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10Feb

Eine aufgeHEITZte Diskussion

Simone Heitz zu Besuch im Nico­laus-Kistner-Gym­na­sium

Ver­gan­gene Woche fand im Nico­laus-Kistner-Gym­na­sium auf Ein­la­dung von Schul­leiter Jochen Her­kert eine leb­hafte Dis­kus­sion über Schul­fragen statt. Zu Besuch im NKG war Kreis­rätin Simone Heitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen, die selber aus der Region kommt und die hie­sige Schul­land­schaft gut kennt. Simone Heitz stand dabei der Redak­tion der NKG-Schü­ler­zei­tung Tin­ten­klecks Rede und Ant­wort.

Haupt­thema der Dis­kus­sion war die Frage, welche Aus­wir­kungen sich aus der Errich­tung von Gemein­schafts­schulen für die Gym­na­sien ergeben. Schul­leiter Jochen Her­kert eröff­nete das Gespräch mit einer For­de­rung der Grünen Jugend, der Jugend­or­ga­ni­sa­tion der Grünen. Deren For­mu­lie­rung „Wir wollen wirk­lich eine Schule für alle“ wurde von vielen so ver­standen, dass das Gym­na­sium in Zukunft neben den Gemein­schafts­schulen keinen Platz mehr haben solle. Mit diesem Ein­stieg war man mitten drin in einem poli­tisch höchst sen­si­blen Thema, das der­zeit viele Eltern und Schü­le­rInnen beschäf­tigt.

Schul­leiter Jochen Her­kert wies auf die Tat­sache hin, dass man den Gym­na­sien Stunden gekürzt und diese den Gemein­schafts­schulen zuge­ordnet habe. Er erwarte von der Regie­rung in Stutt­gart mehr Unter­stüt­zung für die Gym­na­sien im Land und keine Politik gegen diese Schulart. Es mache keinen Sinn, eine Schulart, die über Jahr­zehnte erfolg­reich war, zu schwä­chen. Ein Abitur an einem Gym­na­sium habe noch immer einen hohen Stel­len­wert. Es bestehe die Gefahr, dass dieser Abschluss und der qua­li­ta­tive Unter­schied durch die Gemein­schafts­schulen ver­wischt werde. Viel­mehr gelte es, gerade auch die G8-Gym­na­sien zu stärken. Die anwe­senden Schü­le­rInnen machten deut­lich, dass das NKG sehr viel­sei­tige Ange­bote für die unter­schied­lichsten Inter­essen bereit­hält. Erwähnt wurden die zahl­rei­chen AGs, der bilin­guale Zug und das breite Fächer­spek­trum mit sehr wert­vollen Aus­tausch­pro­grammen. Herr Her­kert betonte, dass diese Ange­bote nur erhalten bleiben können, wenn den Gym­na­sien die ent­spre­chenden Mittel und Stellen erhalten bleiben und nicht noch weiter gekürzt werden.

Simone Heitz grenzte sich von der Grünen Jugend ab, indem sie betonte, dass die Gemein­schafts­schulen nie­mals eine Kon­kur­renz zu den G8-Gym­na­sien sein würden. Die Schüler wandten jedoch ein, dass für Eltern Gemein­schafts­schulen eine durchaus attrak­ti­vere Option sein könnten. Dort könne man genauso wie an Gym­na­sien, aber auf einem „leich­teren“ Weg das Abitur errei­chen. Simone Heitz wies darauf hin, dass viele Schul­stand­orte im länd­li­chen Raum erhalten werden könnten, wenn ehe­ma­lige Werk­re­al­schulen und Real­schulen in Gemein­schafts­schulen umge­wan­delt würden. Heitz sagte weiter, dass die Lehrer an der Gemein­schafts­schule bis zur 10. Klas­sen­stufe vor allem päd­ago­gisch aus­ge­bildet sein müssten. Für den Unter­richt ab der 11. Klasse habe aber zusätz­lich auch die wis­sen­schaft­liche Aus­bil­dung der Lehrer eine große Bedeu­tung. Die Schüler wie­derum sehen bei der Gemein­schafts­schule den Nach­teil, dass leis­tungs­starke Schü­le­rInnen unter­for­dert werden könnten und dass dadurch das all­ge­meine Niveau sinkt. Es sei ein zu idea­lis­ti­scher oder viel­leicht auch unrea­lis­ti­scher Gedanke, man könne unter­schied­lich leis­tungs­starke Kinder zusammen unter­richten. Die Schü­le­rInnen sahen die Pro­ble­matik, dass es durch die zu breite Zusam­men­fas­sung der Schüler zu mehr Kon­kur­renz­denken und Neid­ge­fühlen als früher kommen könne.

Nach zwei Stunden ange­regter Dis­kus­sion ver­ab­schie­dete sich Simone Heitz, nicht ohne noch­mals aus­drück­lich zu betonen, dass an den Gym­na­sien nicht gerüt­telt werde und diese auch nicht geschwächt würden. Bereits in vier Wochen kann an dieser Stelle noch­mals nach­ge­hakt werden. Geplant ist näm­lich eine Podi­ums­dis­kus­sion mit Ver­tre­tern aller Par­teien über aktu­elle poli­ti­sche Themen. Dabei wird dann sicher auch das Thema „Gemein­schafts­schule contra Gym­na­sium?“ wieder eine Rolle spielen.

(Artikel und Foto von Schü­le­rInnen des NKGs und Ver­tre­tern der Schü­ler­zei­tung Tin­ten­klecks)

veröffentlicht am 10.02.2016 mit den Schlagwörtern