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24Feb

17 Millionen für neue Straße? Grünen ist neues GTO wichtiger!

Rede von Kreis­rätin Doro­thee Roos anläss­lich der Kreistags­sitzung am 20. Februar in Mosbach zum Tages­ord­nungs­punkt Ganz­tags­gym­na­sium Oster­burken

Sehr geehrter Herr Landrat, liebe Kolle­ginnen und Kollegen, sehr geehrte Zuhörer,

das Thema GTO begleitet uns nun schon eine Weile. Nach 50 Jahren werden die Gebäu­de­mängel immer drän­gender, man muss etwas tun und kann nicht länger zuwarten.
Vor 50 Jahren, im Jahr 1967, dachte man, man baut ein Schul­haus für alle Zukunft – aus stabilem Beton, der ewig hält, nach einem pädago­gi­schen Konzept, das im Ganz­ta­ges­be­trieb ein zugleich enges wie aufge­lo­ckertes Mitein­ander der Schul­ge­meinde beinhaltet, mit vielen kleinen Räumen auf 11 Ebenen auf vier Geschossen, mit x kleinen Trepp­chen dazwi­schen und groß­zü­gigen Gemein­schafts­flä­chen. Das Barrel Rohöl kostete damals 3 Dollar, Heiz­kosten waren kein Thema, Strom­kosten für die Beleuch­tung und Belüf­tung fens­ter­loser Räume auch nicht, denn grade entstand ja in Obrig­heim das erste Atom­kraft­werk. Und von Barrie­re­frei­heit sprach kein Mensch.

50 Jahre später ist vor allem das pädago­gi­sche Konzept geblieben, das als einziges wirk­lich nach­haltig und zukunft­wei­send war – Ganz­tags­schulen sind heute eher die Regel als die Ausnahme, wiewohl das GTO mit seinem gebun­denen Ganz­tags­be­trieb und der inten­siven Betreuung der Schü­le­rInnen immer noch etwas Avant­gar­dis­ti­sches bewahrt hat.
Aber das Gebäude ist nicht sanierbar –jeden­falls nicht, wenn gleich­zeitig auch noch ein mindes­tens drei­zü­giger Schul­be­trieb nach den Anfor­de­rungen des Bildungs­plans gewähr­leistet werden soll. Diese Erkenntnis ergab sich bereits seitens des Archi­tek­ten­teams, bevor die Schad­stoff­pro­ble­matik zutage trat, diese hat das Ganze dann noch­mals bestä­tigt und zuge­spitzt, ebenso wie das Brand­schutz­gut­achten.
Jetzt steht der Kreis als Schul­träger vor einer extrem schwie­rigen Situa­tion. Über das Thema Pflicht­auf­gaben versus der „frei­wil­ligen“ Schul­trä­ger­schaft wurde schon gespro­chen. Wenn die Sanie­rung beim laufenden Betrieb nicht oder nur unte hohen Kosten mit weiteren Risiken möglich ist, dann muss sie aufge­geben werden. Das ist der erste Punkt der Beschluss­emp­feh­lung, diesem stimmen wir ohne Weiteres zu.
Für einen Neubau gibt es Vorgaben aus den Schul­bau­richt­li­nien, die sich in erster Linie auf den Bedarf stützen. Bedarfe haben zwei Seiten, eine quan­ti­ta­tive und eine quali­ta­tive. Die Entwick­lung der Schü­ler­zahlen sind bei weiter­füh­renden Schulen schwer zu berechnen, weil sie nicht nur etwas mit Gebur­ten­zahlen, sondern mit dem Über­gangs­ver­halten zu tun haben. Und hier kommen jetzt die quali­ta­tiven Krite­rien ins Spiel. Eine hervor­ra­gende Schule mit lang­jäh­rigem Modell­cha­rakter, die im struk­tur­schwa­chen Raum in Badisch-Sibi­rien liegt, einfach aufzu­geben, weil das Gebäude marode ist, wäre wahr­haftig ein großer Verlust, ich glaube, da sind wir uns alle einig. Niemand hat in den letzten Jahren in Frage gestellt, dass es Bedarf für diese Schule gibt.
Deshalb sind wir bereit, zunächst mal alle Möglich­keiten zu über­prüfen, die Schule zu erhalten. Wir Grüne glauben, dass sie für unseren Raum wichtig ist, aus Gründen der guten Bildung zual­ler­erst, doch auch z.B. auch aus Gründen des Bus-ÖPNV, dessen Rück­grat bekannt­lich der Schü­ler­ver­kehr ist. Umge­kehrt liegt Oster­burken an zwei Bahn­stre­cken und damit äußerst verkehrs­günstig für Schüler.

Trotzdem sehen natür­lich auch wir, welch riesige Belas­tung des Kreis­haus­haltes ein Neubau bedeutet, und deshalb muss die Planung nach allen Seiten offen sein, unauf­ge­regt verlaufen und eine große Band­breite von Möglich­keiten abklopfen. Das fängt bei der Frage an, für welche Schüler man baut – ob nur für die eigenen oder auch Schüler aus dem Hohen­lo­he­kreis und den anderen Nach­bar­kreisen. Hierbei ist zu beachten, dass eine Redu­zie­rung der Gebäu­de­größe auf die 58% NOK-Schüler keines­wegs eine Redu­zie­rung der Baukosten um den glei­chen Faktor bedeutet. Außerdem redu­zieren sich ja auch Zuschüsse bei nied­ri­geren Baukosten, so dass der Eigen­an­teil viel­leicht gar nicht so sehr sinkt. Auch gibt es, wenn wir nur für die eigenen Schüler bauen wollen, später weniger Sach­kosten pro Schüler, was sich bei den Folge­kosten dann viel­leicht schmerz­lich bemerkbar macht. Umge­kehrt werden wir, wenn wir jetzt ein modernes Schul­ge­bäude mit Nied­rig­ener­gie­stan­dard bauen, deut­lich weniger für den Gebäu­de­un­ter­halt ausgeben müssen als jetzt für das GTO. Es muss also insge­samt mit sehr spitzem Blei­stift gerechnet werden, mit dem Rotstift ebenso wie mit dem Grün­stift. In diesem Zusam­men­hang sei gesagt, dass wir als Grüne dem Stra­ßen­bau­pro­jekt der Oden­wald-Trans­ver­sale schon immer kritisch gegen­über gestanden haben. Die Kosten dieser Trans­ver­sale für den Kreis sind in der Mittel­fris­tigen Finanz­pla­nung mit 17 Mio ausge­wiesen. Falls eines Tages GTO und Trans­ver­sale gegen­ein­ander stehen sollten, würden wir uns immer für das GTO entscheiden.

Auch bei der Träger­schaft gibt es sicher­lich mehrere Möglich­keiten. Denkbar sind neben der reinen Kreis­trä­ger­schaft auch eine geteilte Träger­schaft zwischen Stadt Oster­burken und dem Kreis oder ein Schul­ver­bund. Auch muss gefragt werden, ob und wie viel den Nach­bar­kreisen der Erhalt des GTO wert ist. Leider fällt uns hier insge­samt die soge­nannte „system­wid­rige“ Träger­schaft des GTO auf die Füße, denn für den Hohen­lo­he­kreis wäre eine Mitfi­nan­zie­rung oder gar kreis­über­grei­fende Mit-Träger­schaft ebenso system­widrig, weil eben im Bereich der Frei­wil­lig­keits­leis­tungen ange­sie­delt.

Zu guter Letzt sollten wir auch prüfen, ob nicht im pädago­gi­schen Bereich eine Brücke von der alten „Modell­haf­tig­keit“ zu einem neuen pädago­gi­schen Modell­vor­haben gefunden werden kann, die viel­leicht andere Förder­töpfe erschließt als nur die „normalen“ Schul­bau­för­de­rung. Denn, wie schon eingangs gesagt, die eigent­liche Nach­hal­tig­keit des GTO liegt auf pädago­gi­schem Gebiet, und es gibt viele gesell­schaft­liche Probleme, auf die ein Schul­mo­dell antworten könnte.
Der Beschluss­vor­schlag gibt uns die Zeit, hier­über vertieft nach­zu­denken, deshalb stimmen wir auch Punkt 2 und 3 zu. Die eigent­liche Entschei­dung über „Neubau oder nicht“ fällt erst in der Zukunft, wenn wir alle Infor­ma­tionen beisammen haben.

Insge­samt muss gesagt werden, dass bei all diesen Fragen, vom Aufga­be­ver­fahren bis zur Ermitt­lung des quan­ti­ta­tiven und quali­ta­tiven Bedarfs, das Land ein gewich­tiges Wort mitzu­reden haben wird. Deshalb ist sicher­lich ein enger Kontakt nicht nur zum RP, sondern auch zum Kultus­mi­nis­te­rium notwendig. Das GTO hat eine beson­dere und einma­lige Geschichte, und viel­leicht kann für die ebenso beson­dere und schwie­rige Situa­tion, in der wir uns als Neckar-Oden­wald-Kreis jetzt befinden, beim Kultus­mi­nis­te­rium Verständnis geweckt werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.

Doro­thee Roos
Kreis­rätin, Bündnis 90/Die Grünen

veröffentlicht am 24.02.2019 mit den Schlagwörtern ,