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15Jul

Leserbrief: Befindlichkeiten schlagen Fakten

Leserbrief zum RNZ-Artikel
Landrat Brötel verweigert die Deponierung in Buchen
(alternative Version)

Landrat Brötel bittet die AWN, die Annahme freigemessener Abfälle aus dem KWO abzulehnen, obwohl sie laut Gesetz dazu verpflichtet wäre. Erstaunlich wie der Jurist Brötel sich hier als Outlaw geriert. Nun da die Spätfolgen der vermeintlich billigen und sicheren Atomenergie offensichtlich werden, wird selbst der Landrat plötzlich zum Atomgegner?

Das ist unglaubwürdig. Denn er hatte – ebenso wie seine Partei und die Mehrheit der Bevölkerung – bei dem jahrzehntelangen Betrieb des KWOs keinerlei Bedenken, obwohl dieser für die Menschen im Landkreis um Welten riskanter war als die nun abgelehnte Deponierung.

Mit seiner 180-Grad-Wende folgt der Landrat „subjektiven Befindlichkeiten“ in Teilen der Bevölkerung und gibt ihnen sogar noch neue Nahrung, anstatt mit kühlem Kopf und Verweis auf Wissenschaft und Fakten einen Beitrag zur Aufklärung zu leisten.

Dabei beruft er sich auf die Ärztekammer, die bei diesem Thema selbst uneins ist. Offenkundig bewegt sie sich hierbei nicht auf ihrem Fachgebiet und sollte vor der eigenen Türe kehren: In Deutschland werden viele unnötige Röntgen- und CT-Untersuchungen durchgeführt, dabei treten Belastungen von bis zu mehreren 1000 Mikrosievert auf. Zum Vergleich: Selbst ein Deponiearbeiter wäre durch den Bauschutt jährlich maximal 10 Mikrosievert ausgesetzt.

Wie sollen wir die Entsorgung des wirklich gefährlichen hochradioaktiven Mülls lösen, wenn sich Politiker wie Landrat Brötel bereits beim freigemessenen Bauschutt von der Wissenschaft verabschieden und dem Populismus hingeben?

veröffentlicht am 15.07.2017 mit den Schlagwörtern , ,