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Stadtanzeiger Mosbach, 16. 3. 2006

 

Informationsabend zum Thema erneuerbare Energien

Energiestandort Neckar-Odenwald-Kreis

 

Erneuerbare Energien war Thema des Informationsabends, zu dem die Grünen in die Alte Mälzerei eingeladen hatte. Vor interessierten Zuhörern im kleinen Saal sagte Christine Böhm: „Jede Dose wäre froh, wenn sie so oft recycelt werden würde, wie dieses Thema“.

Die Brisanz des Themas untermauern Statistiken, die vorrechnen, wie knapp und teuer fossile Energien in Zukunft werden. Der Markt nimmt dies mit steigenden Energiekosten schon vorweg. „Global Player“ wie Shell und Royal Dutch haben das erkannt. Für sie ist es kein Widerspruch, viel Geld mit Erdöl zu verdienen und gleichzeitig in die Erforschung und Entwicklung alternativer Energieformen zu investieren. Doch selbst Insider können  Entwicklungen manchmal nicht vorhersehen. Das zeigt die Prognose eines großen deutschen Energiekonzerns aus dem Jahr 1993. Die Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerke prophezeiten den alternativen Energien langfristig nur einen Anteil von höchstens vier Prozent am gesamten Energiemarkt. Dank manchem Sonnenkollektor auf den Dächern privater Haushalte und landwirtschaftlicher Betriebe, Windkrafträdern überwiegend in Norddeutschland und Biomassekraftwerken liegt der Anteil erneuerbarer Energien jedoch heute schon bei elf Prozent.

Dieser Trend ist auch im Neckar- Odenwald-Kreis zu beobachten. Konkret sieht das laut Christine Denz folgendermaßen aus. Der größte Bestand an Photovoltaikanlagen entfällt mit fünf Prozent im Verhältnis zur installierten Leistung in Megawattstunden auf die Landwirte, dann folgen mit drei Prozent die privaten Haushalte. Auf kommunale Dächer und S.U.N.-Gemeinschaftsanlagen entfallen zusammen ein Prozent. Wasserkraft spielt im Neckar-Odenwald-Kreis nur eine untergeordnete Rolle. Eine große Bedeutung kommt hier im Kreis den Biomassekraftwerken zu, die allerdings einen Nachteil haben. Durch die Erzeugung von Strom entsteht als Nebenprodukt Wärme, die wenn sie nur zu einem geringen Teil sinnvoll genutzt wird, zur Klimaerwärmung beiträgt. Im Neckar-Odenwald-Kreis besitzen bisher zwei Landwirte eine solche Anlage, dazu kommt das Werk in Buchen-Sansenhecken. Investitionen sind u. a. in Mudau, in den Biogaspark der Abfallwirtschaftsgesellschft Neckar-Odenwald-Kreis (AWN) und in das Bioenergiezentrum Obrigheim geplant. In Obrigheim soll mit der hier entstehenden Prozesswärme Bioethanol erzeugt werden. Am Ende will man ca. 70.000 Fahrzeuge mit Biosprit versorgen. So viele wie zur Zeit im Neckar-Odenwald-Kreis unterwegs sind. Da für die Erzeugung von erneuerbaren Energien Platz nötig sei, käme dem ländlichen Raum große Bedeutung zu. Wahrscheinlich wird dort in Zukunft sogar ein Teil der produzierten Energie exportiert werden können. Auf diese Möglichkeit machte Daniel Bannasch aus Mannheim, Inhaber der Beratungsagentur „ecorema“, aufmerksam. Anhand von Beispielen belegte er, welche Vorteile erneuerbaren Energien den Kommunen bringen würden. Da werden die Orte Güssing in Österreich und Jühne im südlichen Niedersachsen, die sich beide komplett mit erneuerbaren Energien versorgen, in der Woche von ca. dreihundert Ökotouristen besucht. Ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor und eine gute Publicity dazu.

Aber nicht nur Kommunen, sondern ganze Nationen setzen sich konkrete Ziele. So will Schweden bis 2020 die erste ölfreie Nation werden. Natürlich lassen sich die Bedingungen von Schweden nicht unbedingt auf die dicht besiedelte Bundesrepublik übertragen. Aber auch China, ebenfalls ein bevölkerungsreiches Land, hat längst erkannt, wie wichtig erneuerbare Energien sind. Zwar sollen dort auch dreißig Atomkraftwerke erstellt werden, aber gleichzeitig hat China einen Anteil von 75% an den weltweit verbauten Solaranlagen und beweist damit politischen Weitblick. Richtungsweisende Projekte gibt es aber auch in der Nähe. In Nördlingen, in  Bayern, versorgt ein Biomasseheizkraftwerk mittels eines Nahwärmenetzes das örtliche Krankenhaus mit Energie. Referent Erhard Renz aus Bürstadt bemerkte dazu: „Erneuerbare Energien schaffen regionale Wertkreisläufe“. Die Energie wird im Kreis erzeugt und dort verbraucht. So lassen sich nicht nur Energiekosten reduzieren, sondern die Kaufkraft bleibt in der Region. Wie im Großen so im Kleinen, ist es auch für Erhard Renz kein Widerspruch, im Hauptberuf Angestellter bei Daimler-Chrysler zu sein, sich mit erneuerbaren Energien zu befassen und die weltweit größte Dachphotovoltaikanlage initiiert zu haben. Die Geschichte zeigt es. Dr. Walter Witzel aus Freiburg sah die Zeit vom antiken Griechenland bis zum Beginn der Industrialisierung als das erste Solarzeitalter. Heute, im Zeitalter der fossilen Energien müssen aus Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt gegenüber zukünftigen Generationen alle Anstrengungen erbracht werden, es zum zweiten Solarzeitalter zu schaffen. Dass angesichts knapp werdender Ressourcen keine andere Möglichkeit besteht, darin waren sich alle Referenten des Abends einig.