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08Mai

Kinderkommission: Bedürfnisse und Rechte von Kindern in der Corona-Pandemie nicht aus dem Blick verlieren – Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdB

Die Kin­der­kom­mis­sion des Deut­schen Bun­des­tages mahnt, die Bedürf­nisse und die in der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­tion ver­brieften Rechte von Kin­dern in der Corona-Pan­demie nicht aus dem Blick zu ver­lieren und erklärt hierzu:

Jede poli­ti­sche Ent­schei­dung über Maß­nahmen zur Bekämp­fung der Corona-Pan­demie muss letzt­lich mit einem Ziel­kon­flikt zwi­schen Schutz der Gesund­heit, Wah­rung per­sön­li­cher Frei­heiten und Folgen für die öko­no­mi­sche Ent­wick­lung umgehen. Dabei muss der Blick auch auf die Kinder gerichtet werden.

Kinder haben einen Anspruch auf soziale Kon­takte, früh­kind­liche und schu­li­sche Bil­dung. Von Mitte März bis Anfang Mai waren Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tungen, Schulen sowie Spiel- und Sport­plätze wei­test­ge­hend geschlossen und Ver­ein­s­an­ge­bote gestri­chen. Kinder konnten kaum per­sön­liche Bezie­hungen zu Freunden und engen Ver­wandten unter­halten. Diese Situa­tion kann nur in einem abso­luten Aus­nah­me­zu­stand gerecht­fer­tigt werden.

Fami­lien mit Kin­dern sind ange­sichts der Corona-bedingten Ein­schrän­kungen beson­ders belastet. Eltern müssen neben der Arbeit in Beruf und Haus­halt das feh­lende Betreu­ungs-, Bil­dungs- und Frei­zeit­an­gebot ersetzen und sind ange­sichts der Krise nicht selten mit wirt­schaft­li­chen Unsi­cher­heiten kon­fron­tiert. Gerade für Allein­er­zie­hende bedeutet diese Situa­tion eine gewal­tige Belas­tung.

Für Kinder aus sozial schwa­chen und bil­dungs­fernen Fami­lien wirken sich die feh­lenden Bil­dungs­chancen bei einer länger andau­ernden Schlie­ßung von Schulen und Kin­der­gärten lang­fristig beson­ders negativ aus. Fami­lien mit Kin­dern, die auf­grund von kör­per­li­chen oder geis­tigen Behin­de­rungen im Alltag beson­dere Unter­stüt­zung benö­tigen, sind auf funk­tio­nie­rende Struk­turen sowohl bei Behörden als auch im Gesund­heits- und Sozi­al­sektor ange­wiesen.

Die Folgen des Shut­downs für Kinder, die in einem häus­li­chen Umfeld auf­wachsen, in dem Alko­ho­lismus, Gewalt oder Miss­brauch eine Rolle spielen, sind sehr besorg­nis­er­re­gend. Hier fehlen Aus­weich- und Flucht­mög­lich­keiten. Gleich­zeitig sind Hilfs­an­ge­bote ange­sichts der Corona-Maß­nahmen vie­ler­orts nur ein­ge­schränkt zugäng­lich.

Die Kin­der­kom­mis­sion begrüßt grund­sätz­lich die Maß­nahmen, die unter anderem die Jugend- und Fami­li­en­mi­nis­ter­kon­fe­renz und die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz sowie die Kon­fe­renz der Minis­ter­prä­si­denten und der Bun­des­kanz­lerin mit Blick auf die schritt­weise Öff­nung von Bil­dungs- und Betreu­ungs­an­ge­boten in die Wege geleitet haben.

Die Kin­der­kom­mis­sion unter­streicht, dass es nach einer begrenzten Über­gangs­zeit einer echten Per­spek­tive für Kinder und Fami­lien bedarf, wann und wie Betreu­ungs­ein­rich­tungen, Schulen, außer­schu­li­sche und sons­tige Ange­bote einen regel­mä­ßigen Betrieb wieder auf­nehmen können. Dabei muss umsichtig, schritt­weise, dif­fe­ren­ziert und kreativ vor­ge­gangen werden. Es muss akzep­tiert werden, dass gerade kleine Kinder – bei aller Bereit­schaft – oft nicht in der Lage sind, Abstands- und Hygie­ne­re­geln ein­zu­halten.

veröffentlicht am 08.05.2020