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Pressemitteilung, 25. 10. 2006

Golden Gate Bridge in Zwingenberg?                            

MdL Hans-Ulrich Sckerl besorgt über Auswirkungen des geplanten Brückenbaus

 

„Das wird ja unvorstellbar eng und ist zudem überflüssig“ kommentierte der Grüne Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl die Pläne für eine Neckarbrücke Zwingenberg. Sie soll die Fähre ersetzen, die derzeit täglich rund 10 PKW und jährlich rund 23.000 Radfahrer ans andere Ufer bringt. Bei einem Vor-Ort-Termin vor einigen Tagen erläuterten Dr. Wolfgang Schnetter, Gerhard Neureither und Karlfried Hepp als hiesige NABU-Mitglieder das mit 6,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt der Gemeinde Zwingenberg. Sckerl wurde von der Grünen Kreisvorsitzenden und Kreisrätin Christine Denz begleitet.

Der Abgeordnete zeigte sich außerordentlich besorgt über die Massivität des Landschaftseingriffs in diesem engen Flussabschnitt. Wird die „Rad- und Fahrwegbrücke“ tatsächlich gebaut, würden die drei Brückenfelder 215 Meter überspannen; dies einschließlich der außerdem zu bauenden großen Straßen-„Schnecke“ auf der Zwingenberger Seite. Vom Wasserspiegel aus gerechnet würden sich die Pylone 40 Meter hoch erheben. Die Stahlseilkonstruktion würde die einspurig geführte Straße für PKW, LKW und Räder tragen.

„Wohin soll die Brücke führen?“, fragte Sckerl. Sozusagen ins Grüne, zum Naturfreunde-Haus und zu einem Bootshafen, zu Feldern für einen Nebenerwerbslandwirt und auf eine schmale Straße in Richtung Neunkirchen. Ein Landschafts- und Naturschutz- und FFH-Gebiet würden berührt. Die nächste Neckarbrücke liegt vier Kilometer weiter im benachbarten Neckargerach. “Für ein solch gewaltiges, Millionen verschlingendes und das enge Tal dominierendes Bauwerk muss die Gemeinde Zwingenberg gute Gründe darlegen“, fragte Sckerl nach. Die Antwort ließ ihn aufhorchen. Die Gemeinde Zwingenberg begründete die Erforderlichkeit des Brückenbaus zunächst offiziell mit Erweiterungsabsichten auf der anderen Neckarseite. Aber davon habe sich die Gemeinde später distanziert. Auch fehle die planerische Grundlage; denn im modifizierten Flächennutzungsplan vom Mai 2006.sei keine Rede von einem Neubaugebiet. „Damit entfällt eine gewichtige Begründung für den Brückenbau“, so Kreisrätin Christine Denz. Weiterhin bezeichnet die Gemeinde die derzeitige Fähre als unwirtschaftlich; und ihr Betrieb sei wegen der Enge des Talabschnittes und der Nebelbildung mit Risiken behaftet. Auch dies ließe sich mit modernen Kommunikationsmitteln kostengünstig ändern, so die kritischen Betrachter.

Abschließend wurde das Argument „Wirtschaftlichkeit“ zerpflückt. Wirtschaftlich im engen Sinn sei es sicherlich für eine Gemeinde, wenn Bund und Land fast alle Kosten übernehmen. Aber hier gebe es doch eine bereits funktionierende Alternative, die zudem noch landschafts- und tourismusverträglich sei. Viel Geld solle für die angebliche Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur verschwendet werden, das dann logischerweise an anderer Stelle fehle. 1,8 Millionen Euro sollen aus dem Etat für Bundesradwege beigesteuert werden. „So manche Kommune kämpft vergeblich um wesentlich kleinere Beträge. Hier könnten die Gelder dann besichtigt werden – auf der Golden Gate Bridge in Zwingenberg“, kommentierten Uli Sckerl und Christine Denz. Der Landtagsabgeordnete sagte eine weitere kritische Unterstützung aus Landtagssicht zu.