|
„Odenwald-Transversale“ hört sich wirklich gut an – quer durch den Odenwald schnell zur Autobahn, so denkt man. Oder auch zur Mülldeponie. Tatsächlich geht es aktuell um eine 7 km lange Straße von Adelsheim nach Eberstadt, die in der Vorplanung ist. Eingeschlossen ist eine Talbrücke von 250 m Spannweite mit Anschluss an die Umgehungsstrasse Adelsheim – Osterburken. Geschätzte Kosten von 13 Mio Euro, wovon der Landkreis nach derzeitigem Kenntnisstand schlappe 4,55 Mio Euro zu tragen hätte. Fast parallel dazu verlaufen etliche Straßen. Meine Frage nach den eingesparten Minuten konnte die Verwaltung in der Ausschuss-Sitzung (noch) nicht beantworten. Herr Piepenburg verneinte einen Zusammenhang mit den Mülltransporten nach Buchen-Sansenhecken.
Ich meine, dass angesichts der geänderten Verhältnisse neu nachgedacht werden muss. Die heftigen Diskussionen um die Mülltransporte auf den Straßen und die LKW-Maut auch für Bundesstraßen zeigen dieses. Können wir die Millionen Euro nicht sinnvoller einsetzen? Jüngst wurde veröffentlicht, dass das Fahrgastaufkommen bei der S-Bahn Rhein-Neckar insgesamt um 30% gestiegen ist; die Zuwächse auf den im Neckar-Odenwald-Kreis liegenden Streckenabschnitten von Zwingenberg bis Osterburken überschreiten diesen Prozentsatz bei weitem. Kann man nicht die zahlreich vorhandenen Straßen und die Schiene besser vernetzen und damit effektiver nutzen? Warum wird die S-Bahn nicht weiter nach Buchen, Walldürn und Hardheim geführt? Warum nicht ein Halbstunden-Takt von Mosbach nach Osterburken? Warum werden nicht bestimmte Bahnhöfe wie z. B. Neckarelz als Müll-Umladestationen genutzt? Wie kann man sich mit den benachbarten Landkreisen abstimmen und vernetzen? Das alles würde die Straßen entlasten. Man muss doch nicht (hoffentlich!) unversehrte Natur zerstören und nicht noch mehr Landschaft „verbrauchen“, wenn es Alternativen gibt. Ich meine, dass der Landkreis ein intelligentes integriertes zukunftsfähiges Verkehrskonzept braucht, in das die genannten und weitere Gesichtspunkte einfließen. Dies spart letztendlich Kosten, schont die Nerven der BürgerInnen, belastet weniger die Umwelt und schafft dauerhafte Arbeitsplätze. Denn der Nahverkehr braucht mehr Personal als der Straßenbau.
Christine Denz, Mosbach, Kreisrätin für Bündnis 90/Die Grünen NOK
|