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03Nov

Der DHBW-Standort Mosbach muss seine Stärken entwickeln

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer im Gespräch mit NOK-Grünen


Die DHBW-Diskussion im Kreis nimmt manchmal irrationale Züge an, die zu einem Image-Schaden führen können. Fakt ist, dass der zentrale Aufsichtsrat als höchstes strategisches Gremium der DHBW Baden-Württemberg die bisherige Außenstelle Heilbronn zu einem eigenständigen Standort machen möchte. Das Kabinett in Stuttgart entscheidet vermutlich Ende November über den Vorschlag. Dieselbe Entwicklung hat auch die DHBW Mosbach durchlaufen, als sie 1984 von einer Außenstelle Mannheims zur eigenständigen Studienakademie umgewandelt wurde. Aus erster Hand wollten die Kreistagsfraktion, der Kreisverband der Grünen und die Mosbacher AL-Fraktion sich informieren lassen. Deshalb luden sie Wissenschafts­ministerin Theresia Bauer in der vergangenen Woche nach Mosbach ein. Vertreten waren Christine Denz und Dorothee Roos ebenso wie Christine Böhm, Anna Leischner, Dorothee Rittmann-Minninger und Barbara Klein.

Eine „Erfolgsgeschichte“ mit einer Kapazität von 4.000 Studienplätzen sei der Standort Mosbach (einschließlich der Außenstelle Bad Mergentheim). Er bleibe auch nach der Abtrennung von Heilbronn der drittgrößte im Land nach Mannheim und Stuttgart. Kein anderer Standort sei so stark gewachsen. Theresia Bauer: Man werde bezüglich Heilbronn und Mosbach weiterhin auf strikt getrennte Profile achten und damit Abwanderung vorbeugen; in Mosbach gebe es Studiengänge in Wirtschaft und Technik und – einzigartig in Baden-Württemberg – Holztechnik, Bauwesen sowie Holzhandel. Heilbronn hingegen bietet BWL-Konsumgüterhandel, BWL-Dienstleistungsmanagement und BWL-Foodmanagement an – also ganz andere Richtungen.

Auf Unverständnis stießen bei den hiesigen grünen Politikerinnen Äußerungen von OB Jann und Landrat Dr. Brötel, die einen Bedeutungsschwund des Campus Mosbach prophezeiten. Die Grünen warnen dabei vor einem inzwischen schon allzu gewohnten Alarmismus. Sie fordern eine Versachlichung der Diskussion und rufen dazu auf, gemeinsam die Stärken Mosbachs als Hochschulstandort zu betonen und vor allem weiterzuentwickeln. Damit sehen sie sich beim DHBW-Thema positiv in einer Reihe mit MdL Georg Nelius und MdL Peter Hauk.

Ministerin Bauer verwies darauf, dass die Außenstelle Heilbronn mit Zustimmung der damaligen CDU/FDP-Regierung gegründet wurde. Jedoch wollte die frühere Landesregierung kein Geld für den in Mosbach erforderlichen Neubau bewilligen – die grün-rote Landesregierung hingegen habe 8 Millionen Euro gegeben. So zeige sich entgegen lautstarker Behauptungen, dass Grün-Rot den Ländlichen Raum hochschulmäßig kräftig unterstütze.

Abschließend sprachen die Politikerinnen darüber, dass der Campus Mosbach infolge des rasanten Wachstums inzwischen auch an räumliche, personelle und finanzielle Grenzen stoße. Nachdem sich die Studierendenzahlen seit 2007 von 1500 auf weit über 3000 mehr als verdoppelt hätten, seien nunmehr Konsolidierung und Vertiefung des Erreichten angesagt, also eher qualitatives als quantitatives Wachstum. Auch für die Stadt Mosbach gebe es noch viel zu tun. Mehr und neue Angebote müssten in der Infrastruktur geschaffen werden – Mosbach trage noch kaum den Charakter einer Studentenstadt, obwohl es die gar nicht hoch genug einzuschätzende Chance habe, in Zeiten des demografischen Wandels so viele junge Leute zu beherbergen. „Wenn in 10 Jahren die wirkliche Konkurrenz der Standorte beginnt – nicht zwischen Mosbach und Heilbronn, sondern die aller Hochschulen um die abnehmende Zahl der Studierenden – dann sollten Mosbach und seine DHBW hier ein gutes Angebot haben“, so die Ministerin abschließend.

(Artikel von Christine Denz)

veröffentlicht am 03.11.2013 mit den Schlagwörtern