Bündnis 90/Die Grünen

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Presse 2010

 

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 18. Oktober 2010

Kreisgrüne erleben Zulauf

„Laufzeitverlängerung fördert Riegeltechnologie“ - Laufzeitverlängerungen - AKWs bremsen die erneuerbaren Energien

Winfried Kretschmann kommt am 15. November

 

von Klaus Brauch-Dylla

Zunächst mußten Stühle herbei geschafft werden, im Tagungsraum des „Lamm“ saßen Grüne Parteimitglieder und Neuinteressenten dicht gedrängt. Entsprechend gut gelaunt begrüßten die beiden Kreisvorsitzenden Christine Denz (Mosbach) und Christine Böhm (Walldürn) besonders Landtagskandidatin Simone Heitz und den Referenten Dr. Uwe Graser.

Ihren Bericht zu den Anti-Atom-Demonstrationen und den Protestaktionen gegen Stuttgart 21 begann Simone Heitz mit der Bemerkung, daß angesichts des massiven Bürgerprotests derzeit von interessierter Seite so getan werde, als ob die gesellschaftliche Ordnung in Gefahr sei. "Das Gegenteil ist der Fall! Wenn die Menschen sich für politische Themen interessieren und notfalls, wo sie ihre Interessen nicht ernst genommen sehen, auf die Straße gehen, dann ist das lebendige Demokratie“. Für Politiker möge es unbequem sein, wenn BürgerInnen politische Vorhaben hinterfragten, so Heitz. " Aber wenn Entscheidungen verantwortlich gefällt werden, wenn alle Risiken den Entscheidungsgremien bewusst waren, dann kann ein Entscheidungsträger auch die getroffene Entscheidung vermitteln!" zeigte sie sich sicher. Wer nicht bereit sei, die Bevölkerung mit Argumenten bei einem Volksentscheid zu überzeugen, der werde es auch nicht mit Tränengas und Wasserwerfern tun. Bei Stuttgart 21 mangele es aber nicht nur an Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, das Projekt sei in sich nicht stimmig. Insbesondere bringe es keinen Vorteil für die Fläche, auch wenn Peter Hauk S 21 praktisch zum Strukturhilfeprogramm für den Neckar-Odenwald-Kreis deklariere.

„Gelder sind keine Kartoffeln, die sich nach dem Eingraben in wunderbarer Weise vermehren, Geld bekommt unterirdisch nicht Junge“. Was im Stuttgarter Untergrund für das Prestigeobjekt vergraben werde, fehle an wesentlich dringlicheren Punkten für den ÖPNV. Sie zitierte eine Anzeige der S 21-Befürworter: „Ohne Stuttgart 21 werden diese Mittel anderswo in Bahnprojekte investiert." und schloß : „Wäre S 21 nicht schon einmal abgesetzt gewesen, hätten wir nicht die S-Bahn Rhein-Neckar bekommen. Es wäre einfach kein Geld mehr dafür zur Verfügung gestanden.“

Dr. Uwe Graser, Physiker beim Max-Planck-Institut, begann sein Referat zu den Anforderungen einer sicheren und klimaverträglichen Energieversorgung mit der Fragestellung: "Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke - Brücken- oder Riegeltechnologie?" Er präsentierte die Aussagen verschiedener Studien, die die für Deutschland angestrebte Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent bis 2050 durch den Einsatz erneuerbarer Energien und durch eine deutliche Steigerung bei der Energieeffizienz für machbar halten, und zwar auch ohne Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke. Der dafür notwendige Umbau sei eine gewaltige Herausforderung und mit enormen Anstrengungen - auch Einspar-Anstrengungen - verbunden, technisch jedoch zweifelsfrei machbar, wenn der politische Wille vorhanden sei.

Im Strombereich, der für 40 Prozent der CO2 Emissionen verantwortlich ist, stehe die nun erfolgte Privilegierung der Atomkraftbetreiber den notwendigen Veränderungen entgegen. Faktisch werde die Atomtechnik nun zur "Riegeltechnologie", da dank der Riesengewinne aus den AKWs der Veränderungsdruck von den vier Strom - Großkonzernen genommen sei.

Graser stellte die notwendigen technischen Maßnahmen dar. So sei der Auf- und Ausbau eines intelligenten Versorgungsnetzes und die Entwicklung neuer Speichertechnologien unabdingbare Voraussetzungen für den erweiterten Einsatz von Wind- und Sonnenenergie. Musste früher nur gemäß dem Strombedarf geregelt werden, so stelle die schwankende Erzeugung und Einspeisung durch Sonne und Wind die Energieversorger und Netzbetreiber vor zusätzliche Herausforderungen. Zum Schluss zeigte Graser, dass das Potential für eine zukünftige nahezu 100 prozentige Energie-Versorgung auf der Basis der erneuerbaren Energien durchaus vorhanden sei. Erste Ansätze dazu sähe man an den Möglichkeiten der geplanten Off-shore Windparks und desWüstenstrom-Projekts Desertec/EUMENA.

Bei den nachfolgenden Delegiertenwahlen wurden Christine Denz, Rene Engelhorn und Simone Heitz in die Metropolregion - Konferenz entsandt. Zum Landesparteitag mit der Verabschiedung des Landtagswahlprogrammes werden Klaus Brauch-Dylla und Simone Heitz als Delegierte, Christine Böhm und Rene Engelhorn als Ersatzdelegierte reisen. Für die Bundesdelegiertenkonferenz in Freiburg wurde Hans Detlef Ott gewählt.

Abschließend wurde für die Teilnahme an der Großdemonstration in Gorleben am 6. November aufgerufen und bekannt gegeben, daß Winfried Kretschmann in den Neckar-Odenwald-Kreis komme.

Am 15. November wird er bei einer Abendveranstaltung in Mosbach über den Stand der Dinge, nicht nur bei Stuttgart 21, sprechen.

 

(Zitat - Quelle: Anzeige u. a. in Stuttgarter Zeitung vom 7. 10. 2010, Unterzeichner u. a. Manfred Rommel)