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Rhein-Neckar-Zeitung, 19. 4. 2010
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Der Mast, der noch gar nicht steht, kippt
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Eine Mastenkombination aus zwei vorhandenen und einem neuen Masten schafft eine bessere Funkabdeckung und schont das Landschaftsbild am Katzenbuckel
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von Ursula Brinkmann
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Es gibt sie – die Alternativen zum geplanten Digitalfunkmasten auf dem Katzenbuckel. Was noch in der Februar-Sitzung des Waldbrunner Gemeindrats als unumstößlich galt, widerlegt ein Gutachten, das die Nabu-Ortsgruppe Waldbrunn auf eigene Kosten in Auftrag gegeben hatte und das nun nicht nur den planenden Behörden, sondern auch allen Waldbrunner Gemeinderäten vorliegt. Am Samstag hatte es eine öffentliche Sitzung gegeben, die mit einer Waldbegehung ihren Anfang nahm.
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Am Odenwälder Vulkan unterwegs war einen Tag zuvor bereits grüne Politprominenz. Der Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Sckerl war einer Einladung der NOK-Grünen Christine Denz, Klaus Brauch-Dylla und Markus Schwab gefolgt, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, was bis in den Stuttgarter Landtag Kreise gezogen hatte. Außerdem war aus Eberbach Charlotte Schneidewind-Hartnagel gekommen, die im Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen für den Neckar-Odenwald-Kreis zuständig ist. Sckerl hatte nämlich im Januar eine kleine Anfrage an Innenminister Rech gerichtet und auch von diesem zur Antwort bekommen, dass „alle in Frage kommenden Standortalternativen hinsichtlich der funktechnischen Geeignetheit ausscheiden“. Und zwar nach einer Bewertung der Funkplanung der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS). Im Vergleich zum Standort am Katzenbuckel wiesen die Alternativen teilweise erhebliche Unterversorgungen auf, so die Antworten aus dem Innenministerium.
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Dass dem nicht so ist, belegt das alternative Gutachten, das Dr. Peter Löwe erarbeitet hat. Wesentliches Ergebnis: Nimmt man die Funkabdeckung durch den Solitärmasten nahe des Sandsteinturms mit 100 Prozent an, so übertreffen zwei der vom Nabu vorgeschlagenen Kombinationen von Senderstandorten dessen Abdeckung. Beide erreichen eine größere Gesamtabdeckung so wie eine bessere Funkausleuchtung auch in den Ausschnittsregionen, womit die (kritischen) Täler nördlich des Katzenbuckels gemeint sind (Itter- und Reisenbachtal sowie Höllgrund und Waldbrunn). Mit je drei Funkmasten ließe sich eine teils erheblich größere als die 100-prozentige Abdeckung erzielen. Eine der Drei-Masten-Kombinationen fällt wegen der schlechten Erreichbarkeit weg, so dass sich als Favorit der Alternativen der „Dreimaster“ Schollbrunn-Reisenbach-Ebnet herausschält. An zwei Standorten müssten lediglich vorhandene Sendetürme ausgebaut werden, im Gewann Ebnet würde ein neuer, rund 65 Meter hoher Masten entstehen, das ist etwa einen Kilometer Luftlinie in nordöstlicher Richtung vom Katzenbuckelgipfel entfernt. Allerdings kostet diese Variante (etwa 300.00 Euro) mehr als der mit „Katzenbuckel-Höchst“ benannte Solitärmast: 750 000 Euro.
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Das aber sollte nach Auffassung von Schneidewind-Hartnagel bei der Entscheidung, die der Gemeinderat fällen muss, keine Rolle spielen. „Es kostet die Gemeinde Waldbrunn ja nichts.“ Die Kosten trägt die BDBOS. Und diese Entscheidung sollte nach Uli Sckerls Meinung bald getroffen werden, um „natürliche“ Kostensteigerungen bei der Realisierung der Sendeanlage zu vermeiden. Der Landtagsabgeordnete, der beim Anblick des Katzenbuckel-Naturkleinods den Kopf schüttelt ob der Vorstellung, dass dort ein Mast hinkommen sollte, fand es zudem skandalös, dass nicht nur das Innenministerium blind für Alternativstandorte war, sondern „dass wir eine kleine Nabu-Ortsgruppe brauchen, die das Gegenteil beweist“. Das werde er im Landtag nochmals zur Sprache bringen, meinte Sckerl. Man müsse doch die Verlässlichkeit der Auskünfte von Fachbehörden anzweifeln, pflichtet im Charlotte Schneidewind-Hartnagel bei.
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„Wirklich zufrieden“ zeigte sich Christine Denz, die sich freute, dass das Zusammenwirken des Nabu und der Grünen auf Landes- und Kreisebene, das Öffentlichmachen und das Diskutieren in den kommunalen Gremien dazu geführt hat, dass Alternativen gesucht und gefunden wurden. Auch wenn die Entscheidung durch den Gemeinderat aussteht, die Katzenbuckel-Schützer sind sich einig, dass nur eine Entscheidung getroffen werden kann. Seine nächste Sitzung hat der Rat am 17. Mai, doch schon jetzt drängt das Regierungspräsidium als Planungsbehörde, das noch im selben Monat eine „belastbare Entscheidung“ haben möchte.
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