Bündnis 90/Die Grünen

Kreisverband Neckar-Odenwald

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Presse 2006

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 23. 1. 2006

Grüne Dame fordert schwarzen König heraus

 

Von Peter Lahr

Gut 50 Gäste konnte die bündnisgrüne Kreisvorsitzende Christine Denz am Freitagabend im Gasthof „Zum Lamm“ zum Auftakt des grünen Landtagwahlkampfes begrüßen. Kandidatin Christine Böhm verpackte ihr Polit-Programm in eine spannende Schachpartie auf grünem Grund. MdB Fritz Kuhn, Fraktionsvorsitzender im Budestag, scheute sich nicht, auch ungemütliche Fragen anzupacken.

„Christine Böhm ackert für Grün, Christine Böhm argumentiert sehr klug für Grün, Christine Böhm schaltet um auf Grün“, mit diesen Worten stellte Kreisvorsitzende Christine Denz die Landtags-Kandidatin vor. Schon seit langen Jahren bilden „die beiden Christines“ den bündnisgrünen Doppel-Vorsitz im Neckar-Odenwald-Kreis. Als „grüne Pflanze auf schwarzem Grund“ bezeichne sich Christine Böhm selbst.

Die Kandidatin wollte weniger ihre Person in den Mittelpunkt stellen, als vielmehr das Programm, das sie vertrete.

Auch wenn sie keine Schachschule eröffnen wolle, so lud Böhm doch gerne zu einer Partie „Chess for one“.

Auf dem Spielfeld hatten sich bereits „der schwarze König“ (e 6) und sein „Atomturm“ (c 8) positioniert. Gemeint waren Ministerpräsident Günther Oettinger und seine neuesten Angriffe auf den Atomkonsens. Heiß umkämpft war der „Turm der Windräder“ (g 8), der andeuten sollte, dass urgrüne Themen plötzlich von „Hauk & Co“ übernommen würden – aus rein wirtschaftlichem Kalkül bzw. Zeitgeist-Gründen. Doch Böhm beharrte darauf: „Plagiate taugen nichts.“ Stattdessen empfahl sie: „Nehmt das Original.“

Für „Chancengleichheit bei der Bildung und ein gebührenfreies Erststudium“ stand der grüne Springer (f 3). Für Mobilität und die „überregionale grüne Idee der S-Bahn“ warb der Läufer (b 4). Mülltransporte nach Sansenhecken gehörten auf die Schiene, betonte Böhm.

Weit vorne im Rennen lag der Bio-Bauer (g 5). „Wir wollen, dass Baden-Württemberg Gentechnik-freie Zone bleibt“, stellte die Kandidatin klar, bevor sie die grüne Dame (a 8) ins Spiel brachte. Mit dem Böhm-typischen Zöpfchen ausgestattet, schlug die grüne Dame den Atomturm und setzte den schwarzen König schachmatt.

Abschließend appellierte Böhm an ihre Zuhörer: „Es gibt nur ein Kreuz im Wahlkampf, splitten geht nicht, entscheiden sie sich für Grün.“

Überlegt ging Fritz Kuhn vor. Der bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende im Bundestag, punktete mit klaren Worten, vorgetragen ohne übertriebene Gestik. Auch vor „ungemütlichen Fragen“ scheute sich Kuhn nicht. Er begann mit dem Feld der Außenpolitik und pirschte sich dann langsam ran ans „Kinderland Baden-Württemberg“, einen Begriff, den er das erste Mal verwendet habe.

Kuhns Auftakt bildeten die Atomwaffen-Pläne des Iran, dessen unverhohlene Drohung gegen Israel ihn extrem beunruhigte. „Wir haben nichts zu verbergen“, stellte Kuhn klar im Bezug auf den bislang anonymen BND-Vorwurf. Er forderte rasche Aufklärung, hatte jedoch den persönlichen Eindruck, „dass die Geschichte auf nicht haltbaren Füßen steht“.

Trotz momentanen „Honeymoons“ zwischen Müntefering und Merkel zeigte sich Kuhn misstrauisch gegenüber der großen Koalition. Bereits auf Landesebene habe man von 1992 bis 96 in Stuttgart gesehen, dass eine solche Konstellation nicht die richtigen Reformen anpacke. „Schröder hat die Flinte zu früh ins Korn geworfen“, bedauerte Kuhn und konnte die Zustimmung der SPD - inklusive Ute Vogt -  zu einer dreiprozentigen Mehrwertsteuer-Erhöhung nicht nachvollziehen: „Das ist eine Voodoo-mäßige Wette auf die Konjunktur. Das wird nicht gut gehen“ warnte er.

Als „grottennaiv“ bezeichnete Kuhn die Vorstellungen der großen Koalition zur Kinderpolitik. Gerade bei der Kleinkinderbetreuung habe Baden-Württemberg „lausige Quoten“. Die Sondierungsgespräche mit Oettinger 1992 seien nicht zuletzt an den „reaktionären Vorstellungen der CDU zur Familienpolitik“ gescheitert: Oettinger habe damals bestritten, dass man Kinderbetreuungsmöglichkeiten brauche.

Einen „Wandel zum Schlechten“ sah Kuhn durch Minister Seehofer beim Verbraucherschutz. Die angeblichen Privilegien des Biolandbaus relativierte der Grüne mit zwei Zahlen: Ein Bundesprogramm habe bislang die Biobauern mit 100 Mio. Euro gefördert, die Agrarindustrie werde mit fünf Milliarden Euro bezuschusst.

 Dem Schweizer und Österreicher Beispiel solle auch Baden-Württemberg folgen und Gentechnik-freie Zone bleiben. Als unverdächtigen Zeuge benannte Kuhn den Babykost-Hersteller Claus Hipp, der seine Glaubwürdigkeit an gentechnikfreie Grundstoffe knüpfte.

„Den reinsten Irssinn“ wollte Kuhn derzeit bei der Energiepolitik erleben. Geradezu grotesk erschienen ihm die Atomüberlegungen Oettingers.  Für mehr Unabhängigkeit von Öl und Gas stünden die Grünen. Deshalb riet Kuhn zum Schluss: „Machen Sie die Landtagswahl zu einer Abstimmung für die Energiewende“ und fügte hinzu, es wäre doch schade, wenn Obrigheim das einzige abgeschaltete Atomkraftwerk bliebe.

Mit einem Dank an das engagierte Organisationsteam der „Klimamesse Aglasterhausen“ in Person von Birgit Thoma, Simone Heitz, Heinz Trautwein und Christine Denz endete der Wahlkampfauftakt.