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Rhein-Neckar-Zeitung, 28. 10. 2004
Im KWO geht man in die letzte Runde
Abschluss-Revision im Kernkraftwerk Obrigheim - 2005 werden 80 Mitarbeiter in Vorruhestand "verschickt" - Anlage bis Ende April in Betrieb
von Heiko Schattauer
Die letzte "Beladung" hat der Reaktor im Kernkraftwerk Obrigheim erhalten. In der Nacht auf Montag will man nach erfolgreicher Revision wieder Strom produzieren, Ende April 2005 ist dann endgültig Schluss. Nicht ohne Wehmut bereitet man sich am KWO jetzt auf die Nachbetriebszeit vor.
Obrigheim. Die letzte Runde ist eingeläutet, im Kernkraftwerk Obrigheim bereitet man sich auf den Endspurt vor. Bis gestern erhielt der Reaktor im Rahmen der planmäßigen Revision seine finale "BEladung", in der Nacht zum Sonntag wird er ein letztes Mal hochgefahren, ehe Ende April die Stromproduktion im KWO für immer eingestellt wird. "Ein wenig Wehmut kommt schon auf", gab Geschäftsführer Michael Wenk beim Pressegespräch zur letzten Revision einen kleinen Einblick in sein Seelenleben. 1,4 Mrd. Kilowattstunden "darf" das Kernkraftwerk Obrigheim noch produzieren, dann ist - nach über 35 Jahren Betriebszeit - endgültig Schluss.
"Jedem hier ist mittlerweile bewusst, dass das die letzte Revision sein wird", beschreibt Wenk die Stimmungslage unter den rund 300 Beschäftigten im ältesten deutschen Atomkraftwerk. Der 35. Brennelementewechsel wird in Obrigheim also der letzte sein. Wobei - und auch das ist eine Besonderheit - diesmal keine neuen BE's in den Reaktor eingesetzt werden. Die vorhandenen Elemente werden lediglich umplatziert, wodurch der Reaktor wieder unter Volllast gefahren werden kann. Allerdings nur bis Weihnachten, dann wird die Leistung um 50 Prozent gedrosselt, ehe bis Ende Februar ein allerletztes Mal unter Volllast Strom produziert wird.
Auf "Spielchen" wird verzichtet
"Danach fahren wir Stück für Stück runter", erläutert Michael Wenk weiter. Ende April, so nichts dazwischen kommt, wird es dann heißen: "außer Betrieb". "Wir haben nicht die Absicht, den Betrieb bewusst zu verlängern", will der Geschäftsführer auf "Spielchen" in Bezug auf die verbleibende Restmenge des noch zu produzierenden Stroms verzichten. Vielmehr wolle man nach der Abschaltung "zügig in die Nachbetriebsphase übergehen".
Abgearbeitet hat man am KWO dann zwar die von Philippsburg I übertragene Strommenge von insgesamt 5,5 Mrd. Kilowattstunden. Verarbeitet hat man das "Aus" allerdings noch nicht so ganz. "Man hat sich natürlich nicht vorgestellt, dass man mit 54 schon gehen muss", schildert Betriebsratsvorsitzender Herbert Schneeweiß seine Situation. Mit der er nicht alleine ist, denn insgesamt werden im kommenden Jahr rund 80 der momentan rund 300 Mitarbeiter in den ebenso vorzeitigen wie unfreiwilligen Ruhestand gehen. "Sozialverträglich in Pension verschickt", so Pressesprecher Karlfried Theilig ironisch, würden er und seine Kollegen, die allesamt zwischen 53 und 63 Jahren alt sind. Darüber hinaus werden 20 Auszubildende in die Kernkraftwerke Neckarwestheim bzw. Philippsburg "transferiert", in weiteren 20 Fällen werden auslaufende Zeitverträge nicht verlängert, so dass nach Abschaltung noch etwa 180 Mitarbeiter im KWO verbleiben.
Diese Mitarbeiter-Stärke soll bis 2014/15 Bestand haben. "Dann wird mit dem "manipulierten Rückbau der Anlage begonnen, bei dem vermehrt spezialisierte Fremdfirmen tätig sein werden", blickt Michael Wenk in die Zukunft. Zunächst gelte es jedoch, den so genannten Stilllegungsvertrag auf den Weg zu bringen. Der soll bis Ende des Jahres eingereicht sein, mit der Genehmigung rechnet man am KWO allerdings erst 2006. "Bis dahin sind wir ,nur' abgeschaltet", so Herbert Schneeweiß, der ohnehin fest an eine "Rückkehr" der Kernkraft galubt. Am Standort Obrigheim wird es eine solche aber definitiv nicht geben, unabhängig vom Ausgang der nächsten Bundestagswahl und der damit verbundenen Einstellung zur Atompolitik. "Eine Wiederaufnahme des Betriebs in Obrigheim ist finanziell und organisatorisch nicht mehr zu machen", stellt der Geschäftsführer klar.
Folglich konzentrieren sich Wenk und der Leiter der Anlage, Herrmann Prigl, auf die Planungen für den Rückbau. Die verbrauchten Brennelemente sollen zunächst im Nasslager "ausklingen", unterdessen ein neues Trockenlager geplant, beantragt, genehmigt und gebaut werden. Ab 2008 soll dann mit der Verlagerung der BE's von nass nach trocken begonnen werden, spätestens 2012 muss der Transfer abgeschlossen sein. Ein Teilabtransport der abgebrannten Elemente ist indes vom Tisch. Parallel laufen diverse Demontagen und Reinigungen, ehe man dann abschließend aus dem Atomgesetz entlassen werden kann. Das dürfte allerdings kaum vor 2023 der Fall sein, ob und wann die charakteristische Kuppel abgebrochen wird, ist ebenfalls noch offen.
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