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27Jul

Abschiedsfeier für Kreisrätin Christine Denz

Fritz Kuhn und Uli Sckerl wür­digten Ver­dienste: Ohne sie wären die Grünen nicht dort, wo sie heute stehen

Eine pri­vate Abschieds­party mit öffent­li­chem Touch gab es am Sonntag für ein „poli­ti­sches Tier“ – so Chris­tine Denz über sich selbst. Die Grünen im Neckar-Oden­wald-Kreis, die sie nahezu 30 Jahre lang mit­ge­prägt hatte, sind ohne ihr Gesicht kaum vor­stellbar. Nun zieht sie nach Braun­schweig und werde wieder zum „Nord­licht“, so Hans-Detlef Ott, Spre­cher des Kreis­vor­stands der Grünen in seiner Begrü­ßung.

Kreis­ver­band und Kreis­tags­frak­tion hatten auf den Hein­richhof nach Obrig­heim ein­ge­laden. Und gekommen waren Freunde und Weg­ge­fährten von Chris­tine Denz, dar­unter auch Uli Sckerl, par­la­men­ta­ri­scher Geschäfts­führer und stv. Frak­ti­ons­vor­sit­zender der Grünen im Landtag, sowie Fritz Kuhn, Stutt­garter Ober­bür­ger­meister. Das Stadt­ober­haupt der Lan­des­haupt­stadt ver­wies auf den sym­bol­träch­tigen Ort und erin­nerte an gemein­same Zeiten des Wider­stands gegen das AKW Obrig­heim. Näch­te­lang habe man in der Diedes­heimer „Krone“ gemeinsam Akten­ordner gewälzt. Für die Son­der­päd­agogin Denz war der Reak­tor­un­fall in Tscher­nobyl der Aus­löser ihres Anti-Atom-Enga­ge­ments gewesen.

Denz, seit 1970 in der Frauen- und Frie­dens­be­we­gung aktiv, wurde 1989 Stadt­rätin der Alter­na­tiven Liste (AL). Ihr hart­nä­ckiger Ein­satz in der Bür­ger­initia­tive „Klä­ger­ge­mein­schaft gegen das KWO“ brachte sie in engen Kon­takt mit der grünen Land­tags­frak­tion. Dazu war sie trei­bende Kraft bei der Grün­dung des Ver­eins „S.U.N. e. V.“, Erfin­derin der Kli­ma­messe in Aglas­ter­hausen und orga­ni­sierte zahl­reiche Ver­an­stal­tungen zum Thema „Erneu­er­bare Ener­gien“. 2004 wurde sie in den Kreistag gewählt. Denz bezog Posi­tion, war gegen den vier­spu­rigen Ausbau der B 27 und den Abriss des alten Bahn­hofs. Sie kämpfte für die Alte Mäl­zerei als Tagungs- und Kul­tur­zen­trum und setzte sich für benach­tei­ligte Schü­le­rinnen und Schüler ein.

Uli Sckerl wür­digte die impo­sante Band­breite ihres Enga­ge­ments, wofür sie „einen inneren Kom­pass und den Glauben an die Gerech­tig­keit“ gebraucht habe. Der Weg­ge­fährte aus Wein­heim bezeich­nete Denz als „Son­nen­kö­nigin in der Metro­pol­re­gion“ in Anspie­lung auf das Jahr 2008, als sie die Gewin­nerin einer Solar­wette wurde. In diesem Glanz hätte sich, so Sckerl, unver­dien­ter­weise auch man­cher Kreis­ver­treter gesonnt, obwohl wegen ihres uner­müd­li­chen Enga­ge­ments allein ihr diese Ehre gebührt hätte. Denz zu ver­ab­schieden, sei für ihn nun ein „sehr bewe­gender Moment“.

Auch OB Kuhn, der von seinem Stab eigent­lich ander­weitig ver­plant worden wäre, hatte sich die Reise nach Obrig­heim nicht nehmen lassen. Der Kampf gegen das AKW Obrig­heim sei eine „prä­gende Zeit“ gewesen, ohne den wäre es nie zum Atom­aus­stieg gekommen. Und noch etwas habe Denz vor Ort gezeigt: „Wenn man aus­steigen will, muss man ein­steigen“, also raus aus Atom und rein in Solar. Dabei sei sie nie eine ein­fache Gesprächs­part­nerin gewesen, habe die Dinge immer klar und prä­zise benannt. Beein­druckt habe Kuhn 1994 ihr moderner Bun­des­tags­wahl­kampf mit dem Slogan „Han­deln statt töp­fern“, gemünzt auf Klaus Töpfer, den dama­ligen Umwelt­mi­nister. Kuhn sprach von einer „Ton­lage“, wie es sie damals im länd­li­chen Raum nicht oft gab. Ohne „Chris­tines“ wie Denz eine sei, wären die Grünen nicht da im Land, wo sie heute stehen.

Zwi­schen den Reden der beiden pro­mi­nenten Grünen defi­lierten sozu­sagen zahl­reiche wei­tere Weg­ge­fähr­tinnen und Weg­ge­fährten – über 20 waren es am Ende – jeweils mit einer Son­nen­blume und einem kurzen State­ment über die Bühne. Dadurch komme das immense Spek­trum von Chris­tines Wirken viel besser zum Aus­druck als durch eine wei­tere Rede, so die lang­jäh­rige Kreis­rats­kol­legin Doro­thee Roos. Sie wies auf die Mos­ba­cher Ener­gie­spar­tage in den 90er-Jahren hin, die man gemeinsam gewuppt habe.

Erin­nert wurde über die zuvor genannten Ver­dienste hinaus an poin­tierte Leser­briefe, an den Wider­stand von Chris­tine Denz gegen den Abriss des Bahn­hofs, ihre Unter­stüt­zung für die Mos­ba­cher Bil­dungs­ge­spräche oder an ihre Man­date in Ener­gie­ge­nos­sen­schaften. Tim Krieger brachte es in Anspie­lung an einen Buch­titel tref­fend auf den Punkt: „Ganz schön anders“ sei sie gewesen, die drei­fache Mutter und Son­der­päd­agogin mit ihren viel­fäl­tigen Akti­vi­täten und Inter­essen, für die sie 2012 die Ver­dienst­me­daille des Landes erhalten hat.

(Artikel von Brun­hild Wössner, Foto von Markus Schwab)

veröffentlicht am 27.07.2017