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29Jul

Biomusterregion des Neckar-Odenwald-Kreises Vorbild für den Main-Tauber Kreis?

Grüne Kreistagsfraktion aus dem Nachbarkreis informiert sich bei ihren Kolleginnen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis

Buchen. Der Ort für den Infor­ma­ti­ons­be­such hätte nicht pas­sender sein können. Die Kreis­tags­frak­tion der Grünen Main-Tauber traf sich mit Kol­le­ginnen und Kol­legen aus dem hie­sigen Neckar-Oden­wald-Kreis auf dem Ferien- und Geflü­gelhof von Amelie Pfeiffer in Bödi­g­heim, um über eine Bewer­bung als Bio-Mus­ter­re­gion zu spre­chen, die im Main-Tauber-Kreis der­zeit erwogen wird.

Kreis­vor­sit­zende und Kreis­rätin der Grünen Amelie Pfeiffer berich­tete von dem erfolg­rei­chen Bewer­bungs­ver­fahren im Neckar-Oden­wald-Kreis. Nachdem eine erste Bewer­bung geschei­tert war bediente sich der Land­kreis einer pro­fes­sio­nellen Mode­ra­tion zur Erstel­lung der Bewer­bungs­un­ter­lagen. Zu meh­reren Work­shops ein­ge­laden waren sehr viele Akteure wie bio­lo­gisch und kon­ven­tio­nell wirt­schaf­tende Land­wirte, Ver­treter des Bau­ern­ver­bandes, des Natur­schutzes, Lebens­mit­tel­ver­ar­beiter wie Bäcker und Metzger sowie der Lebens­mit­tel­ein­zel­handel und wei­tere mög­liche Groß­ab­nehmer von Bio­pro­dukten. Bei diesen Treffen seien in Grup­pen­ar­beit Themen für die Bewer­bung als Bio-Mus­ter­re­gion gesam­melt worden, berich­tete Amelie Pfeiffer. Daraus ent­wi­ckelte sich die Bewer­bungs­kon­zep­tion. Das Wesent­liche sei dabei gewesen, „dass Leute ins Gespräch mit­ein­ander kamen, die sich zuvor gar nicht kannten“.

Im Neckar-Oden­wald-Kreis gebe es 61 Bio­be­triebe. Ihr Anteil von 6 Pro­zent sei ver­gleichs­weise niedrig. Kreis­rätin Gudrun Weiske, die selbst 30 Jahre lang öko­lo­gi­schen Weinbau betrieb, berich­tete von der­zeit 120 Bio-Betrieben im Main-Tauber-Kreis. Als Ziel wurde im Neckar-Oden­wald-Kreis ver­ein­bart, die Anzahl der Bio-Betriebe zu erhöhen. Ein großes Pro­blem für die Milch­bauern sei dabei, so Pfeiffer, dass es keine Mol­kerei gibt, die ihre Milch abnimmt und zu Bio­pro­dukten ver­ar­beitet. Im Rahmen der letzten Bei­rats­sit­zung der Bio-Mus­ter­re­gion deu­teten sich in ersten Gesprä­chen Lösungs­ver­suche dafür an. Um großen Milch­vieh­hal­tern die Umstel­lung auf Bio­milch zu ermög­li­chen, braucht es aller­dings auch große Lösungen, wie die Grün­dung einer Genos­sen­schaft für die Milch­ver­ar­bei­tung. Wegen des hohen finan­zi­ellen Auf­wandes sei dies jedoch schwierig.

Inter­esse am Ver­kauf von regio­nalen Lebens­mit­teln habe der Lebens­mit­tel­ein­zel­handel gezeigt. Da ein­zelne Pro­du­zenten aber oft­mals gar nicht in der Lage seien, die erfor­der­li­chen Mengen zu lie­fern, sollen Bio­pro­dukte meh­rerer Erzeuger gebün­delt werden. In der Außer-Haus-Ver­pfle­gung in Kan­tinen, Schul­mensen, Kran­ken­häu­sern und Gast­stätten soll der Anteil bio­lo­gisch erzeugter Lebens­mittel auf 20 bis 30 Pro­zent erhöht werden. Es sei eine jähr­liche Eva­lu­ie­rung der Ziel­er­rei­chung vor­ge­sehen. Ins­ge­samt stünden Pro­jekt­mittel von 30.000 Euro pro Jahr zur Ver­fü­gung.

Die von der Bio-Mus­ter­re­gion aus­ge­henden Ver­än­de­rungen kommen dem Arten­schutz und der Bio­di­ver­sität zugute, so Frak­ti­ons­vor­sit­zende Simone Heitz. Wesent­li­chen Rücken­wind bekommen habe man durch das Volks­be­gehren „Rettet die Bienen“. Für die Bio­di­ver­sität und den Arten­schutz können auch die kon­ven­tio­nell wirt­schaf­tenden Betriebe in der viel­fach klein­struk­tu­rierten Land­schaft ihren Bei­trag leisten, ergänzt Pfeiffer.

Frak­ti­ons­vor­sit­zender der Grünen im Main Tauber Kreis Rainer Moritz bedankte sich auch im Namen seiner Frak­ti­ons­mit­glieder bei den hie­sigen Frak­tions- und Vor­stands­mit­glie­dern Simone Heitz, Amelie Pfeiffer, Anton Fleisch­mann , Boris Cotar und ihrer Mit­ar­bei­terin Tanja Will für den infor­ma­tiven Abend. Seine Frak­tion werde sich für eine Bewer­bung des Main-Tauber-Kreises um die Bio-Mus­ter­re­gion ein­setzen.

veröffentlicht am 29.07.2020