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Pressemitteilung, 21. April 2008
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„Tschernobyl hat sich in das kollektive Gedächtnis eingegraben“
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Die Autorin Merle Hilbk war zu Gast beim Grünen Kreisverband
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Von Christine Denz
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Mit einer bebilderten Zeitreise führte die Autorin Merle Hilbk (Spezialgebiet Osteuropa) ihr Publikum in die Region um Tschernobyl, auch um den Globus und bis in die Bundesrepublik. Denn nicht erst seit der Globalisierung der Nahrungsketten, sondern schon immer sind Wind- und Wasserströmungen weltumspannend. Eingeladen hatte der Grüne Kreisverband, dessen Vorsitzende Christine Denz in ihrer Begrüßung darauf verwies, dass die „Krone“ in Mosbach-Diedesheim bereits ein traditioneller Ort für Veranstaltungen über mögliche Folgen der Nutzung der Atomenergie sei.
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Merle Hilbk verschaffte sich Anfang des Jahres einen persönlichen Eindruck von den „Nachwirkungen der Reaktorkatastrophe, der großen Tragödie, die das Land vor über 20 Jahren heimgesucht und seitdem nicht mehr losgelassen hat“. Die Ereignisse in dem Grenzgebiet von Weißrussland und der Ukraine hätten sich ähnlich wie bei uns der Nationalsozialismus in das kollektive Gedächtnis eingegraben. Einige Städte sind wie ausradiert. Verboten ist der Zutritt zu der 30-km-Zone, die um Tschernobyl gezogen ist. Die Menschen mit Schilddrüsen- und Lungenkrebs sind vom Staat als Strahlenopfer anerkannt, Frauen mit Brustkrebs (noch) nicht.
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Mehr Giftstoffe als bei 100 Hiroshima-Bomben seien bei dem GAU (größter anzunehmender Unfall) am 25./26. April 1986 in die Welt entlassen worden. Cäsium, Strontium und Plutonium gelangten in die Nahrungskette. Zwanzig Prozent der Region sind verseucht. Russteilchen wurden mehrere tausend Meter in die Luft geschleudert und durch den sehr starken Wind global verbreitet. Der Djnepr, der in das Schwarze Meer mündet, ist heute noch sehr stark mit Schwermetallen belastet. In der früheren „Kornkammer“ der ehemaligen Sowjetunion wird heute immer noch Land- und Viehwirtschaft betrieben; nach der Durchmischung wird das Milchpulver beispielsweise – entsprechend den Grenzwerten – auch nach Deutschland verkauft.
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All dessen ungeachtet gab der Präsident von Weißrussland vor kurzem bekannt, dass die Regierung in der Region das Kernkraftwerk Krasnopolje bauen wolle. Man wolle von Russland unabhängig werden, auch energiemäßig. Die Bevölkerung habe im Osten des Landes bereits Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Strahlung….
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Auf die Frage nach Wiedergutmachung aus dem Publikum berichtete Merle Hilbk, dass Russland sich nie beteiligt habe, Japan und Deutschland hingegen stark. Auch würden sie Daten sammeln und forschen. Aus der am stärksten verseuchten Gegend um Gomel seien schon fast alle Kinder mindestens einmal bei deutschen Gasteltern gewesen. Daher rühre wohl auch eine besondere Weltoffenheit. Die Zuhörer hörten es gern.
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