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22Jun

Rede im Bundestag zu Kinderrechten in und nach der Corona-Krise – Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdB

Sehr geehrte Frau Prä­si­dentin!
Sehr geehrte Kol­le­ginnen und Kol­legen!

Seit Mitte März ist für Kinder nichts mehr normal. Viele der Schutz­maß­nahmen im Rahmen der Pan­de­mie­be­kämp­fung wie Aus­gangs- und Kon­takt­be­schrän­kungen, Schul-, Kita- und Spiel­platz­schlie­ßungen haben mas­sive Aus­wir­kungen auf Kinder und ihre Rechte. Inzwi­schen haben die Ein­schrän­kungen fami­liäre Krisen ver­schärft, und die Gefahr von häus­li­cher und sexua­li­sierter Gewalt gegen Kinder ist gestiegen. Die Rück­mel­dungen von Jugend­äm­tern und erstes Zah­len­ma­te­rial haben dies bereits bestä­tigt.

Die Bedin­gungen unter dem Infek­ti­ons­schutz haben Pro­blem­lagen ver­schärft; aber Infek­ti­ons­schutz darf Kin­der­schutz nicht hin­ten­an­stellen. Kein Kind kann sich alleine schützen. Kinder haben ein Recht darauf, dass wir sie schützen.

Kinder haben auch das Recht auf Bil­dung, und das beginnt schon im früh­kind­li­chen Bereich. Bereits vor Corona waren die Bil­dungs­chancen von Kin­dern und Jugend­li­chen eng an die Ein­kommen ihrer Eltern gekop­pelt. Inzwi­schen hat jeder Tag ohne Kita und ohne Schule diese Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit ver­grö­ßert und Zukunfts­chancen von Kin­dern erheb­lich beein­träch­tigt. Das wird wei­ter­gehen, trotz aller Öff­nungen. Erste Schulen schließen auf­grund von Coro­na­in­fek­tionen bereits wieder ihre Türen. Und machen wir uns nichts vor: Das wird uns auch noch nach dem Sommer begleiten und die Bil­dungs­chancen von Kin­dern mit schlech­teren Start­be­din­gungen weiter ein­schränken.

Zwar sind Kinder ver­gleichs­weise sel­tener und schwä­cher von einer Covid-19-Infek­tion betroffen; aber die Coro­na­ab­wehr­maß­nahmen können nega­tive Aus­wir­kungen auf ihre see­li­sche und kör­per­liche Gesund­heit haben und damit auf ihre Ent­wick­lungs­chancen. Die Per­spek­tive von Kin­dern, ihre Inter­essen und Bedürf­nisse kamen wäh­rend der Pan­de­mie­be­kämp­fung kaum vor. Und: Die Kinder wurden nicht gefragt. Wir reden hier sehr viel über Kinder, aber wir müssen dahin kommen, auch mit den Kin­dern zu spre­chen und vor allem mit ihren Inter­es­sens­ver­tre­te­rinnen und ‑ver­tre­tern.

Hier die Rede zum Ansehen und Zuhören:
https://www.gruene-bundestag.de/parlament/bundestagsreden/kitas-und-rechte-von-kindern

veröffentlicht am 22.06.2020