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15Apr

In der Bildungsküche brodelt es weiter

Wohin steuert die Schul­po­litik? Drittes Mos­ba­cher Bil­dungs­ge­spräch legte mehr Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­darf offen

Zur Halb­zeit steht die Schul­po­litik der Grün-Roten Lan­des­re­gie­rung weiter zwi­schen allen Fronten. Den Ein­druck, dass ein Schul­frieden über alle Par­teien hinweg in Sicht wäre, nahm nie­mand der rund 30 Gäste von der Infor­ma­tions- und Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung über die Schul- und Bil­dungs­po­litik am Mitt­woch in der Diedes­heimer Krone mit nach Hause. Eher die Gewiss­heit, dass es bis dahin noch ein langer Weg sei. Mit dem Vor­sit­zenden des Phi­lo­lo­gen­ver­bandes Baden-Würt­tem­berg, Bernd Saur, und Prof. Michael-Cor­ne­lius Her­mann, Leiter des Bereichs Poli­ti­sche Grund­satz­an­ge­le­gen­heiten im Kul­tus­mi­nis­te­rium des Landes, trafen ein Ver­fechter einer gleich blei­benden, hohen Qua­lität der Gym­na­sien im Land und ein Für­spre­cher für die Gemein­schafts­schule auf­ein­ander. Ein­ge­laden hatte der „Arbeits­kreis Mos­ba­cher Bil­dungs­ge­spräche“, bestehend aus Ver­tre­tern des Phi­lo­lo­gen­ver­bandes BW (Richard Zöller und Frank End­lich) und des Grünen Kreis­ver­bandes Neckar-Oden­wald (Sig­linde Mack und Chris­tine Denz). Als Mode­ra­torin behielt Gabriela Fischer-Rosen­feld den Über­blick.

Die Ein­gangs­frage Richard Zöl­lers, ob aus den der­zei­tigen Akti­vi­täten in der „Bil­dungs­küche“ im Ländle ein Fein­schme­cker- oder ein Diä­tessen ent­steht, blieb unge­klärt. Aller­dings wurde die Posi­tion der Lan­des­re­gie­rung deut­lich, die auf eine Vision hin­ar­beitet: Als Schritte hin zum über­ge­ord­neten Ziel, soziale Her­kunft und Bil­dungs­er­folg zu ent­kop­peln, nannte Her­mann unter anderem die Fak­toren Ein­füh­rung der Gemein­schafts­schule, Reform der Leh­rer­aus­bil­dung oder Moder­ni­sie­rung des Berufs­schul­we­sens. Bei rück­läu­figen Schü­ler­zahlen und einer Haus­halts­lage ohne die Aus­sicht auf zusätz­liche Finanz­mittel für Schulen setzt der Spre­cher des Minis­te­riums auf einen „Pakt mit den Kom­munen“. In Gemeinschafts­schulen sei eine Qua­li­täts­stei­ge­rung durch mehr indi­vi­dua­li­siertes Lernen mög­lich, zeigte sich Her­mann über­zeugt.

Schon im Ansatz stellte Bernd Saur, selbst Gym­na­si­al­lehrer, die von Her­mann dar­ge­stellte Prä­misse in Frage: „Sozi­al­po­litik kann man nicht durch Bil­dungs­po­litik machen“, setzte er seinen Stand­punkt: Bil­dungs­er­folg habe nicht nur mit Schule, son­dern auch viel mit Eltern zu tun. Dass die Gemein­schafts­schule, wie das Gym­na­sium, das Ziel „Abitur“ ver­folge, nannte Saur unlo­gisch, sah das „Ori­ginal“ Gym­na­sium „von unten und oben geschwächt“ und regis­trierte den­noch einen unge­bro­chenen Trend zum Gym­na­sium. Vor allem das baden-würt­tem­ber­gi­sche Abitur sei bun­des­weit hoch ange­sehen.

Die These „Stand­ort­si­cher­heit geht vor Qua­lität“, die Klage, die Regie­rung wolle die Real­schulen trotz ihrer guten Arbeit aus­trocknen bis hin zur Unter­stel­lung eines „Geheim­plans“ der Lan­des­re­gie­rung, über den Zwi­schen­schritt des Zwei-Säulen-Modells (Gemein­schafts­schulen und Gym­na­sien) zur „Ein­heits­schule“ zu gelangen, spie­gelten Unsi­cher­heit, aber auch tiefes Inter­esse der Zuhörer. Vehe­ment argu­men­tierte Her­mann gegen das Schreck­ge­spenst Ein­heits­schule: „Einen wei­teren Paradigmen­wechsel will keiner“, selbst die CDU stehe zur Gemeinschafts­schule. Überall, an Gym­na­sien, Real­schulen oder Gemeinschafts­schulen, gelte es, fächer­spe­zi­fisch for­dernd und för­dernd erfolg­rei­ches Lernen zu ermög­li­chen. Dass dies funk­tio­niert, bestä­tigte Johannes Solf, Lehrer an der Gemein­schafts­schule Bam­mental, für seine Arbeit.

Kann der Staat halten, was er ver­spricht, wenn es gleich­blei­bend große Klassen gibt? Wie will die Lan­des­re­gie­rung weiter mit dem acht- und neun­jäh­rigen Gym­na­si­alzug ver­fahren? Wie soll der 18-mona­tige Vor­be­rei­tungs­dienst in der Leh­rer­aus­bil­dung prak­tisch aus­sehen, wie werden Lehrer auf Anfor­de­rungen der Inklu­sion vor­be­reitet?

An Fragen für wei­tere Bil­dungs­ge­spräche man­gelt es nicht. Der Bedarf, sie vor Ort auch mit den Ver­ant­wort­li­chen der Kom­munen zu führen, wurde am Mitt­woch über­deut­lich.

(Artikel von Annette Gast-Prior)

veröffentlicht am 15.04.2014 mit den Schlagwörtern