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Stuttgarter Zeitung, 26.04.05
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Atomkraftgegner feiern in Mosbach ein Freudenfest
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Obrigheim kurz vor dem Abschalten - Stargast Jürgen Trittin
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MOSBACH/OBRIGHEIM. Am Sonntag haben sie noch einmal demonstriert, gestern Abend aber feierten rund 400 Grüne und Kernkraftgegner das Ende des Atomkraftwerks Obrigheim. Manche halten das für unangemesen.
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Von Wieland Schmid
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Wann genau in den nächsten Tagen das Kernkraftwerk Obrigheim abgeschaltet wird, wollte Bundesumweitminister Jürgen Trittin (Grüne) gestern Abend in Mosbach nicht sagen. Der Zeitpunkt allerdings, zu dem der Reaktor den letzten Strom liefert und dann vom Netz gehen muss, entspricht laut Trittin dem "Fahrplan des Atomausstiegs". Es sei auch "kein Abschaltfest", das seine Parteikollegen in Mosbach feierten, sondern ein "Umschaltfest" zur Feier des energiepolitischen Strukturwandels. Die nächste Station sei "das Ende der Plutoniumswirtschaft" am 1.Juli. Dann endet nach den Worten des Ministers "die Möglichkeit, Atommüll nach Sellafield oder La Hague zu verschieben".
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Trittin war der Stargast des Abends, der unter dem Motto stand "Wir können alles. Sogar umschalten." Auch zahlreiche andere prominente Kernkraftgegner aus den Reihen der Grünen wollten sich den Spaß auch nicht entgehen lassen. Ein Grünkern-Büfett, Ökowein aus dem Taubertal, die Musik mehrerer Gruppen und der Kabarettist Christoph Sonntag erheiterten außer Trittin unter anderem die Grünen-Landesvorsitzenden Sylvia Kotting-Uhl und Andreas Braun, den Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann und den Bundestagsabgeordneten Fritz Kuhn.
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Nicht ganz so zufrieden hatten sich am Sonntag manche Teilnehmer einer Demonstration von Kernkraftgegnern in Obrigheim gezeigt. Rund 150 Mitglieder mehrerer Protestgruppen aus der ganzen Republik zogen von der Ortsmitte vor die Tore des abschaltreifen Obrigheimer Reaktors und ließen dabei auch ihrem Ärger über die rot-grüne Atompolitik freien Lauf. "Die Abschaltung ist ein erster Schritt, uns bleibt aber das strahlende Atommülllager", sagte beispielsweise die Mosbacher Grünen-Kreisrätin Christine Denz, die auch der "Klägergemeinschaft AKW Obrigheim abschalten" angehört. Jochen Stay von der "Initiative X1000-mal quer" wurde noch deutlicher. "Wenn Herr Trittin sagt, dass diese Stilllegung ein Erfolg seiner Regierungsarbeit sei, dann rufe ich ihm zu, dass es ein Versagen ist", erklärte der Vertreter der Gorlebener Protestgruppen. Nach seiner Ansicht sitzen im Stuttgarter Umweltministerium zwar noch größere Übeltäter. "Aber die behaupten wenigstens nicht, sie ständen auf unserer Seite." Stay machte auch keinen Hehl daraus, dass er nichts für das so genannte Umschaltfest übrig habe, sondern es im Gegenteil "äußerst seltsam" finde.
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Für den baden-württembergischen Staatsminister Ulrich Müller ist die Jubelfeier "der Grünen in Mosbachs größter Veranstaltungshalle Alte Mälzerei sogar "unverantwortlich und geschmacklos". Wie der Minister gestern verlauten ließ, fallen mit dem Kernkraftwerk "bis zu fünf Prozent der baden-württembergischen Stromversorgung" weg, so viel wie die Stromproduktion aus Wasserkraft im Land. Dies beweise, dass "der vom Land Baden-Württemberg zu Recht abgelehnte Ausstieg aus der Kernenergie in keiner Weise wegweisend" sei, sondern in eine energiepolitische Sackgasse führe, meinte Müller.
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Auch für die IHK von Heilbronn-Franken und Karlsruhe ist die Party ein "eindeutig falsches Zeichen in einer Zeit, in der Arbeitsplätze in allen Bereichen wegbrechen". In einem gemeinsamen Brief an den Bundeskanzler äußerten die Kammerchefs die Überzeugung, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie erst dann erfolgen könne, wenn "Ersatzinvestitionen im allgemeinen Kraftwerkspark in Baden-Württemberg erfolgt sind". Wie es in dem Schreiben weiter heißt, würden auch die geplanten Schließungen der Kernkraftwerksblöcke Neckarwestheim und Philippsburg in den Jahren 2009 und 2012 die Wirtschaftsräume der beiden Kammern "sehr empfindlich treffen". Eine Fortsetzung dieser Politik könne deshalb nicht im Sinne von Bundeskanzler Schröder sein.
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