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Der Top-Favorit als "gläserner Kandidat"
Die Landratskandidaten Dr. Angelika Köster-Loßack und Dr. Achim Brötel im "Ideenwettstreit" zur Frage "Wohin steuert der Landkreis?"
Dallau. (cka) Wenn das Feld abgesteckt ist, kann politische Diskussion richtig schön und sogar herzlich sein. Könnte natürlich aber auch etwas mit den Persönlichkeiten zu tun haben, die in der Öffentlichkeit für die jeweilige Parteilinie geradezustehen haben. Bündnis 90 / Die Grünen luden in die Dallauer "Pfalz" ein, um einen "Ideenwettstreit, aber kein Gegeneinander von Personen anzuzetteln", wie sich die Mosbacherin Dorothee Roos in ihrer Anmoderation in einer "politisch turbulenten Zeit" vorsichtig ausdrückte.
Der Frage des Abends: "Wohin steuert der Landkreis?" stellten sich die beiden Kandidaten für die Landratswahl im Neckar-Odenwald-Kreis am 17. Juni, die Heidelberger Soziologin und Ethnologin Dr. Angelika Köster-Loßack von den Bündnis-Grünen und CDU-Mann, Jurist und noch amtierender Bürgermeister in Buchen, Dr. Achim Brötel. Da der Ausgang der Wahl - nur die Mitglieder des Kreistages sind stimmabgabeberechtigt - schon jetzt so sicher ist wie das Amen in der Kirche, war für die beiden Pseudo-Kontrahenten die Diskussionsrunde politisches Schaulaufen. Kandidat Dr. Brötel begab sich sozusagen in einer Zeit, in der der grünen Öko-Partei von mancher Seite der Wind ins Gesicht bläst, in die Höhle zahnloser Löwinnen.
Vor kaum mehr als einem Dutzend Zuhörer erläuterte Dorothee Roos die Spielregeln: Für jeden der Wettbewerber sieben Minuten Zeit, um sich persönlich vorzustellen und um die jeweiligen politischen Eckpfähle einzuschlagen. Es wurde schnell klar, dass sich gestandene Vollblutpolitiker in dieser knapp bemessenen Zeit angesichts des Facettenreichtums der Themen im Landkreis nicht einmal erst warm laufen konnten .
Dr. Brötel, dem als Gast das erste Wort zustand, zeigte sich zufrieden über das von Noch-Landrat Piepenburg Geleistete. Sollte er zum neuen Landrat gewählt werden, werde er die Arbeit seines Vorgängers mit anderen Akzenten fortsetzen. Auf dem Hintergrund diverser Migrationsbewegungen, auch innerhalb Baden-Württembnergs, sehe er gute Chancen für die künftige Entwicklung des Landkreises. Der Erhalt von Arbeitsplätzen sei zentrale Aufgabe. Im Landkreis schlügen immerhin vier Interkommunale Gewerbegebiete positiv zu Buche.
Das Abschalten des Kernkraftwerks Obrigheim habe allerdings eine Lücke hinterlassen ("Windräder ersetzen das KWO nicht"), er könne sich aber durchaus auch bestimmte erneuerbare Energien, wie die Biomasse, vorstellen. Dr. Brötel plädierte gleichermaßen für den weiteren Ausbau von Straße und Schiene und betonte, mit den beiden Kreiskrankenhäusern auf dem richtigen Weg zu sein. Als "gläserner Kandidat" spiele er mit absolut offenen Karten, und so er Landrat werde, verstehe er sich als "Presenter" nach innen und außen.
In ihrem Statement verordnete Dr. Köster-Loßack dem Landkreis eine neue Orientierung. Die wirtschaftliche Anbindung an andere Landkreise solle über Ländergrenzen hinweg erfolgen. Die Kandidatin hielt ein Plädoyer für erneuerbare Energien, aus wirtschaftlichen Gründen hätte die Atomenergie keine Zukunftschance. Dr. Köster-Loßack befürwortete "Zukunftswerkstätten", in denen sich Ideenpools bilden könnten.
In der offenen Diskussion wurde schwerpunktmäßig auf die Themen Kultur, Soziales und Wirtschaft eingegangen. Hier war hauptsächlich die Meinung von Dr. Brötel gefragt, weil der Standpunkt von Frau Dr. Köster-Loßack den Bündnis-Grünen hinlänglich bekannt war.
Kultur, so Dr. Brötel, sei ein wichtiger Faktor für die Erhaltung und Verbesserung von Lebensqualität. Die soziale Aufgabe des Landkreises sieht Brötel nicht im Verwalten, sondern im Gestalten. Das soziale Klima dürfe nicht kälter werden. Hier setzte Dr. Köster-Loßack zu einem soziologischen Exkurs über die soziale Marginalisierung in der heutigen Gesellschaft an und kritisierte die Individualisierung angesichts gravierender demoskopischer Veränderungen. Sie gab allerdings zu, dass ihr keine Patentrezepte einfielen. Thema Wirtschaft: Dr. Brötel hob hier besonders das gemeinsame Handeln aller Faktionen des Kreistags hervor. Dadurch könnte die Metropolregion Rhein-Neckar - und somit auch der Neckar-Odenwald-Kreis - gezielt Fördermittel aus Europa erhalten.
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