Weiter zum Inhalt
18Jan

Neujahrsempfang im „Grünerwartungsland“

Volles Haus konnte Kreis­vor­sit­zender Andreas Klaffke im Gast­haus „Schwanen“ beim Neu­jahrs­emp­fang des Kreis­ver­bands von „Bündnis 90/Die Grünen“ am ver­gan­genen Sonntag ver­melden. Eng war es auch für die Hip-Hop-Tänzer von „Jem & Fri­ends“, die Tanz­akro­baten aus Volker Schwen­ders Buchener Vor­zei­ge­pro­jekt beein­druckten enorm. Bevor Klaffke das Wort an Bür­ger­meister Burger gab, erin­nerte er an die Grün­dung der Bun­des­partei vor 40 Jahren in Karls­ruhe: „ich saß mit meinen Eltern vor der Tages­schau und dachte „jetzt hat der Räuber Hot­zen­plotz eine eigene Partei!“ – der war mir schon immer sym­pa­thisch“.

Roland Burger gra­tu­lierte zum beacht­li­chen Besu­cher­zu­spruch beim Emp­fang und betonte, dass man in Stutt­gart zwar gemeinsam unter Grüner Füh­rung regiere, seine CDU in Buchen bei den Kom­mu­nal­wahlen jedoch 53 Pro­zent der Stimmen erzielt habe. Auf ört­li­cher Ebene ver­suche man jen­seits von Par­tei­grenzen gemeinsam gute Politik zu machen, wofür er sich bei den Grünen bedankte.

Fast 30 Jahre nach Dora Flinner habe man end­lich wieder eine eigene Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete kün­digte Klaffke Char­lotte Schnei­de­wind-Hart­nagel an, die seit November den Kreis in Berlin ver­tritt. Die Welt befinde sich in „einer Phase mas­siver Umbrüche“ – als Her­aus­for­de­rungen nannte sie die Kli­ma­krise, die Digi­ta­li­sie­rung, die Glo­ba­li­sie­rung und den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt sowie den gefähr­deten Welt­frieden. Die Zeit dränge. In zehn Jahren müssen man enorme Ver­än­de­rungen stemmen um die Kli­ma­ziele zu errei­chen. „Zugleich müssen wir Rechts­staat und Demo­kratie gegen die Angriffe von rechts ver­tei­digen. Sie sehe den Neckar-Oden­wald-Kreis als „Grüner­war­tungs­land“ ver­brei­tete sie Opti­mismus. Für 2030 schweben ihr „eine grün geführte Bun­des­re­gie­rung, viele grüne Minis­ter­prä­si­denten, grüne Bür­ger­meister im Neckar-Oden­wald-Kreis und ein grün geführtes Land­ratsamt“ vor. „Das ist keine Vision. Das ist ein Ziel. Der Weg beginnt heute!“

Gast­red­nerin Dr. Fran­ziska Brantner, Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete aus Hei­del­berg und Par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rerin, blickte zurück auf ein „ver­lo­renes Jahr­zehnt“ für Deutsch­land. Die Bun­des­re­gie­rung habe es nicht geschafft, die Wei­chen neu zu stellen. Bei den anste­henden dring­li­chen Auf­gaben müsse man die Men­schen mit­nehmen und Mehr­heiten dafür gewinnen. Eine Schlüs­sel­rolle für die Zukunft spiele die Zusam­men­ar­beit als Euro­päi­sche Union, da sei Deutsch­land kei­nes­wegs der Vor­reiter. Man müsse sich die Frage stellen, ob man als Europa inter­na­tional hand­lungs­fä­higer werden wolle, dann müsse sich Deutsch­land klar posi­tio­nieren. Als Bei­spiele nannte sie den USA – Iran – Kon­flikt, die Sank­ti­ons­ver­hän­gung Trumps gegen Nord­stream 2 und im Bereich der Digi­ta­li­sie­rung eine dro­hende Abhän­gig­keit von China. Das sei eine zen­trale Frage der Sou­ve­rä­nität sagte Brantner. „Wir können die Chi­nesen mit unseren Gesetzen nicht kon­trol­lieren.“ Daher sollte man beim 5G-Netz mit den euro­päi­schen Unter­nehmen Nokia und Eriksson zusam­men­ar­beiten und in eine euro­päi­sche Lösung inves­tieren.

Amelie Pfeiffer, Buchener Kreis­rätin Ko-Vor­sit­zende der Bündnis-Grünen im NOK, freute sich über neu gewon­nene Man­date bei den Kom­mu­nal­wahlen und neue Mit­glieder. „Wir haben eine tolle Jugend, auf die wir bauen können“, das sehe man an den Hip­Hop­pern und der Grünen Jugend. Sie erin­nerte an den zeitlos gül­tigen Grün­dungs-Slogan der Grünen: „Wir haben die Erde von unseren Kin­dern geborgt.“

Zur Politik im Land­kreis merkte sie an: „Wir dok­tern im Kreis an einer schwarz geprägten Bun­des­po­litik herum“, bei­spiel­haft nannte sie die defi­zi­tären Neckar-Oden­wald-Kli­niken. Als Kreis­rätin müsse sie unter Finanz­ge­sichts­punkten der Umstruk­tu­rie­rung der Kli­niken mit nur noch einer Geburts­hil­fe­sta­tion in Buchen zustimmen. Als grüne Poli­ti­kerin und Frau frage sie sich: „Warum muss eine wohn­ort­nahe Geburts­hilfe wirt­schaft­lich sein?“

Bei der Müll­ent­sor­gung freute sie sich über die große Nach­frage für die Bio­tonne. Mit dieser könne man die Hälfte des Rest­mülls ver­meiden. Der Land­kreis habe sich lange gegen deren Ein­füh­rung gewehrt. „Leute, bestellt die Bio­tonne“, for­derte Pfeiffer. Sie strebe die Ein­füh­rung einer Lee­rungs­ge­bühr für die Tonnen an damit sich aktives Müll­ver­meiden lohne. Als Kreis­rätin müsse sie dem Abfall­ver­wer­tungs­kon­zept des Kreises zustimmen. Als grüne Poli­ti­kerin wünschte sie sich, dass Wirt­schafts­wachstum und Res­sour­cen­ver­brauch ent­kop­pelt würden. „Wir Grüne sind Vor­denker“ schloss sie.

Zu Klängen des Saxo­pho­nisten Rainer Schulz ent­wi­ckelten sich zahl­reiche Gespräche zwi­schen „Alt-Grünen“ und neuen Inter­es­sierten.

Klaus Brauch-Dylla

veröffentlicht am 18.01.2020