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17Jan

Leserbrief: Strom wurde sauberer, Energie dreckiger

Die Studie der Agora Ener­gie­wende über­raschte mit der erfreu­li­chen Nach­richt, dass die CO2 Ein­spa­rung 2019 auf 35% ange­stiegen ist. Was leider etwas unter­geht, sind die kon­kreten Ursa­chen für die deut­liche Ver­bes­se­rung gegen­über 2018, die in der Studie selbst erläu­tert sind:

1) Deut­lich höhere erneu­er­bare Ener­gien Erzeu­gung: 2018 und 2019 ist der Ausbau der Wind­energie stark ein­ge­bro­chen, somit liegt die instal­lierte Leis­tung Ende 2019 nur etwa 3% über dem Wert von 2018. Gleich­zeitig ist der Ertrag aber um 14% gestiegen, die deut­lich höhere Erzeu­gung von 16TWh ist also vor allem auf das Wetter zurück­zu­führen.

2) Deut­liche Ver­rin­ge­rung des Gas­preises bei gleich­zei­tigem Anstieg des ETS-Preis (CO2-Zer­ti­fi­ka­te­handel). Durch diese Ver­schie­bung wurde Strom aus Gas­kraft­werken regel­mäßig güns­tiger als Strom aus Stein- oder auch Braun­koh­le­kraft­werken. Bei gleich­blei­bender instal­lierter Leis­tung ist die Erzeu­gung aus Gas um 10TWh gestiegen und bei Braun- und Stein­kohle um 54TWh gefallen. Ins­ge­samt ist die Strom­pro­duk­tion um 30TWh zurück­ge­gangen und damit wären wir beim dritten Punkt.

3) Da auch im euro­päi­schen Aus­land der Gas­preis zurück­ge­gangen ist wurde mehr Strom im Aus­land lokal in Gas­kraft­werken pro­du­ziert und wurde ent­spre­chend weniger Koh­le­strom aus Deutsch­land ein­ge­kauft. Der Export­über­schuss der deut­schen Strom­wirt­schaft hat sich etwa hal­biert.

Es muss des­halb fest­ge­halten werden, dass keine der drei Haupt­ur­sa­chen auf die Politik der Bun­des­re­gie­rungen in den letzten 14 Jahren zurück­geht. Ledig­lich der Anstieg des ETS-Preises geht auf die Politik zurück, aber auf die des EU-Par­la­ments, vielen Dank nach Brüssel. Da das Wetter auch mal wind-ärmer aus­fallen und der Gas­preis auch wieder steigen kann, muss Deutsch­land end­lich auf einen Aus­baupfad für die Erneu­er­baren Ener­gie­träger zurück­kehren, der auch zum Kli­ma­ziel 1,5°C passt. Deutsch­land benö­tigt etwa das 5-Fache der heu­tigen erneu­er­baren Pro­duk­tion und muss diese Kapa­zität so schnell wie mög­lich, spä­tes­tens bis 2035, auf­bauen. Dafür benö­tigen wir einen Ausbau von ca. 10GW Wind und 10GW Solar pro Jahr. Dass die Indus­trie das könnte hat sie in der Ver­gan­gen­heit schon gezeigt.

Thomas Schaupp

veröffentlicht am 17.01.2020