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29Apr

Berliner Notizen von Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) – April

Liebe Freund*innen,

die Coro­na­krise geht in eine neue Phase mit ange­passten Regeln für uns alle. Von einem Schluss­strich sind wir weit ent­fernt, solange es keine wirk­samen Medi­ka­mente und vor allem keinen Impf­stoff gibt. Bis dahin werden wir auf vieles ver­zichten und uns an man­ches gewöhnen müssen.

Woran wir uns nicht gewöhnen dürfen: dass die Pan­demie die Schwä­cheren härter trifft. Da ich in meiner bun­des­po­li­ti­schen Arbeit vor allem die Allein­er­zie­henden im Auge habe, weiß ich, dass diese noch auf lange Sicht mehr Hilfen brau­chen. Ein­el­tern­fa­mi­lien gehen schon ohne Corona regel­mäßig bis an ihre Belas­tungs­grenzen und oft auch dar­über hinaus. Ein zeit­lich begrenztes, bedin­gungs­loses Grund­ein­kommen würde meiner Mei­nung nach schnell, direkt und unbü­ro­kra­tisch für viele Men­schen sofort Hilfe bringen. Die mone­tären Maß­nahmen zur Ent­las­tung von Bürger*innen immer wieder anzu­passen, kommt mir wie eine Res­sour­cen­ver­schwen­dung vor. Wir sollten unter diesen außer­ge­wöhn­li­chen Umständen ideo­lo­gi­sche Stand­punkte bei­seite wischen und statt­dessen wagen, Men­schen ihre exis­ten­zi­ellen Sorgen auf einen Schlag zu nehmen.

Als ersten Schritt unter­stütze ich die For­de­rung meiner Frak­tion nach einem „Corona-Eltern­geld“ als Lohnent­schä­di­gung für die gesamte Zeit der Schlie­ßung von Kitas und Schulen – ohne Nach­weis­pflicht über andere Betreu­ungs­mög­lich­keiten. Home-Office ist keine Betreu­ungs­op­tion, son­dern eine Dop­pel­be­las­tung! Beson­ders für Fami­lien, die auf exis­tenz­si­chernde staat­liche Leis­tungen ange­wiesen sind, ist die Krise dop­pelt belas­tend. Wenn das kos­ten­lose Mit­tag­essen in den Schulen und Ange­bote der Tafeln weg­fallen, stehen viele vor der exis­ten­zi­ellen Frage: Wie ver­sorge ich jetzt meine Kinder? Hinzu kommt, dass auf­grund der finan­zi­ellen Situa­tion wich­tige Mate­ria­lien für das neue Lernen zuhause fehlen. Allein­er­zie­hende und andere Fami­lien können da schnell in Exis­tenznot geraten. Ein Corona-Eltern­geld ist für diese Fami­lien – und vor allem für die Kinder – über­le­bens­wichtig.

Gewöhnen müssen wir uns eine Zeit­lang an das Tragen von Mund­schutzen. Was dabei nicht pas­sieren darf, ist, dass Teil­habe an Mobi­lität und die Ver­sor­gung mit dem Nötigsten nicht mehr mög­lich sind, wenn jemand sich keinen Mund­schutz leisten oder selbst nähen oder aus anderen Gründen keine Maske erhalten kann. Alle müssen Zugang zu Mund­schutzen haben. Um ein Zei­chen zu setzen, habe ich ver­gan­gene Woche 100 Masken, her­ge­stellt von Nähe­rinnen in einem Pro­jekt der Land­frauen im Main-Tauber-Kreis, in der Bad Mer­gen­theimer Tafel ver­teilt. Ich danke dem dor­tigen Kreis­ver­band dafür, diese Idee mit dem Ver­teilen wei­terer 40 Masken unter­stützt zu haben, und hoffe auf zahl­reiche Nachahmer*innen.

Mit grünen Grüßen aus Berlin

Eure Char­lotte

veröffentlicht am 29.04.2020