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Rhein-Neckar-Zeitung, 22. 8. 2005

 

“Wie‘s ausgeht, ist noch nicht entschieden“

Grüner Wahlkampf-Auftakt in Mosbach mit Fritz Kuhn und Tobias Stindl stieß auf reges Interesse

Von Peter Lahr

 

Mosbach. (lah) „Grün macht an“, versprach der bündnisgrüne Kreisverband am Samstagmorgen unweit des Mosbacher Marktplatzes, meinte damit aber nicht nur den Bio-Salat, den es am Informationsstand zu kosten gab. Im Mittelpunkt des Wahlkampf-Auftaktes standen etliche persönliche Gespräche mit Passanten, die der baden-württembergische Spitzenkandidat und grüne Wahlkampf-Manager Fritz Kuhn, Bundestagskandidat Tobias Stindl sowie Kreisvorsitzende Christine Denz führten.

„Da steht er ja in Lebensgröße, sonst hab ich ihn immer nur im Fernseher gesehen.“ Mit diesen Worten wendet sich ein Passant in der Hauptstraße erstaunt Fritz Kuhn zu. Seine Begleiterin eröffnet gleich den politischen Teil der Diskussion und schiebt nach: „Die Künast macht sich bei den Bauern hier nicht beliebt.“ Damit beginnt eines von zahlreichen Gesprächen, das der grüne Spitzenkandidat aus Heidelberg an diesem Samstagvormittag – vier Wochen vor der geplanten Bundestagswahl – führt. Als bundesweit tätiger Wahlkampf-Manager kämpft Kuhn jedoch nicht nur im „Ländle“ um Stimmen, sondern pendelt regelmäßig nach Berlin. Seine Termine bis zum Wahlabend zählt er gar nicht mehr. Vormittags sind es Infostände in Fußgängerzonen, abends Podiumsdiskussionen, dazwischen mal eine TV-Diskussionen und schon geht‘s weiter in den nächsten Ort. Allerdings wachse die Fähigkeit, so viele Termine zu absolvieren, im Laufe der Wahlkämpfe. Ruhe und Ausgleich findet Fritz Kuhn beim regelmäßigem Joggen. Zudem versucht er, möglichst wenig Alkohol zu trinken, um einen klaren Kopf zu behalten.

Dieser ist auch in Mosbach nötig, denn mit einer großen Bandbreite von Fragen und Themen wird Kuhn hier im Minutentakt konfrontiert. Kuhn hört zu, beantwortet selbst emotional gefärbte Vorwürfe betont sachlich und versucht, seine Sicht der Dinge nüchtern, aber dezidiert zu vermitteln. Pointiert gesetzte Handbewegungen, eine ruhige Art und sein leichter Dialekteinschlag vervollkommnen den Wahlkämpfer Kuhn.

Dass die Grünen seit langem über Alternativen zum Öl nachdenken, mache sie nun in Zeiten hoher Benzinpreise für viele interessant, weiß Kuhn nach vielen Vor-Ort-Terminen. Doch auch die Arbeitslosigkeit und selbst Stoibers Wahlkampfreden würden immer wieder thematisiert.

Anders als bei seinen bisherigen, von langer Hand geplanten Wahlkämpfen, haben sich bislang noch wenige Menschen festgelegt, welcher Partei sie ihre Stimme geben sollen, glaubt Kuhn: „Wie‘s ausgeht, ist noch nicht entschieden.“ Eine Spur „Prinzip Hoffnung“ schwingt da sicher auch mit. Tatsächlich ist am grünen Infostand, der von acht Helfern, darunter Kreisrätin Gabi Metzger, Vorstands-Mitglied Barbara Klein sowie AL-Stadtrat Willy Heidmann betreut wird, um einiges mehr los als am Nachbarstand des großen Koalitionspartners.

Erstmals präsentiert sich der 25-jährige Tobias Stindl der Mosbacher Öffentlichkeit, der grüne Bundestagskandidat aus Lauda-Königshofen. Der Rettungsassistent, der sich an der IHK Heilbronn-Franken zum Sozialfachwirt weiterbildet, stammt aus einer „politisch sehr aktiven Familie“. Er möchte mit seinem „Rund-um-die-Uhr-Einsatz“ gerade auch die Jugendlichen dazu motivieren, sich mit Politik zu befassen. Neben ökologischen Themen hält er die von den Grünen angepeilte Bürgerversicherung für die „sozialste aller Möglichkeiten“.

Bei so viel Gesprächsstoff findet der grüne Salat mit den kleinen roten Cocktailtomaten zwischendrin eher wenig Beachtung.