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29Sep

Endlagersuche: wissenschaftsbasiert, transparent und unabhängig

Seit drei Jahren läuft in ganz Deutsch­land eine ergeb­nis­of­fene, wis­sen­schafts­ba­sierte Suche für ein Atom­müll­end­lager. Am Montag hat die Bun­des­ge­sell­schaft für End­la­ge­rung in einem Zwi­schen­be­richt ihre ersten Ergeb­nisse vor­ge­legt. „Wir sind noch in einem frühen Sta­dium der Suche, wichtig ist, dass die Suche ergeb­nis­offen gestartet ist – mit einer soge­nannten weißen Land­karte, die alle Bun­des­länder und Regionen ein­be­zieht“, erklärte die Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Char­lotte Schnei­de­wind-Hart­nagel (Bündnis 90/Die Grünen) am Montag anläss­lich der Ver­öf­fent­li­chung des Zwi­schen­be­richts Teil­ge­biete durch die Bun­des­ge­sell­schaft für End­la­ge­rung.

Gut eine Mil­lion geo­lo­gi­sche Daten der Bun­des­länder wurden nach fest­ge­legten Kri­te­rien aus dem Stand­ort­aus­wahl­ge­setz aus­ge­wertet. Durch Min­dest­an­for­de­rungen und Aus­schluss­kri­te­rien wie Erd­be­ben­ge­fahr, Vul­ka­nismus oder Schä­di­gungen des Unter­grundes durch Bergbau, ver­bleiben Gebiete in der Suche, die nach ersten Gesichts­punkten geeignet scheinen. Im nächsten Schritt wird in den kom­menden Jahren eine ver­fei­nerte Suche wei­tere Regionen aus­schließen. Am Ende soll dann ein Standort mit der best­mög­li­chen Sicher­heit fest­stehen – basie­rend auf rein wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­rien – unab­hängig von poli­ti­schem Ein­fluss.

Fehler nicht wie­der­holen

„Ent­schei­dend bei der Suche nach einem End­lager für hoch­ra­dio­ak­tiven Atom­müll ist, die Fehler aus der dama­ligen Gor­leben-Ent­schei­dung nicht zu wie­der­holen“, sagte die grüne Ver­tre­terin des Wahl­kreises Oden­wald-Tauber. „Dass damals Fehler gemacht wurden, wird bereits im jet­zigen Sta­dium der neuen Suche ersicht­lich, denn Gor­leben kommt schon nach den jet­zigen Kri­te­rien nicht mehr in Frage.“

Daher basieren die von der Bun­des­ge­sell­schaft vor­ge­stellten Teil­ge­biete auf wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nissen und nicht auf poli­ti­schem Gut­dünken. Mit dem Stand­ort­aus­wahl­ver­fahren sind die Grund­lagen für eine erfolg­reiche Suche gelegt: ein wis­sen­schafts­ba­sierter und über­prüf­barer Pro­zess, der Trans­pa­renz und Bür­ger­be­tei­li­gung vor­aus­setzt. Denn die End­la­ger­suche kann nur dann erfolg­reich sein, wenn die Men­schen von Anfang an dabei sind.

Bürger*innen-Beteiligung ist wich­tige Bewäh­rungs­probe

Eine wich­tige Bewäh­rungs­probe für die End­la­ger­suche ist daher das Betei­li­gungs­format. Denn alle Bürger*innen müssen die Ent­schei­dungen nach­voll­ziehen können. „Das zustän­dige Bun­desamt und die Bun­des­ge­sell­schaft müssen umfas­send und trans­pa­rent die Ergeb­nisse prä­sen­tieren und eine breite Dis­kus­sion dar­über ermög­li­chen“, for­derte Schnei­de­wind-Hart­nagel. „Hin­gegen ist es voll­kommen kon­tra­pro­duktiv, wenn schon jetzt Ver­treter ein­zelner Regionen oder Bun­des­länder for­dern, aus der wei­teren Suche her­aus­ge­halten zu werden. Das schürt unnötig Zweifel an dem zuver­läs­sigen, wis­sen­schaft­li­chen Such­ver­fahren.“

Auf der Inter­net­seite der Bun­des­ge­sell­schaft für End­la­ge­rung können Bür­ge­rinnen und Bürger alle Teil­ge­biete ein­sehen und die geo­lo­gi­schen Daten nach­voll­ziehen. Auf vier Fach­kon­fe­renzen können Fragen gezielt gestellt werden.

Der Ver­ant­wor­tung stellen

„Wir Grünen haben jah­re­lang gegen Atom­kraft gekämpft – und doch stellen wir uns den Tat­sa­chen und der vor uns lie­genden gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung“, sagte Schnei­de­wind-Hart­nagel. „Wir werden kon­struktiv mit­ar­beiten, Fragen stellen und für ein Gelingen sorgen. Nur so finden wir in Deutsch­land den End­la­ger­standort mit der best­mög­li­chen Sicher­heit zum Schutz von Mensch und Natur. Und nur so können wir die Atom­kraft end­gültig abwi­ckeln.“

veröffentlicht am 29.09.2020