Impressum

Fränkische Nachrichten, 24. Juli 2006

Ausgabe Buchen

 

Der richtige Weg?

Kommentar von Alexander Weiß

 

Am Samstag um 13 Uhr war alles gelaufen. Eine Hundertschaft der Polizei hatte die Jungen Nationaldemokraten gerade aus dem Kreis eskortiert. Die Demonstration der Rechtsextremen war mehr oder weniger konfliktfrei verlaufen - wenn man von einigen „kreativen Spielchen“ der NPD-Jugend (Hans Becker) mal absieht. Polizei, Stadt und Kreisbehörden waren erleichtert. Ende gut, alles gut? Eine entscheidende Frage blieb am Wochenende offen: Was ist der richtige Umgang mit rechtsextremen Demonstranten, die man in Buchen -völlig zu Recht - nicht haben will, die man aber rein rechtlich auch nicht abweisen kann?

Polizei, Stadt und Kreis werden sich diese Frage erneut stellen müssen, wenn die Nationaldemokraten ihre Drohung wahr machen und tatsächlich im Oktober mit verstärkter Mannschaft erneut anrücken. Bürgermeister und Landrat gaben letzte Woche die Parole aus: Ignorieren ist die beste Lösung; denn je mehr Aufmerksamkeit durch die Bevölkerung, desto lieber kommen Provokateure. Dies leuchtet ein. Die Polizei sah das genauso: Je weniger Gegenaggression, desto weniger Ärger und desto eher bleiben Scharfmacher von vorneherein fern. Rational gesehen ist diese Gleichung nur folgerichtig.

Doch für etwa 80 Menschen - darunter viele Schüler, Jugendliche und junge Erwachsene - war die Teilnahme an einer Gegendemo offensichtlich keine rationale Kosten-Nutzen-Frage, sondern vielmehr Herzensangelegenheit. Sie entschieden sich offensiv für Präsenz am Ort des Geschehens - und damit gegen den Wunsch von Bürgermeister und Landrat, der Veranstaltung fern zu bleiben. Dass bei dem einen oder anderen dabei das Temperament durchging und manch einer darunter von Auswärts nur aus Lust an der Gegenprovokation nach Buchen kam, ist bedauerlich. Dies ändert allerdings nichts an der Tatschache, dass es auch Leute in Buchen gab, die offen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen wollten und denen eine Schleife am Hemdkragen allein nicht reichte.

Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einmischen, dass Menschen auch mal offensiv Nein sagen, wenn Prinzipien einer liberalen, weltoffenen und toleranten Gesellschaft in Frage gestellt werden. Über den richtigen Weg darf in Buchen weiter gestritten werden.

 

 

 

Rhein-Neckar-Zeitung, 24. Juli 2006

Ausgabe Buchen

 

Brauner Spuk

Kommentar von Fritz Weidenfeld

 

Es war eine Wunschvorstellung gewesen: Stellt Euch vor, die Glatzen kommen mit ihren dumpfen Parolen und keiner geht hin. Rund 200 vornehmlich jugendliche Gegendemonstranten protestierten stattdessen gegen die Anwesenheit derjenigen, die ebenfalls in einem Alter sind, dass sie weder die Nazi-Diktatur noch deren Gräuel mitbekommen haben, aber deren menschenverachtende Gesinnung trotzdem weiter verbreiten wollen. Aus der Geschichte haben sie leider nichts gelernt. Die Masse der Buchener Bevölkerung ließ der braune Spuk auf dem Parkplatz des Burghardt-Gymnasiums ohnehin kalt. Sie nahmen den Ratschlag an, die Rechtsradikalen einfach links liegen zu lassen, die erstmals den Landkreis heimsuchten. Eine Premiere, auf die man hätte verzichten können. Ärgerlich sind höchstens die entstandenen Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro, die letztlich der brave Steuerzahler für solche „Betriebsausflüge“ der Rechtsextremen berappen muss. Warum schickt man die Rechnung nicht einfach an den Verusacher?

Richtig gehandelt haben Landrat, Bürgermeister und Polizei. Ein Lob für Dr. Brötel und Roland Burger, die sich nicht auf ein populistisches Verbotsspiel einließen, das letztendlich vor Gericht ohnehin Schiffbruch erleidet und dann den Glatzen per Verwaltungsgerichtsurteil sogar den Weg durch die Innenstadt bahnt (siehe Miltenberg). Landratsamt und Stadt wählten konsequent das geringste Übel, nämlich die Kundgebung auf einem Gelände zuzulassen, das den Sicherheitskräften die beste Möglichkeit bietet, Buchens Bürger zu schützen. Dafür sorgte in souveräner Weise die Polizei, die ebenfalls ein dickes Lob verdient hat. Unmittelbar vor Beginn der Sicherheitswoche stellte sie demonstrativ unter Beweis, dass sie für die notwendige Sicherheit in der Stadt sorgt. Das und die gezeigte Konsequenz hat die Glatzen höchst verärgert. Sie wollen deshalb wieder kommen. Wie langweilig!