Bündnis 90/Die Grünen

Kreisverband Neckar-Odenwald

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Presse 2008

 

Pressemitteilung, 26. 11. 2008

„Aus der Krise lernen - die Wirtschaft sozial-ökologisch umbauen“

Grüne im Gespräch mit der Volksbank Franken  - Vortrag in Buchen

 

“Die Krise als Chance begreifen”, so lautete die Hauptbotschaft des finanzpolitischen Sprechers der Grünen Bundestagsfraktion, Dr. Gerhard Schick, im Hotel „Prinz Carl“ in Buchen. Vor dem Vortrag stand ein Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern Rainer Kehl, Reiner Link und Edgar Mechler sowie Bernhard Berberich von der Geschäftsleitung der Volksbank Franken. Ebenfalls mit von der Partie waren die Grünen Kreisvorsitzenden Christine Böhm und Christine Denz.

An der Volksbank gehe die Krise vorbei, konnten die Bankmanager gleich zu Beginn vermelden. Die Kreditvergabe werde weitgehend durch Kundeneinlagen abgedeckt. Damit sei die Volksbank stabil, weil unabhängig von Krediten am Finanzmarkt. Als Universalbank sei man gut aufgestellt. Ziel sei die langfristige Betreuung des Kunden mit transparenten Produkten. Der Aufklärung über mögliche Risiken werde im Rahmen der Anlagenberatung hohe Bedeutung beigemessen. Der jahrelange stabile Bezug zu denselben Ansprechpartnern statt virtueller Anrufautomaten schaffe Vertrauen bei den Kunden.

Erfreulich sei die Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energien. Sie mache einen guten Teil des Wachstums der Bank aus. Allerdings sei das enorme Potential, das in der Finanzierung von Altbausanierungen stecke, bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Darin liege ein großer Wachstumsmarkt. Verstärkt werde deswegen der Kontakt zu den Handwerks-Innungen gesucht. Teilweise nicht mehr nachvollziehbar und zu bewältigen seien die Kontrollvorschriften und der damit verbundene Aufwand für kleinere Banken. Dies stehe in keinem Verhältnis zu den Großbanken, die für die derzeitige Krise verantwortlich sind. Dr. Schick wollte dieses Anliegen mit nach Berlin nehmen.

Beim abendlichen Vortrag im „Prinz Carl“ beleuchtete Dr. Gerhard Schick die Hintergründe der Wirtschafts- und Finanzkrise. Mittlerweile habe diese sich bis in die Realwirtschaft ausgebreitet. Auch wenn in Deutschland bei Beschäftigung und Steuereinnahmen derzeit noch sehr gute Zahlen vorherrschen, werde sich die Konjunktur deutlich abschwächen. Das Rettungspaket für die Banken sei unumgänglich. Bedenklich für den Steuerzahler sind allerdings dessen Konditionen. Auch ein innovatives Konjunkturprogramm wäre sinnvoll, so Dr. Schick.

Wenn der Steuerzahler das Bankensystem stütze, müsse die öffentliche Hand auch gestaltend und kontrollierend eingreifen. Eine Konsequenz aus der Krise müsse eine nationale und internationale Banken- und Finanzmarktaufsicht sein. Die Finanzmärkte seien viel zu lange vor öffentlicher Wahrnehmung „sicher“ gewesen.

Dr. Schick legte besonderes Gewicht auf kleine und mittlere Unternehmen. Sie müssten mit günstigen Krediten versorgt werden – aus Grüner Sicht eine Bedingung für die Bankenhilfe. Die Krise biete die Chance für eine nachhaltige Neuausrichtung der Wirtschaft. Denn vor der Finanzkrise stelle der Klimawandel die weitaus größere Bedrohung dar. Es gelte einen Ordnungsrahmen für die globale Wirtschaft zu schaffen, der die Märkte in den Dienst sozialer und ökologischer Entwicklung stelle.

„Wir brauchen Investitionen in die Infrastrukturen der Zukunft: in den Klimaschutz, ebenso wie in Bildung und das soziale Gefüge unseres Landes.“ Insbesondere im Bereich des Klimaschutzes sei der Investitionsbedarf gewaltig und bestens platziert. Geldanlagen in dezentrale Energieversorgung, Energieeffizienz, Wärmedämmung und erneuerbare Energien böten keine kurzfristigen Traumrenditen, sondern hätten nachhaltig positive Auswirkungen auf den örtlichen Arbeitsmarkt sowie den globalen Klimaschutz. Das eingesetzte Geld arbeitet vor Ort und wird nicht in undurchsichtige und risikoreiche Finanztransaktionen gesteckt, die zu Lasten anderer Menschen und Volkswirtschaften gehen. Die positiven Auswirkungen sehe man bereits augenfällig im Neckar-Odenwald-Kreis, dem „Landkreis voller Energie“. Wenn man daraus keine Schlüsse für die Zukunft ziehe, verpasse man die große Chance schlechthin, so Dr. Gerhard Schick abschließend.

Christine Denz, Mosbach