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21Sep

Nicht alle profitieren vom Pflegestärkungsgesetz II

Im Rahmen ihrer Infor­ma­ti­ons­be­suche besuchten in diesen Tagen die Kreis­rä­tinnen Simone Heitz und Gabriele Metzger von der Frak­tion Bündnis 90/Die Grünen die Haus­ge­mein­schaft der Arbei­ter­wohl­fahrt Neckar-Oden­wald in Elztal-Dallau.

Die Kreis­rä­tinnen wurden von der AWO-Aufsichts­rats­vor­sit­zenden Gabriele Teich­mann und von AWO-Geschäfts­führer Peter Maurus empfangen. Auf dem Programm stand die Besich­ti­gung des Hauses, ein Gedan­ken­aus­tausch über das neue Haus­ge­mein­schafts­kon­zept und die ersten Erfah­rungen mit dem neuen Pfle­ge­stär­kungs­ge­setz II.

Das Haus verfügt über fünf Haus­ge­mein­schaften mit je zwölf Bewoh­nern. Mittel­punkt für die Bewohner ist die Küche mit dem ange­schlos­senen Essraum und dem daneben liegenden Gemein­schafts­raum. „Hier ist der Treff­punkt, hier pulsiert das Leben“, sagte Gabriele Teich­mann. „Die Bewoh­ne­rinnen und Bewohner bleiben hier nicht einsam in ihren Zimmern, sondern gestalten ihren Alltag gemeinsam.“ Auch die großen Außen­be­reiche, die als Terrasse oder Loggia gestaltet sind, haben sich sowohl bei Hitze als auch bei Regen bestens bewährt. Die fünfte Haus­ge­mein­schaft wird aktuell belegt, seit Eröff­nung des Hauses im Mai 2016 gab es über 120 Einzüge, vor allem als Kurz­zeit­pfle­ge­be­suche. „Die Bewohner fühlen sich sehr wohl, wir haben eine sehr gute Reso­nanz“, sagte Geschäfts­führer Peter Maurus. Diesen Eindruck bestä­tigte Gabriele Metzger aus eigener Anschauung.

Peter Maurus berich­tete außerdem über die Auswir­kungen des Pfle­ge­stär­kungs­ge­setzes II auf die Bewoh­ne­rinnen und Bewohner der AWO-Pfle­ge­ein­rich­tungen im Neckar-Oden­wald-Kreis. Die Umstel­lung und Umrech­nungen von Pfle­ge­stufen auf Pfle­ge­grade hätten in den meisten Fällen reibungslos geklappt, so der Geschäfts­führer. Nur die Barmer GEK habe ihre Versi­cherten mit „falschen Bescheiden“ zur einge­schränkten Alltags­kom­pe­tenz sehr verun­si­chert und gleich­zeitig für einen sehr hohen büro­kra­ti­schen Aufwand wegen der doppelten Abrech­nungen gesorgt. Bei Neuein­stu­fungen gab es zu Beginn teil­weise erheb­liche Warte­zeiten für die Bescheide, Einstu­fungen waren zu niedrig, Wider­sprüche mussten einge­legt werden.

Auch das neue Einstu­fungs­system SIS berück­sich­tigt zu wenig den Versor­gungs­auf­wand für Menschen mit Demenz. Viele Bewohner kommen nur in Pfle­ge­grad 2, obwohl der Aufwand den Pfle­ge­grad 3 recht­fer­tigen würde. Das SIS-Prüf­system berück­sich­tigt nicht mehr den zeit­li­chen Aufwand wegen der Einschrän­kungen, sondern nur die Fähig­keiten des Bewoh­ners. Dies hat auch finan­zi­elle Auswir­kungen für die Pfle­ge­zen­tren. Bekam die Einrich­tung früher für Pfle­ge­stufe I einen Zuschuss von 1.064 €, sind es jetzt nur noch 770 € für den neuen Pfle­ge­grad 2. In der Pfle­ge­stufe II gab es früher 1.330 €, heute sind es in Pfle­ge­grad 3 nur noch 1.262 €. „Es stimmt nicht, wenn der Eindruck erweckt wird, durch das PSG II gebe es nur Gewinner“, sagte Peter Maurus, „sondern wir haben auch Verlierer.“

Anhand einer Über­sicht stellte der AWO-Geschäfts­führer auch heraus, dass der ambu­lante Bereich deut­lich besser finan­ziert werde als die voll­sta­tio­näre Versor­gung. So können Einrich­tungen des betreuten Wohnens im Pfle­ge­grad 3 über 3.500 € an Zuschüssen von den Kran­ken­kassen und der Pfle­ge­kasse abrechnen, während eine Einrich­tung wie die AWO-Haus­ge­mein­schaft nur 1.262 € von der Pfle­ge­kasse erhalte. Diese Ungleich­be­hand­lung führe jetzt dazu, dass erste Pfle­ge­heim­be­treiber im Land­kreis ihre Häuser schließen und ihre Einrich­tungen in betreutes Wohnen umwan­deln.

Gut versorgt mit aktu­ellen Infos zur Umstel­lung der Pfle­ge­ver­si­che­rungs­leis­tungen dankten Simone Heitz und Gabriele Metzger der AWO-Aufsichts­rats­vor­sit­zenden Gabriele Teich­mann und dem AWO-Geschäfts­führer Peter Maurus.

Weitere Infos unter www.awo-now.de

(Pres­se­mit­tei­lung und Foto der AWO Neckar-Oden­wald)

veröffentlicht am 21.09.2017 mit den Schlagwörtern