|
Pressemitteilung, 19. Mai 2010
|
|
Vortrag bei den Kreis-Grünen: „Atomkraft tötet jeden Tag“
|
|
Franz Wagner forderte weiterhin Vorrang für erneuerbare Energien
|
|
|
|
von Christine Denz
|
|
Fast genau fünf Jahre nach dem Abschalten des AKW Obrigheim lud der Grüne Kreisverband zum Vortrag von Franz Wagner über „Nachrichten aus der Anti-Atom-Bewegung“. Zunächst begründete der Referent seine beiden Hauptthesen „Atomkraft tötet jeden Tag“ und „Der menschliche Erlebens- und Erfahrungshorizont reicht selten über 40 Jahre hinaus“. Der politischen Strategie zum Ausstieg galt der zweite Teil. Die fundiert und sachlich vorgetragenen Argumente für eine Verkürzung der Laufzeiten lösten eine lebhafte Diskussion unter Leitung der Grünen Kreisvorsitzenden Christine Böhm aus - und überzeugten.
|
|
Wagner, unter anderem aktives Mitglied beim „Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn“, warnte vor dem Irrglauben, dass mit der KWO-Abschaltung und der Errichtung des Atommüll-Zwischenlagers die atomaren Gefahren für die Region gebannt seien. Positiv hob er zunächst hervor, wie sehr die Bevölkerung bei der Bundestagswahl mit der Kandidatin Christine Denz das Engagement der Grünen honoriert habe. Die Stimmenzahl im Landkreis habe sich verdoppelt, in Obrigheim sogar verdreifacht. Scheuklappen aber trügen die vielen, welche die Erzeugung von Atomstrom auf den Betrieb der Kernkraftwerke einschränken. Wenn Menschen sterben schon als Folge des Uranabbaus, des Transports und der Aufbereitung. So seien allein über 5.000 meistens tödliche Lungenkrebserkrankungen durch den „Wismut“-Uranabbau in der früheren DDR seitens der Berufsgenossenschaft bestätigt.
|
|
Auch ein laufendes AKW sei kein abgeschlossenes System. Das Problem seien die Alpha- und Betastrahlen, die über den Kamin in die Atemluft und in die Nahrung gelangen. Die Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz vom Dezember 2007 mit hohem wissenschaftlichen Standard zeige mit hoher Wahrscheinlichkeit: Bei Kindern unter fünf Jahren um AKW-Standorte sind im 5-km-Radius mehr als doppelt so viele Leukämieerkrankungen zu erwarten wie sonst festzustellen. Die Häufigkeit nimmt mit der Entfernung ab. Diese Ergebnisse würden von den Energiekonzernen und den politisch Verantwortlichen jedoch tot geschwiegen.
|
|
Eine große Rolle spielte die Zahl 40. Zum einen zahlen die AKW-Betreiber nur 40 Jahre für die Atommüll-Endlagerung – für die restlichen rund 100.000 Jahre ist dann der Steuerzahler zuständig. Auch verblassen nach 40 Jahren nachweislich die Erlebens- und Erfahrungsspuren; so bedeute schon heute vielen jungen Erwachsenen der Tschernobyl-GAU nichts. Die kommenden Zehntausende von Generationen müssen sich jeweils erneut das Erfordernis der notwendigen Atommüll-Überwachung vergegenwärtigen, weil derartige Riesenzahlen das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigen.
|
|
Als Folge des massiven Zuwachses von Strom aus erneuerbaren Energien (16,1% in 2009) seien schon heute einige Atomkraftwerke überflüssig. Entscheidend wichtig sei, dass die Vorrangseinspeisung für Sonne, Wind & Co im EEG erhalten bleibt. Bei Strom-Überangebot müssen die Atomkraftwerke heruntergefahren werden, verbunden mit wirtschaftlichen Verlusten. Heftig kritisierte Wagner den Strommengenverkauf vom AKW Stade auf Biblis A; was einen klaren Verstoß gegen den Atomkonsensvertrag darstelle. Damals seien die Sicherheitsvorschriften u. a. auch für Biblis A verringert worden. Übereinstimmend bezeichneten die Kreis-Grünen Bundesumweltminister Röttgen als „Trojanisches Pferd“, der eine Verschlimmerung (Verlängerung der Laufzeiten um acht Jahre) als Verbesserung zu verkaufen sucht.
|