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27Okt

Hand in Hand die „gute Stimmung“ erhalten

Besuch von und Debatte mit dem Land­tags­ab­ge­ord­neten Daniel Lede Abal zur Lage der Asyl­be­werber im Neckar-Oden­wald-Kreis

Knapp 500 Flücht­linge beher­bergt der Neckar-Oden­wald-Kreis aktuell. Kon­kret: 362 Asyl­be­werber und 135 Gedul­dete. Mit diesen Zahlen stieg Kreis­rätin Chris­tine Denz in einen Infor­ma­tions- und Dis­kus­si­ons­abend ein, der den Abschluss eines Besuchs bil­dete, den der grüne Land­tags­ab­ge­ord­nete Daniel Lede Abal dem NOK abge­stattet hatte. Lede Abal ist der inte­gra­ti­ons­po­li­ti­sche Spre­cher der grünen Land­tags­frak­tion in Stutt­gart; ein­ge­laden hatte die grüne Kreis­tags­frak­tion. Gemeinsam hatte man das Kinder- und Jugend­dorf Klinge in Seckach und das Haus am Wald der Johannes-Dia­konie in Mos­bach besucht. Als wesent­li­ches Ziel war das „Ken­nen­lernen der hie­sigen Situa­tion der Asyl­be­werber“ for­mu­liert worden.

Dass die Rei­senden zur öffent­li­chen Ver­an­stal­tung am Abend im Mos­ba­cher Hotel Lamm erst in letzter Minute erschienen, zeigte, dass man sich vor Ort Zeit genommen hatte. Nach Kreis­rätin Doro­thee Roos‘ Worten Zeit für inten­sive Gespräche mit den Betrof­fenen: Flücht­linge, frei­wil­lige Helfer, Päd­agogen, Nach­barn, Ver­treter der Land­kreis­ver­wal­tung und Wohl­fahrts­ver­bände. Nicht weniger intensiv ver­liefen die gut zwei Stunden des Aus­tau­sches, die Lede Abal mit einigen aktu­ellen Infor­ma­tionen zur Asyl­po­litik des Bundes, des Landes und der Grünen ein­lei­tete. Ganz an den Anfang aber stellte er ein Lob. „Ich konnte hier sehen, wie Flücht­lings­un­ter­brin­gung gut gemacht wird“, spielte er vor allem auf den Arbeits­kreis Asyl (AK) an, der die mitt­ler­weile in Mos­bach lebenden 40 Männer ehren­amt­lich betreut. Aus diesem Kreis waren einige Aktive ins Lamm gekommen. Auch Chris­tine Denz machte dank des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments und „einer guten Presse“ aus, dass es gelungen sei, eine gute Stim­mung zu schaffen.

Rund 26.000 Men­schen werden bis Ende 2014 in Baden-Würt­tem­berg Zuflucht erhalten. Die Auf­nah­me­quote des NOK, führte Lede Abal aus, betrage – gemessen an der Land­kreis­be­völ­ke­rung – 1,4 Pro­zent. Sein Credo: „Huma­nität hat Vor­rang.“ Land und Kom­munen müssten gemein­same Anstren­gungen unter­nehmen, um die Flücht­lings­auf­nahme und -unter­brin­gung zu meis­tern. „Die Lan­des­re­gie­rung unter­stützt die Kreise und Kom­munen mit ins­ge­samt 30 Mil­lionen Euro in den nächsten beiden Jahren.“

Dass im Publikum einige waren, die mit der Asyl­pro­ble­matik (zumeist wegen ihres ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments) sehr ver­traut sind, zeigten sowohl kon­krete Fragen wie kom­pe­tente Anmer­kungen. Jean­nette Bell setzt sich für die Flücht­linge im Arbeits­kreis Asyl ein. „Die Männer im Haus am Wald fragen mich dau­ernd ‚Wann kann meine Familie nach­kommen?‘ Was sage ich denen?“ Daniel Lede Abal konnte dazu leider nicht viel sagen, weil Fami­li­en­zuzug Bun­des­sache sei. „Am ehesten errei­chen sie was, wenn diese Leute Asyl erlangen.“ Dass das, was danach kommt – Anschluss­un­ter­brin­gung, ein neues Leben in einem neuen Land –, wie­derum mit ganz eigener (Wohn)problematik behaftet ist, auch das kam zur Sprache.

Amelie Pfeiffer aus Buchen-Bödi­g­heim macht sich stark für die Sprach­för­de­rung von Asyl­be­wer­bern. Doch die vom Bun­desamt für Migra­tion und Flücht­linge ange­bo­tenen Sprach­kurse setzten erst ein, wenn das Asyl­ver­fahren abge­schlossen sei. „Dabei“, so Pfeiffer, „brau­chen die Men­schen jetzt die Sprach­kennt­nisse. Da werden Chancen vertan.“ Die Sprach­för­de­rung im Haus am Wald, wusste AK-Leiter Richard Lal­lathin, werde täg­lich zwei Stunden lang durch drei ehren­amt­lich aktive Frauen gewähr­leistet. „Der Land­kreis betei­ligt sich daran, indem er Sach­kosten und Bücher erstattet.“ Mit Lede Abal und vielen anderen an diesem Abend war er sich einig, dass (nicht nur) den Flücht­lingen am besten zu helfen sei, wenn die Akteure aus Land, Kreisen, Kom­munen, Kir­chen und Zivil­ge­sell­schaft Hand in Hand arbei­teten. Lal­lathin, der die „Best Prac­tice-Erfah­rungen“ seines Arbeits­kreises nur einen Tag später in die Klau­sur­ta­gung der Bür­ger­meister der Region trug, griff ein Wort Lede Abals auf: „Es ist unsere hohe Ver­ant­wor­tung für Huma­nität.“

(Artikel von Ulla Brink­mann)

veröffentlicht am 27.10.2014 mit den Schlagwörtern