Weiter zum Inhalt
06Jun

„Fair Trade Landkreis“ – Rede von Amelie Pfeiffer am 13.05.2020 im Kreistag

Sehr geehrter Roland Burger, liebe Kol­le­ginnen und Kol­legen, liebe Gäste,

als Buchen 2013 als Fair-Trade-Town aner­kannt wurde, war ich sehr stolz, dass auch (m)eine Stadt sich nicht nur als reine Ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­tion sieht, son­dern auch einen ethi­schen Aspekt im gesell­schaft­li­chen Zusam­men­leben auf­ge­griffen und umge­setzt hat. Mit dem Bei­tritt zur Fairtrade-Initia­tive wurde auch der jah­re­lange Ein­satz der uner­müd­lich aktiven Ehren­amt­li­chen des Welt­la­dens für eine fai­rere Welt gewür­digt!

Dass sich nun ins­be­son­dere einige Schulen auf den Weg gemacht haben und sich zer­ti­fi­zieren ließen, zeigt, dass es der jungen Genera­tion in einer glo­ba­li­sierten Welt zuneh­mend ein Anliegen ist, Fair­ness, Gleich­be­rech­ti­gung und nach­hal­tige Ent­wick­lung auf der Welt vor­an­zu­bringen. Nicht erst die Corona Krise, son­dern auch die Kli­ma­krise, das Arten­sterben, die Flücht­lings­ströme machen deut­lich, dass wir von den Her­aus­for­de­rungen unserer Zeit gemeinsam betroffen sind.

Das Reform­kon­zept 2030 des Ent­wick­lungs­hil­fe­mi­nis­te­riums sieht es übri­gens als wich­tiges Ziel an, den fairen Handel zu ermög­li­chen und setzt sich dafür ein, dass soziale und öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keits­stan­dards in glo­balen Lie­fer­ketten und in allen EU-Frei­han­dels­ab­kommen zu ver­an­kern und durch­zu­setzen sind! Hier ist die Gefahr wei­terer Flücht­lings­ströme auf­grund kata­stro­phaler wirt­schaft­li­cher Bedin­gungen, v.a. aus Afrika bereits erkannt und die Unmög­lich­keit der Auf­recht­erhal­tung der kata­stro­phalen Arbeits­be­din­gungen der Tex­til­ar­bei­te­rInnen in Indien und Ban­gla­desch, um nur einige zu nennen erkannt!

Solange es uns das aber nicht gelingt, faire Wirt­schafts­be­zie­hungen zu den ärmsten Län­dern dieser Welt zu ermög­li­chen, der Markt­zu­gang für Pro­dukte aus diesen Län­dern in die EU so gut wie unmög­lich ist, kann der über Fairtrade zer­ti­fi­zierte Handel einen wesent­li­chen Bei­trag für eine Ver­bes­se­rung der  öko­no­mi­schen, sozialen und öko­lo­gi­schen Situa­tion vieler Men­schen aus diesen Län­dern leisten.

€ 350 Mil­lionen geben öffent­liche Stellen in Deutsch­land für die Beschaf­fung von Dienst­leis­tungen und Pro­dukten jähr­lich aus. Diese Markt­macht kann dazu genutzt werden, faire Lebens­be­din­gungen für Bäue­rInnen und Arbei­te­rinnen welt­weit – aber auch vor Ort – zu för­dern.

Die nach­hal­tige Beschaf­fung und lang­fris­tige Ver­an­ke­rung des fairen Han­dels in Land­kreisen, Städten und Kom­munen dient auch als Vor­bild­funk­tion und sen­si­bi­li­siert seine Bür­ge­rinnen und Bürger, sich dem anzu­schließen. Letz­tens konnten wir in der RNZ lesen, dass 2019 die 2 Mil­li­arden Euro Marke an Fair trade Waren über­schritten wurde, Ver­brau­cher in Deutsch­land 2019 im Durch­schnitt € 25,00 für fair trade Pro­dukte aus­gaben, das ist sicher noch zu toppen! Gerade wäh­rend der Corona-Krise ist die Wirt­schaft und Gesund­heits­si­tua­tion in vielen Län­dern sehr fragil, da kann jede Unter­stüt­zung helfen!

Die 17 nach­hal­tigen Ent­wick­lungs­ziele der Ver­einten Nationen, auf die man sich 2015 geei­nigt hat, gelten welt­weit, also auch bei uns!  Nach­hal­tiger Konsum, Kli­ma­schutz sowie Gesund­heit und Wohl­ergehen gilt auch für uns vor Ort. Auch unsere Bauern und Bäue­rinnen aber auch Ange­stellte und Arbei­te­rInnen brau­chen faire Bedin­gungen, um ein aus­rei­chendes Ein­kommen zu erzielen und dabei die Nach­hal­tig­keits­ziele erfüllen zu können.

Fair trade beinhaltet auch, dass gen­tech­nik­frei pro­du­ziert wird. Der Ein­satz von gen­ma­ni­pu­liertem Saatgut führt zu großer Abhän­gig­keit zu Indus­trie­un­ter­nehmen, vor allem in Nord- und Süd­ame­rika wird mit gesund­heits­schä­di­genden Mengen an Pflan­zen­schutz­mit­teln gear­beitet, daher steht der Ein­satz der GVO s den Nach­hal­tig­keits­zielen klar ent­gegen. Ich darf kurz erwähnen, dass Buchen auch gen­tech­nik­freie Stadt ist, das bedeutet zunächst, dass laut Pacht­ver­trägen auf den Fel­dern im städ­ti­schen Besitz keine GVO s ange­baut werden dürfen.

Über den Runden Tisch gvo freier Neckar-Oden­wald-Kreis gibt es einen breit ange­legten Kon­sens, bei uns keine gen­tech­nisch ver­än­derten Pflanzen anzu­bauen. Der­zeit gibt es auch bun­des­weit keine zuge­las­senen Pflanzen.

Wichtig wäre zur Errei­chung der Nach­hal­tig­keits­ziele, dass auch über den Ein­satz gen­tech­nisch ver­än­derter Fut­ter­mittel nach­ge­dacht wird, der Anbau von gen­tech­nisch ver­än­dertem Soja in Bra­si­lien führt zu enormen Regen­wald­ab­hol­zung. Nur über eine klare Kenn­zeich­nung wäre es dem Ver­brau­cher über­haupt mög­lich, auf Lebens­mittel, die mit GVO erzeugt wurden, zu ver­zichten. Nur wer zu Bio­pro­dukten greift, kann sicher sein, dass keine Gen­technik drin­steckt.

Wir begrüßen daher aus­drück­lich die geplante Ver­knüp­fung des Fairtrade Han­dels mit der För­de­rung des Bio­an­baus durch die Bio­mus­ter­re­gion und der Regio­nal­ver­mark­tung.

Es muss und aber auch klar sein, dass das nicht zum Null­tarif mög­lich sein wird, „Geiz ist geil“ muss der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Qua­lität und Wissen um die Her­stel­lung eines Pro­duktes muss in den Vor­der­grund gerückt werden. Trotz der auf uns zukom­menden wirt­schaft­lich schwie­rigen Lage, muss klar sein, dass es in vielen Gesell­schaften noch viel schlimmer aus­sieht. Lassen Sie uns also den schönen Worten nun auch unbe­dingt Taten folgen und stellen die Beschaf­fung im Land­kreis auf fair gehan­delte oder regio­nale Pro­dukte um!

Wir stimmen dem Beschluss zu.

veröffentlicht am 06.06.2020