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03Mai

Ausweitung der restmüllarmen Abfallwirtschaft

Rede von Kreis­rätin Amelie Pfeiffer anläss­lich der Kreistags­sitzung am 2. Mai in Hard­heim zum TOP 1: Rest­müll­arme Abfall­wirt­schaft – Auswei­tung auf die Stadt Buchen und die weiteren Orts­teile der Gemeinde Hard­heim

Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolle­ginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren der Presse, liebe Zuhörer,

mit der Erwei­te­rung der rest­müll­armen Abfall­wirt­schaft kommen wir der flächen­de­ckenden Einfüh­rung wieder einen Schritt näher.

Defi­nitiv werden wir in der Trocken­wert­stoff­tonne (TWT) mehr Kunst­stoffe sammeln als derzeit im Gelben Sack, da auch stoff­gleiche Nicht­ver­pa­ckungen darüber ensorgt werden können, was eigent­lich nur logisch erscheint, wünschen wir uns doch möglichst viel Plas­tik­müll wieder­ver­wertet, egal ob es eine Verpa­ckung war oder ein altes Spiel­zeug!

Die Bioen­er­gie­tonne verspricht im Vergleich zur herkömm­li­chen Biotonne einen höheren ener­ge­ti­schen Anteil, so dass der Inhalt besser zu verwerten sein wird. Der ursprüng­liche Rest­müll verschwindet in möglich kleinen Mengen im roten Stör­stoff­sack.

Nahezu 95 % des Haus­halts­mülls soll bei der flächen­de­ckenden Einfüh­rung der rest­müll­armen Abfall­wirt­schaft verwertet werden. Das klingt gut! Aller­dings sind wir der Meinung das noch wich­ti­gere Ziel ist die Müll­ver­mei­dung!

Denn, liebe Kolle­ginnen und Kollegen, machen wir uns mit dem Wunsch­denken, nahezu allen Müll verwerten zu können, nicht etwas vor? Oder mit anderen Worten, was verstehen wir unter Verwer­tung?

Die ZEIT stellte vor 2 Wochen in ihrem Dossier die These auf „Je perfekter die Abfall­wirt­schaft, desto größer sind die Probleme mit dem Plastik“

In dem Glauben, nahezu alle Kunst­stoff­ab­fälle werden recy­celt, machen wir uns ja keinen Kopf mehr über den verant­wor­tungs­vollen Umgang mit Plastik und Kunst­stoff.

Doch leider sieht die Real­tiät anders aus. Deutsch­land gilt zwar als Euro­pa­meister im Müll­trennen und Recy­celn, aller­dings wird dabei bisher nur beachtet, was in einer Recy­cling­an­lage landet. Was hinten raus kommt, wurde nicht berück­sich­tigt. Es sieht also eher so aus, dass gerade mal unge­fähr 1/3 der Kunst­stoff­ab­fälle tatsäch­lich stoff­lich verwertet werden, 2/3 landen dann doch in der Müll­ver­bren­nung, bzw. schad­stoff­är­mere Anteile als Brenn­stoff z.B. in der Zement­in­dus­trie – das nennt sich dann ener­ge­ti­sche Verwer­tung!

Bund und Länder planen bis 2022, die EU bis 2030 die echte Recy­cling­quote auf ca. 2/3 zu erhöhen, große Anstren­gungen stehen uns noch bevor. Eine Wert­stoff­tonne wird als ein erster wich­tiger Schritt dazu gesehen, landet dann doch jeden­falls mehr Kunst­stoff in der Trocken­tonne statt im Rest­müll oder im Stra­ßen­graben, weil die Entschei­dung, in welche Tonne der Abfall gehört, einfach viel schneller und einfa­cher wird.

Zumin­dest in diesem Punkt sind wir auf dem rich­tigen Weg.

Die große Hoff­nung vor 30 Jahren mit Einfüh­rung des Dualen Systems Deutsch­land und neuen Recy­cling­tech­no­lo­gien, die genutzten Kunst­stoffe wieder zu verwerten, hat sich nicht erfüllt, nach wie vor gibt es haupt­säch­lich Down Recy­cling zu Blumen­kü­beln, Zaun­pfählen oder Gelben Säcken! Dabei hat sich seit dieser Zeit die Menge des Plats­ik­mülls verdop­pelt und ganz nebenbei eine lukra­tive Branche entwi­ckelt.

Für die Kunst­stoff­in­dus­trie lohnt es sich einfach nicht, recy­celtes Mate­rial als Rohstoff zu verwenden, da 1. der Ölpreis zu niedrig ist, 2. die Qualität nach Einschmelzen und Aufar­beiten zu schlecht ist um z.B. den hohen Anfor­de­rungen an Lebens­mit­tel­ver­pa­ckungen zu genügen, und 3. die Politik es versäumt hat, u.a. Quali­täts­kri­te­rien für die gute Wieder­ver­wert­bar­keit aufzu­stellen, so gibt es immer noch viel zu viele Misch- und Verbund­kunst­stoffe, die in den Recy­cling­an­lagen nicht zu sorten­reinen Kunst­stoffen getrennt werden können.

Darum wird eben nur ein kleiner Teil wirk­lich wieder­ver­wertet. Schlechte Quali­täten landeten bisher in China, das diese auch nicht mehr haben will. Nun ist die Entsor­gung teuer! Neue Absatz­wege müssen her. Immer mehr Kunst­stoff­ab­fälle landen z.T. auch illegal in Asien und Afrika, in Recy­cling­an­lagen ohne annehm­bare Umwelt­auf­lagen zum Schutz der Mitar­beiter und der Bevöl­ke­rung oder werden sogar nur notdürftig vergraben oder gleich offen abge­legt, Kunst­stoff gelangt so in Mengen in die Meere und letzt­end­lich in unsere Nahrungs­kette!!

Wäre es also nicht doch güns­tiger, gleich alle Kunst­stoff­ab­fälle der Müll­ver­ben­nung zuzu­führen? Was verbrannt ist, kann nicht im Meer landen! Außerdem wäre die Entsor­gung bei den jetzigen Preisen sogar güns­tiger!

Das lehnen wir ab, denn bei der Verbren­nung entstehen hoch­gif­tige Schla­cken, die in Sonder­müll­de­po­nien, meist unter Tage entsorgt werden müssen, auch diese Lage­rungs­ka­pa­zi­täten sind nicht unpro­ble­ma­tisch und endlich!

Wir brau­chen drin­gend eine Vermei­dung von Plastik und Plas­tik­müll, eine funk­tio­nie­rende Kreis­lauf­wirt­schaft im Sinne von cradle to cradle, Produkte müssen von Beginn an so entwi­ckelt werden, dass sie unpro­ble­ma­tisch wieder­ver­wertet werden können. Hier ist der Gesetz­geber gefragt, andere Länder gehen bereits weiter, England und Frank­reich denken über ein Verbot von Wegwerf­pro­dukten aus Plastik nach, 40 Länder haben bereits ein Platik­tü­ten­verbot!

Uns im Kreis bleibt vorerst nur, eine möglichst saubere Tren­nung von nass und trocken zu erzielen. Weniger Fehl­würfe in beiden Tonnen helfen, eine höhere stoff­liche Verwer­tungs­quote zu erzielen, darum unter­stützen wir das ange­kün­digte umfas­sende Konzept der Öffent­lich­keits­ar­beit!

Aller­dings befürchten wir, es wird genau die, die sich nicht wirk­lich um den Müll scheren, gar nicht errei­chen!

Unbe­dingt gehören Aktionen für Schulen und Kinder­gärten dazu, das Radio und moderne Medien sollten genutzt werden.

Für die Verwer­tung der Bioab­fälle muss unbe­dingt eine regio­nale Lösung gefunden werden, lange Trans­port­wege sind nicht zu verant­worten!

Mit der Einfüh­rung der KWiN wird verspro­chen, dass die Müll­ver­mei­dung im Fokus stehen soll! Das unter­stütze ich ausdrück­lich! Die grüne Frak­tion fordert seit Jahren bereits ein Gesamt­kon­zept zur Müll­ver­mei­dung, gerne sind wir bereit daran mitzu­wirken.

Dem heutigen Beschluss stimmen wir zu!

veröffentlicht am 03.05.2018 mit den Schlagwörtern