondenwärmepumpen liefere. Wie mithilfe eines Biomasseheizkraftwerkes 140 wärmevernetzte Häuser von 750 Einwohnern versorgt werden könnten, sei im niedersächsischen Bioenergiedorf Jühnde nachzuvollziehen.
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Fast mit der S-Bahn könne man die Verbandsgemeinde Weilerbach erreichen, die kurz hinter Kaiserslautern liege und ihre 15 000 Einwohner mit einem alternativen Energiemix versorge. Auch die österreichische Gemeinde Güssing im südlichen Burgenland habe ihr erneuerbares Energieziel erreicht und freue sich über wöchentlich 300 Ökotouristen. Bannaschs grundlegende Erkenntnis: „Am Anfang wird die Idee bekämpft, dann belächelt und am Schluss haben sie alle gewollt.“
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Zu einem generellen Umdenken forderte Erhard Renz auf. Dr. Brötels Ziel sei deshalb ein falsches, da es zu niedrig angesetzt sei. Die Begrenzung auf die privaten Haushalte und das Fokussieren auf den Hauptpunkt Strom seien Fehl am Platze. Derzeit würden in Deutschland bereits elf Prozent der Energie aus erneuerbaren Energien gewonnen. Wenn ein CDU-Politiker nun davon rede, 100 Prozent des privaten Energieverbrauches regenerativ erzeugen zu wollen, so blende er 90 Prozent aus. Stattdessen gelte es, permanent kleine Anlagen zu bauen, unterstrich Renz. Zudem verbleibe bei Eigenerzeugung von Wärme und Strom viel Geld in der Region. Ausgerechnet Fürstenfeldbruck habe gezeigt, wie das Ziel erreicht werden könne: durch das Dämmen alter Häuser, durch Solarenergie und den Einsatz von Holzpellets- sowie Hackschnitzelanlagen.
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Auf die großen drei E setzte MdL Dr. Walter Witzel seine Hoffnungen: Erneuerbare Energien, Energieeinsparung und Effizienzsteigerung. Ohne Komfortverlust könnten wir unseren Energieverbrauch um 50 Prozent senken. Oettingers Forderung nach einer Laufzeitenverlängerung der Atomkraftwerke erklärte Dr. Witzel eine klare Absage. Dies sei auch eine falsche Antwort auf die dringenden Probleme des Klimaschutzes. Um das Aufweichen des Atomkonsens’ zu verhindern, charakterisierte Dr. Witzel die anstehende Landtagswahl als Richtungswahl. Im Gutachter Joachim Nitsch sah der Abgeordnete einen Verbündeten. Dieser habe geschrieben: „Das letzte Jahrzehnt war für die Umgestaltung der Energieversorgung Baden Württembergs ein verlorenes Jahrzehnt.“
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