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21Feb

Schließung Geburtshilfe und Gynäkologie Mosbach – Charlotte Schneidewind-Hartnagel, MdB

Die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung von Frauen im Neckar-Oden­wald-Kreis droht in eine Schief­lage zu geraten. Um ihr inzwi­schen auf 12 Mil­lionen Euro ange­wach­senes Defizit zu ver­rin­gern, planen die kreis­ei­genen Neckar-Oden­wald-Kli­niken im Rahmen von Umstruk­tu­rie­rungen, die Gynä­ko­logie und Geburts­hilfe am Standort Mos­bach zu schließen. Künftig soll die bestehende Ent­bin­dungs­sta­tion mit Beleg­heb­ammen am Standort Buchen – 30 Kilo­meter von der Kreis­stadt Mos­bach ent­fernt – die Ver­sor­gung der Frauen aus dem gesamten Land­kreis über­nehmen.

Was hier als „kos­ten­spa­rende Lösung“ pro­pa­giert wird, ist gleich­be­deu­tend mit einer Absage an eine gleich­wer­tige Gesund­heits­ver­sor­gung im länd­li­chen Raum, zu Lasten der Frauen. Viele Bür­ge­rinnen und Bürger pro­tes­tieren gegen diese Pläne. Inner­halb kür­zester Zeit wurden 9.000 Unter­schriften gesam­melt, Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen und eine Demons­tra­tion orga­ni­siert sowie Inter­views gegeben. Zahl­reiche Gespräche mit Landrat Dr. Brötel, der Geschäfts­lei­tung der Kli­niken und Kreis­tags­ab­ge­ord­neten haben kein Umdenken her­bei­führen können. Auch
Ände­rungs­an­träge im Kreistag wurden igno­riert: Bei seiner Sit­zung am 29. Januar 2020 hat der Kreistag dem Maß­nah­men­paket mit großer Mehr­heit zuge­stimmt. Damit drohen wer­denden Müt­tern weite Wege, Geburten im Auto oder im Ret­tungs­wagen, Abwei­sungen und Ver­le­gungen wegen Über­fül­lung an andere „erreich­bare“ Stand­orte. Die Situa­tion wird sich für sie, aber auch für Väter, Heb­ammen, Ärz­tinnen und Ärzte deut­lich ver­schlech­tern.

Wohn­ort­nahe Geburts­hilfe ist ein wich­tiges Ele­ment gleich­wer­tiger Gesund­heits­ver­sor­gung im länd­li­chen Raum, auch und gerade an Stand­orten mit weniger als 800 Geburten im Jahr. Geburten und Heb­ammen auf wenige Stand­orte zu ver­teilen, bedient viel­leicht die gesund­heits­po­li­ti­schen Theo­rien der Kran­ken­kassen, in der Praxis haben grö­ßere Häuser aber Schwie­rig­keiten, alle Geburten weg­fal­lender Land­kran­ken­häuser auf­zu­nehmen. Das zeigt sich deut­lich am Bei­spiel von Heil­bronn, von wo aus bis­lang bei Über­fül­lung Frauen nach Mos­bach ver­legt wurden.

Als zustän­dige Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete und als Frauen- und Sozi­al­po­li­ti­kerin habe ich mich von Anfang an für den Erhalt beider Geburts­sta­tionen in Mos­bach und Buchen aus­ge­spro­chen und
unter­stütze alle Initia­tiven dazu. Ich halte die Ent­schei­dung des Kreis­tags und des Auf­sichts­rats der NOK-Kli­niken für ein­seitig und falsch. Sie steht im Wider­spruch zu den Inter­essen aller Frauen im Neckar-Oden­wald-Kreis, denn lang­fristig droht bei Nicht-Errei­chen der pro­gnos­ti­zierten Gebur­ten­zahlen in Buchen auch dort die Schlie­ßung. Trotz aller Not­wen­dig­keiten, Kosten zu redu­zieren, kann es nicht sein, dass der Länd­liche Raum bei der Gesund­heits­ver­sor­gung als erstes bei der Frau­en­gesund­heit spart. Gleich­wer­tige Lebens­ver­hält­nisse müssen für alle Geschlechter gelten.

 

Char­lotte Schnei­de­wind-Hart­nagel

http://www.charlotte-schneidewind.de/schliessung-geburtshilfe-und-gynaekologie-mosbach/

veröffentlicht am 21.02.2020