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27Mai

EEG mutiert zum Kohlebestandsschutzgesetz

Kli­ma­po­li­tiker Fell über sein Kon­zept der „Glo­balen Abküh­lung“

Nicht weniger als das hat er sich vor­ge­nommen: Hans-Josef Fell, bis 2013 MdB der Grünen, Phy­siker und Mit­autor des EEG hat ein Kon­zept ent­wi­ckelt, mit dem gleich­zeitig die Erd­erwärmung gestoppt und die glo­bale Tem­pe­ratur um 2 Grad auf das vor­industrielle Niveau gesenkt werden kann. Mit mas­sivem tech­no­lo­gi­schen Ausbau, mit hohem ren­tier­li­chen Finanz­ein­satz und – unter enga­gierter Betei­li­gung der Bürger. Die bis­he­rigen Klima­schutz­strategien seien geschei­tert, der ark­ti­sche Eis­gürtel schmelze immer schneller, Wetter­extreme ent­wi­ckelten sich mit immer gra­vie­ren­deren Folgen. Not­wendig seien neue Alli­anzen. Ein­ge­laden zum Thema „Die langen Linien der Kli­ma­po­litik – das EEG und das Kon­zept der ‚Glo­balen Abküh­lung‘“ hatte Metro­pol­Solar Rhein-Neckar e.V. in Koope­ra­tion mit S.U.N. e.V. „Uns alle drei eint das Klima­schutz­ziel der kom­pletten Energie­versorgung aus Erneu­er­baren Ener­gien“, so S.U.N.-Vorsitzende Chris­tine Denz in Mos­bach. Fell: „100% für Strom und Wärme sind in 20 Jahren mög­lich.“ Was er umge­hend belegte.

In einem hoch­span­nenden und für die 25 sach­kun­digen Zuhörer hoch­er­mu­ti­genden Vor­trag nahm er diese mit auf eine Reise zu den wich­tigsten tech­ni­schen und poli­ti­schen Pro­jekten für eine glo­bale Ener­gie­wende, der sie mucks­mäuschen­still folgten. „Null­emis­si­ons­stra­tegie“ und „glo­bale Abküh­lung“ (so auch der Titel seines neuen Buches) sind die beiden Säulen des Planes, den der Prä­si­dent der welt­weit agie­renden Energy Watch Group mit vielen anderen ver­folgt. Wei­tere Motoren für die Ent­wick­lung sind Ener­gie­ef­fi­zienz, för­der­liche poli­ti­sche Weichen­stellungen, Investitions­sicherheit, finanz­starke Orga­ni­sa­tionen mit neuer Aus­rich­tung und eine Bevöl­ke­rung, die im Wechsel­spiel mit der Politik die Ent­wick­lung vor­an­treibt und davon auch pro­fi­tiert.

Das kli­ma­zer­stö­rende und geld­fres­sende atomar-fos­sile System muss schnellst­möglich durch Sonne, Wind & Co abge­löst werden. Diese Ener­gie­träger stehen kos­ten­günstig und uner­schöpf­lich zur Ver­fü­gung und ver­ur­sa­chen keine Fol­ge­kosten. Große Solar- und Wind­parks, Bio­masse- und Wasser­kraft­werke lie­fern im Ver­bund mit Spei­chern zuver­lässig rund um die Uhr Energie. Als Bei­spiele von vielen nannte Fell den 3-MW-Kraft­werks­block Belec­tric in Bayern und den energie- und rohstoff­effizienten Spei­cher Z20 BlueSky Energy, der im Herbst auf den Markt kommt.

Fell denkt um. Um Koh­len­stoff aus der Atmo­sphäre zu schaffen, setzt er auf moderne Ent­wick­lungen: „Bio­kohle, auch als terra preta bekannt, wird eine der kom­menden Schlüs­sel­tech­no­lo­gien sein.“ Tex­til­beton komme ohne Stahl und Kli­magas-Emis­sionen aus. Wichtig seien Auf­fors­tungen in großem Stil und der Erhalt der Moore. Die bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft binde CO2 effi­zi­enter im Boden als die kon­ven­tio­nelle; man müsse rasch umstellen. Der viel zu bil­lige und des­halb unwirk­same CO2-Emis­si­ons­handel müsse abge­löst werden durch eine Kohlenstoff­steuer.

Zur aktu­ellen EEG-Debatte befragt, beklagte der Kli­ma­po­li­tiker den Ver­lust von bisher mehr als 80.000 Arbeits­plätzen, vor­wie­gend aus dem Hand­werk und Mit­tel­stand, ver­ur­sacht durch fal­sche poli­ti­sche Weichen­stellungen seit dem Jahr 2011, die die große Koali­tion noch ver­schärfen wolle. „Das EEG för­dert nicht mehr die erneu­er­baren Ener­gien, son­dern wird ein Kohlebestands­schutzgesetz.“ Die erneu­er­baren Ener­gien seien ein „Opfer ihre Erfolges“ und würden sogar noch als „Strom­preis­treiber“ dif­fa­miert. Der Bevöl­ke­rung werde mit der sog. Strom­preis­bremse Sand in die Augen gestreut. Die Absicht dahinter sei durch­sichtig. Das Koh­le­pri­vileg solle geschützt werden, was wie­derum die CO2-Belas­tung in die Höhe treibe – ein nicht akzep­ta­bler Zustand.

In der anschlie­ßenden Dis­kus­sion kri­ti­sierten die Zuhörer u.a. heftig die geplante Abgabe auf eigen­erzeugten und selbst genutzten Strom. Just jetzt, wo die PV-Geste­hungs­kosten mit den Strom­preisen gleich­ziehen. Immer höhere Strom­mengen von Groß­be­trieben würden von der EEG-Abgabe befreit, deren Ersparnis dann die Ver­brau­cher zahlen müssen. Fell rief zum Pro­test bei den Bundestags­abgeordneten auf. Deutsch­land habe seine Vor­macht­stel­lung schon an China abge­geben, dort sei das EEG erfolg­reich auf chi­ne­sisch über­setzt worden. Vom welt­weiten Sie­geszug der Erneu­er­baren zeigte er sich über­zeugt, auch wenn Deutsch­land selber auf Grund der geplanten Pho­to­vol­taik- und Wind-Deckel absehbar zunächst zurück­fallen werde. Der glo­bale Wett­be­werb aber werde sich an den öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Vor­zügen ori­en­tieren. Der Vor­trag von Hans-Josef Fell ist nach­zu­lesen unter www.sun-ev.de.

(Artikel von Chris­tine Denz)

veröffentlicht am 27.05.2014 mit den Schlagwörtern , ,