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12Mrz

Wald Opfer des Klimawandels – Prekäre Situation

Zur Kreis­mit­glie­der­ver­samm­lung in Adels­heim begrüßten Amelie Pfeiffer und Andreas Klaffke, die Vor­sit­zenden der Kreis-Grünen, beson­ders den Refe­renten Dieter Hell­mann und Bür­ger­meister Wolfram Bern­hardt im Gast­haus Alessia.

Wolfram Bern­hardt freute sich über die Gele­gen­heit zu einem Gruß­wort und stellte die Stadt Adels­heim kurz vor. Der im Juni ver­gan­genen Jahres gewählte Bern­hardt schil­derte mit Erleb­nissen aus seinem auf Kom­mu­ni­ka­tion und Dialog set­zenden Wahl­kampf die Sinn­haf­tig­keit der öffent­li­chen Dis­kus­sion, um nicht nur in eigenen Über­zeu­gungs­gruppen ste­cken zu bleiben. Aktuell sei die Ver­schul­dung der Stadt in Folge des Hal­len­baus in einem Maße ange­stiegen, dass nahezu kein Raum für Frei­wil­lig­keits­leis­tungen mehr bleibe und lieb­ge­won­nene Zuschüsse für wert­volle Ange­bote, auch in der Kultur, gestri­chen werden müssen. Das sei bitter und führe zu Ent­täu­schungen, doch der trans­pa­rente Umgang wecke auch bür­ger­schaft­li­ches Enga­ge­ment und pri­vate Initia­tive, was ihn hoff­nungs­voll stimme.

Forst­di­rektor Dieter Hell­mann prä­sen­tierte zum The­men­schwer­punkt „Wald im Kli­ma­wandel“ große Fak­ten­kenntnis und zeich­nete ein dras­ti­sches Bild der Schäden und der Her­aus­for­de­rungen im Wald. Für den Fach­mann steht außer Frage: „der Kli­ma­wandel ist Fakt!“ und habe gra­vie­rende, teils kata­stro­phale Folgen, auch im Neckar-Oden­wald-Kreis.

Aktuell herr­sche eine extreme Wald­schutz­si­tua­tion im hei­mi­schen Wald, gekenn­zeichnet durch aus­ge­trock­nete Böden und enorm viel Käfer­holz, das Ausmaß der Schä­di­gung sei enorm. Begüns­tigt durch die milden Winter blieben viele Bor­ken­käfer am Leben, die tro­ckene, heiße Wit­te­rung in 2018 sorgte für eine hohe Bor­ken­käfer-Aus­gangs­po­pu­la­tion mit extremem Ver­meh­rungs­po­ten­tial. Aus dem Befall eines Baumes werde im Laufe eines Som­mers bei drei Genera­tionen und warmen Tem­pe­ra­turen der Befall von 8000 Bäumen mög­lich. Daher sei es extrem wichtig, dass im Früh­ling die Über­win­te­rungs­bäume des Bor­ken­kä­fers geschlagen werden. Ein Pro­blem für Pri­vat­wald­be­sitzer, die gar nicht die Kapa­zi­täten hätten wie im Staats- und Gemein­de­wald den Bor­ken­käfer recht­zeitig anzu­gehen. Im Jahr 2020 sei mit dem Höhe­punkt der Bor­ken­kä­fer­po­pu­la­tion zu rechnen.

Dür­re­schäden seien im gesamten Wald zu finden, der Groß­teil des Fich­ten­be­standes sei aktuell abge­storben. Die Fichten, die bisher über­lebt haben, zeigen über­wie­gend Schäden an den Wur­zeln, was die Was­ser­auf­nahme erschwere. Auch die Buche gehe geschwächt aus den Hit­ze­jahren hervor. Die dünne Rinde sei ihr Schwach­punkt bei hoher Son­nen­ein­strah­lung: die Rinde platze auf, die Eiweiße unter der Rinde würden zer­stört und damit auch der ganze Baum. Bei der Eiche seien ebenso ver­mehrt Schäden zu beob­achten, die aller­dings stärker auf Insekten wie Eichen­pro­zes­si­ons­spinner und Schwamm­spinner zurück­gingen, die ihr zusetzten. Diese Insekten wie­derum liebten die Wärme und fänden durch die Erwär­mung gute Bedin­gungen vor. Und Ahorn als auch die Esche seien durch Pilz­krank­heiten geschwächt, bzw. große Flä­chen abge­storben.

Düster dann auch der Blick auf die öko­no­mi­schen Folgen, den die anwe­senden grünen Kommunalpolitiker*innen mit Hell­mann, selbst CDU-Gemein­derat, teilten. Bereits 2018 sei der Holz­markt durch ein Über­an­gebot an Sturm- und Käfer­holz zusam­men­ge­bro­chen. 2019 seien in Europa wei­tere 100 Mil­lionen Fest­meter Schad­holz hin­zu­ge­kommen (im NOK 140.000 FM), eine Menge die weder abtrans­por­tiert noch ver­ar­beitet werden könne. In der Folge sei ein Ein­schlag­stop im Staats- und Gemein­de­wald ergangen, um den Holz­markt nicht weiter zu über­schwemmen. Die ein­her­ge­henden Ein­nah­me­ver­luste haben aus dem Wald als „Spar­kasse der Gemeinden“ ein Zuschuss­ge­schäft für die Kom­mu­nal­haus­halte werden lassen.

Gerade habe sich der Holz­markt Anfang 2020 etwas sta­bi­li­siert, als durch Sturm­tief Sabine die Situa­tion wieder deut­lich ver­schlech­tert habe.

Zur Situa­tion der Wälder im Bau­land konnte Förster Björn Mai als regio­naler Sach­kun­diger nichts Tröst­li­ches berichten, auch in den Pri­vat­wäl­dern sei die Situa­tion glei­cher­maßen dra­ma­tisch.

Resü­mie­rend sah Hell­mann für die Forst­wirt­schaft bzgl. der Ver­än­de­rungen im Wald mehr offene Fragen als Ant­worten. Es werde ver­mehrt feuchte Früh­jahre und tro­ckene Sommer bei uns geben. „Diese Ver­än­de­rung werden Fichten und Buchen nicht über­leben“, selbst Kie­fern und Dou­gla­sien, die eigent­lich eine hohe Tro­cken-Tole­ranz auf­weisen, hielten nicht alles aus. Eiche, Spit­zahorn, Els­beere, Spei­er­ling oder auch Wild­obst könnten mit diesem Klima besser aus­kommen. Auch Exoten wie Zer­reiche, Atlas­zeder oder Unga­ri­sche Eiche könnten sich für den Wald der Zukunft eigenen. Im Moment würden Ver­suchs­flä­chen ange­legt, um bes­sere Daten und Infor­ma­tionen zu erhalten.

Ca. 14% des gesamten CO2-Aus­stoßes der BRD würden durch die Wald­be­wirt­schaf­tung gebunden. Doch werden Wälder zu Co2 – Quellen, wenn sie absterben. Es müsste ver­stärkt auf­ge­forstet werden, doch gebe es kaum Flä­chen dafür, es sei keine Option, den Wald sich selbst zu über­lassen. Der Wald leiste einen wich­tigen Bei­trag zum Kli­ma­schutz doch Wald­be­wirt­schaf­tung alleine reiche nicht, lau­tete sein Fazit. Es brauche auch aktive Kli­ma­schutz­po­litik und jede/r ein­zelne müsse sein Han­deln über­denken.

Klaffke und Pfeiffer dankten dem Refe­renten für seinen hoch­kom­pe­tenten Vor­trag und sahen die GRÜNEN in ihren die bis­he­rigen Kli­ma­be­schlüsse deut­lich über­tref­fenden For­de­rungen bestä­tigt.

Im wei­teren Fort­gang der Kreis­mit­glie­der­ver­samm­lung stellte sich Tanja Will als neue Lei­terin der Geschäfts­stelle des Kreis­ver­bandes den Mit­glie­dern vor. Mit ihr hoffe man die Arbeit noch inten­si­vieren zu können. Auch berich­teten die Vor­stands­mit­glieder vom breiten The­men­spek­trum in der Vor­stands­ar­beit, wo Ver­kehrs­po­litik, ins­be­son­dere Ver­bes­se­rungen im Rad­ver­kehr und im Nah­ver­kehr der Bahn im Blick seien. Kran­ken­haus­wesen und Gesund­heits­po­litik nehme aktuell großen Umfang ein, wes­halb der anste­hende Besuch von Sozi­al­mi­nister Lucha am Mitt­woch, dem 18.03. um 18.30 Uhr in der Alten Mäl­zerei in Mos­bach mit Span­nung erwartet werde(VERANSTALTUNG ABGESAGT) Auch eine Arbeits­gruppe zur „G 5 – Pro­ble­matik“ sei ein­ge­setzt worden. Mit einem Ver­an­stal­tungs­aus­blick auf den Work­shop zur Grund­satz­dis­kus­sion am 05.04. mit MdB Fran­ziska Brantner und die Nomi­nie­rung zur Land­tags­wahl am 14. Mai endete die Ver­samm­lung.

veröffentlicht am 12.03.2020