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20Sep

„Wir wollen erreichen, dass mehr Leute auf’s Rad umsteigen“

Radver­kehrs­ex­perte Katzen­stein begut­achtet Radweg durchs Kirstetter Tal – Schot­terweg ist Teil des Radwe­ge­netzes Baden-Würt­tem­berg

Schlag­lö­cher, loses Geröll und teils faust­groß aufra­gende Grund­steine- der Radweg im Kirr­stetter Tal gleicht stel­len­weise eher einem Moun­tain­bike-Trail. Deswegen versu­chen die Kreis­ver­bände des Allge­meinen Deut­schen Fahr­rad­clubs (ADFC) und der Grünen seit Jahren ebenso beharr­lich wie erfolglos die Gemeinde von der Sinn­haf­tig­keit und Mach­bar­keit der Ertüch­ti­gung des letzten wasser­ge­bun­denen Teil­stücks zwischen Mosbach und Sins­heim zu über­zeugen – so die tech­ni­sche Bezeich­nung für Splitt- und Schot­ter­wege.

Bei MdL Hermino Katzen­stein, Spre­cher für Radver­kehr der grünen Land­tags­frak­tion, trifft man auf offene Ohren. Der Abge­ord­nete aus Neckar­ge­münd reist stil­ge­recht mit dem Rad an. Zusammen mit Randolf Oggel und Rainer Neumann vom ADFC sowie Hans-Detlef Ott von den Kreis­grünen traf man sich zum Orts­termin mit Orts­bau­meister Peter Martin von der Gemeinde Obrig­heim. „Das ist ein gefähr­li­cher Weg, beson­ders nach Regen oder längerer Trocken­heit“, so Ott. Wegen des Zustandes werde er leider kaum von Alltags­rad­fah­rern genutzt, obwohl dank E-Mobi­lität auch die Stei­gungen kein Problem wären.

Katzen­stein macht deut­lich, dass der Weg als Teil des Landes-Radnetzes eine über­ört­liche Bedeu­tung hat und ausge­baut werden sollte. 50 Prozent der Kosten über­nehme das Land, die Bean­tra­gung sei jeder­zeit möglich und nicht an Fristen gebunden. „Wir wollen errei­chen, dass mehr Leute aufs Rad umsteigen“, so der Abge­ord­nete. Auch um die Klima­schutz­ziele zu errei­chen, denn gerade im Verkehrs­sektor gebe es noch viel zu tun. Beson­dere Bedeu­tung hätten dabei gut ausge­baute Radwege, damit Alter­na­tiven zum Auto­ver­kehr bestünden. Hier seien alle Ebenen gefragt, betont der Abge­ord­nete. Mit dem Landes-Radnetz fördert das Land Baden-Würt­tem­berg den Ausbau wich­tiger Verbin­dungen zwischen Mittel­zen­tren. Dazu gehört auch der Abschnitt in dem beschau­li­chen Tal. „Es wäre schade, wenn Sie die Einzigen wären, die sich nicht am Ausbau betei­ligen“, so Katzen­stein an Martin gewandt.

Denn wie der Bauamts­leiter berichtet, habe sich der Gemein­derat in den bishe­rigen Bera­tungen gegen einen Ausbau der Schot­ter­strecke ausge­spro­chen. „Wenn wir den Weg asphal­tieren, wird er zur Renn­strecke für Trak­toren und PKW“, gibt Martin die Befürch­tungen wieder. Ein Asphaltweg könne außerdem durch die schweren Trak­toren und Forst­ma­schinen beschä­digt werden. Diesen Einwand konnte MdL Katzen­stein nicht nach­voll­ziehen – weisen die geteerten Abschnitte des Weges offen­sicht­lich keine derar­tigen Schäden auf, obwohl sie von Fahr­zeugen aus Forst- und Land­wirt­schaft genutzt werden. Nicht zuletzt scheue der Gemein­derat die Herstel­lungs­kosten von rund 400 000 Euro. Alle fünf Jahre werde der Weg durch den Wald für rund 7000 Euro gefräst, neu einge­schot­tert und verdichtet. Das habe man mit dem Forst so abge­stimmt. Die Diskus­sion bestehe seit längerer Zeit – einen Beschluss gebe es bisher aber nicht, so Martin.

Ott regte an, dass der Gemein­derat zu künf­tigen Bera­tungen einen Experten vom ADFC einlädt, damit ein Beschluss im Sinne des Radwe­ge­netzes und der Radfahrer doch noch möglich werde. „Uns ist es ein Anliegen, dass wir Lücken schließen“, betont Randolf Oggel für den ADFC. Ein ertüch­tigter Radweg könne auch für Schüler eine Alter­na­tive zu den teils über­füllten Bussen sein. Im aktu­ellen Zustand sei das aber keine Option. Das Fahrrad werde häufig noch als reines Frei­zeit­ge­fährt ange­sehen und nicht als Verkehrs­mittel um täglich zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, so der passio­nierte Radfahrer.

Einen von Bürger­meister Walter im Vorfeld ange­bo­tenen Termin im Spät­jahr wolle MdL Katzen­stein gerne annehmen. Der Bürger­meister selbst war an dem Termin verhin­dert.

veröffentlicht am 20.09.2017 mit den Schlagwörtern