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Rhein-Neckar-Zeitung, 7. 8. 2004
Windräder "Symbol für positive Zukunft"
Sylvia Kotting-Uhl, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, im RNZ-Gespräch - Anerkennung für "pragmatischen " Kreisverband
Mosbach. (mir/ly) Interviewtermin in der Mosbacher Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung: Die Vorsitzende des Landesverbands Baden-Württemberg von Bündnis 90/Die Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, nahm mit den beiden Sprecherinnen des Neckar-Odenwald-Kreises, Christine Denz und Christine Böhm, Stellung zu einer Reihe aktueller Fragen. Ganz obenan in der Themenliste: der Energiestandort Obrigheim und dessen Zukunft nach der geplanten Abschaltung des Kernkraftwerkes (KWO).
"Noch ist Obrigheim nicht endgültig vom Netz", schließt Sylvia Kotting-Uhl Überraschungen bis zum geplanten Termin 15. November 2005 nicht aus, macht aber unmissverständlich klar, dass von den Grünen schon etliche konkrete Vorschläge für die "Zeit danach" unterbreitet wurden.
Gemeinsames Konzept für die Region
Die Kreisvorsitzenden Christine Böhm und Christine Denz riefen die geplante Errichtung einer Solarzellenfabrik im TECH.N.O in Erinnerung und die Absicht, gemeinsam mit Kommunalpolitikern der Region ein Konzept zu entwickeln und in Berlin vorzutragen. Doch diese Vorhaben - zum Teil schon unterschriftsreif - scheiterten entweder am Rückzug des Investors Mannheimer Verkehrs- und Versorgungsbetriebe (MVV) oder am fehlenden Willen, gemeinsam an einem Strang in einer Richtung zu ziehen.
Dass die vom Standortbüro der Grünen kritisch begleitete Abschaltung unmittelbar bevorsteht, werde zwar mittlerweile von den Beteiligten akzeptiert, doch wird nach Ansicht von Sylvia Kotting-Uhl gerade vom KWO-Betreiber EnBW viel zu wenig für die Zukunft dieses Standortes getan.
Von politischer Seite würden zudem die Ängste der Menschen bezüglich ihrer Arbeitsplätze instrumentalisiert. Es werde verschwiegen, dass mit Abschalten des Reaktors trotzdem mindestens ein Drittel der Arbeitnehmer einen langfristigen Arbeitsplatz im KWO sicher haben und die übrigen Arbeitskräfte innerhalb des Konzerns weiter beschäftigt werden sollen. Keine Beachtung, so Kotting-Uhl, findet bei Kernkraftbefürwortern zudem die Tatsache, dass erneuerbare Energien "mehr Arbeitsplätze schaffen als sie die Kernenergie gewährt".
Gegen die Windkraft sah die Landespolitikerin aus Sinsheim einen "gezüchteten Widerstand" am Werk. Ob man Windräder schön finde oder nicht, hänge auch davon ab, was man in ihnen sieht. "Für mich sind sie Symbol einer positiven Zukunft", und Beispiele aus der Region zeigten, dass durchaus auch Bürger anderer politischer Couleur die Anlage nicht nur "hässlich" finden, sondern akzeptieren.
Dem pflichteten auch die beiden Sprecherinnen des Kreisverbandes bei. Christine Denz und Christine Böhm wiesen zudem auf die Chancen hin, die sich den Landwirten im Neckar-Odenwald-Kreis mit dem "Erneuerbaren Energiengesetz" in punkto Nutzung von Biomasse biete. Immer mehr sehe man auch Solaranlagen auf Scheunendächern. "Die Landwirte können zu Energiewirten werden", meinten sie.
Der Kreisverband Neckar-Odenwald, der im Rahmen einer landesweiten Kampagne am 10. September mit einer Aktion auf die Gefahr von Terrorangriffen auf Kernkraftwerke aufmerksam machen will, ist laut Sylvia Kotting-Uhl "pragmatisch" ausgerichtet.
Neue Arbeits- und Sozialpolitik
Dank des enormen Einsatzes der Verantwortlichen sei der "Output" beachtlich und werde auch von den Landes-Grünen anerkannt.
Ihr persönliches Anliegen, das Thema "Neue Arbeits- und Sozialpolitik" auch in der "Umwelt-Partei" Bündnis 90/Die Grünen stärker zu verankern, sieht sie als große Herausforderung. Teilweise recht zähe Überzeugungsarbeit bedürfe es dazu. Doch diese sei insofern erfolgreich gewesen, dass "von der Landtagsfraktion schon Verbesserungen bezüglich der Gesundheitsreform und des Hartz IV Programmes beim Bundestag eingereicht wurden".
Was sich dieses Jahr bei den Grünen bereits zum Positiven hin verändert habe, sei die Tatsache, dass sich der Landesverband in Baden-Württemberg wieder geschlossen als Partei empfinde.
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