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27Sep

Wirtschaftswachstum – Lösung oder Ursache der Krise?

Grüner Kreis­ver­band dis­ku­tierte Gründe und Folgen der Schul­den­krise und Alter­na­tiven

Ob Zei­tung, Fern­sehen oder Internet – die aktu­elle Wirt­schafts­krise beherrscht seit Monaten die Schlag­zeilen. Kaum ein anderes Thema ist in den Medien so all­ge­gen­wärtig, obwohl die Wis­sen­schaft der­zeit nicht nur von einer, son­dern von vier großen Umbrü­chen spricht: 1) die Kli­ma­ver­än­de­rung mit dem Abschmelzen des Polar­eises schreitet fort, 2) das öko­lo­gi­sche Gleich­ge­wicht ist aus den Fugen, die glo­bale Arten­viel­falt nimmt stetig ab, 3) das Ende der fos­silen Res­sourcen wie Öl, Gas und Kohle kommt deut­lich näher und schließ­lich 4) die Finanz- und Wirt­schafts­krise, deren Aus­wir­kungen über den Euro für uns am direk­testen spürbar ist.

Schon seit län­gerem wird im Grünen Kreis­ver­band im Rahmen eines Arbeits­kreises über Wirt­schafts­fragen dis­ku­tiert. Als ein Ergebnis dieser regel­mä­ßigen Gesprächs­runden wurde das Posi­ti­ons­pa­pier ent­wi­ckelt, wel­ches in der jüngsten Mit­glie­der­ver­samm­lung der Kreis­grünen als Grund­lage für eine leb­hafte Debatte diente. Dr. Uwe Graser beleuch­tete in einer ersten Ana­lyse zunächst die über­bor­dende Schul­den­si­tua­tion der füh­renden Wirt­schafts­na­tionen. Der Ver­schul­dungs­pro­zess gewinne eine Eigen­dy­namik, da die betrof­fenen Staaten wie­derum ver­stärkt vom Kapi­tal­markt abhängig seien.

Als wich­tiges kri­tisch zu hin­ter­fra­gendes Thema sah Dr. Graser das Credo des stän­digen Wirt­schafts­wachs­tums, durch das Wohl­stand geschaffen bzw. gesi­chert werden solle. „Fly now – pay later!“ laute das all­ge­meine Motto, mit dem die Schul­den­last auf die Schul­tern der kom­menden Genera­tionen abge­wälzt würde. Es werde ver­mehrt nicht mehr in Pro­duk­tion, son­dern in Geld­an­lagen inves­tiert. Hier machte er auch seinen zweiten Kri­tik­punkt am der­zei­tigen Wirt­schafts­system fest: das fort­schrei­tende Auf­gehen der Wohl­stands­schere.

Einen mög­li­chen Ausweg aus der Krise biete das System des „nach­hal­tigen Wirt­schaf­tens“ im Sinne von soli­da­ri­schem Umgang mit der Natur und den Mit­men­schen. Steue­rungs­mög­lich­keiten habe der Staat bei­spiels­weise durch eine starke Ban­ken­kon­trolle, die Rück­kehr zum „Voll­geld“ sowie die Ein­füh­rung einer Trans­ak­ti­ons­steuer (Tobin-Steuer). Wäh­rend Grund­ver­sor­gung und Infra­struktur in staat­li­cher Hand liegen sollten, könne auf regio­naler Ebene frei, lebendig und kreativ gehan­delt werden. Genos­sen­schaften seien hier als soli­da­ri­sches Modell der „Post­wachs­tums­ge­sell­schaft“ zu nennen. Die För­de­rung des länd­li­chen Raums als wesent­li­chem Bewahrer und Lie­fe­rant der erfor­der­li­chen Lebens­grund­lagen wie Wasser, Nah­rungs­mittel und Strom gewinne in diesem Sze­nario eine neue Bedeu­tung.

Unkon­ven­tio­nelle Lösungs­an­sätze zu ver­treten, Vor­reiter „undenk­barer“ Ideen zu sein – diese Rolle sei für Grüne Mit­glieder nicht neu. Bereits in der Öko­logie oder beim Atom­aus­stieg haben sich die Grünen als Vor­aus­denker bewährt und dabei lange Zeit gegen gesell­schaft­liche Kritik ange­kämpft, bis die Rea­lität sie bestä­tigte. So wird auch die „grüne Denk­fa­brik“ im Neckar-Oden­wald weiter arbeiten und dis­ku­tieren, um neue und fri­sche Ideen zu pro­du­zieren.

(Artikel von Chris­tine Böhm)

veröffentlicht am 27.09.2012 mit den Schlagwörtern ,