Grüne zur Biber-Exkursion am Hollersee

Zwischen Artenschutz und Interessenkollision
Zwei Biberberater im NOK aus Protest zurückgetreten.

Der Biber ist zurück in Süddeutschland – doch mit ihm wachsen die fachlichen und politischen Spannungsfelder. Um sich ein Bild von der aktuellen Lage im Odenwald zu machen, besuchten die Bundestagsabgeordnete Dr. Zoe Mayer (Tierschutzbeauftragte der Grünen-Fraktion) und Landtagskandidat Arno Meuter gemeinsam mit lokalen Mandatsträgern das Biberrevier am Hollersee in Buchen. Geführt wurde die Gruppe von Joachim Bernhardt, Forstdirektor a. D. und langjähriger Biberberater im NOK, der die Exkursion nutzte, um deutliche Kritik an der neuen Biberverordnung des Landes zu üben.
Ein „Wunderwerk“ unter Druck
Bernhardt demonstrierte der Gruppe – der auch die Grünen-Kreisvorsitzende Maren Fütterer sowie der Buchener Fraktionsvorsitzende Horst Berger angehörten – die beeindruckende Ingenieursleistung der Nager. „Ein Biberdamm ist ein strategisches Wunderwerk aus Holz und Schlamm“, erklärte Bernhardt am Zufluss der Morre. Er betonte die ökologischen Vorteile: Die Aufstauungen verlangsamen die Strömung, wirken der Erosion entgegen und stützen in Zeiten des Klimawandels den lokalen Grundwasserspiegel.
Doch die Idylle am Hollersee täuscht über die politische Wetterlage hinweg. Bernhardt hat sein Amt als Biberberater Ende vergangenen Jahres auch aus Protest gegen die neue Verordnung niedergelegt, sein Kollege Martin Kuhnt es ihm inzwischen gleich getan. Bernhardt warnte vor einem „brutalen Kurswechsel“. Die Verordnung erlaube das „Entnehmen“ – sprich Töten – der Tiere und das Zerstören ihrer Lebensstätten (Vergrämen) unter dem Deckmantel der Schadensprävention zu umfangreich. „Es wird viel Leid auf den Biber zukommen“, so sein bitteres Fazit. Er bemängelte, dass im Gegensatz zum Nachbarland Bayern finanzielle Entschädigungen für Landwirte fehlen und man stattdessen auf die „harte Tour“ setze.
Beeindruckende Expertise und politische Kritik
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Zoe Mayer zeigte sich von der Sachkunde, der langjährigen Erfahrung und dem leidenschaftlichen Engagement Joachim Bernhardts tief beeindruckt. Als Fachpolitikerin für Tierschutz sieht sie die Erleichterung von Tötungen äußerst kritisch. Die Exkursion verdeutlichte, dass der Biber weit mehr ist als ein „Schadensverursacher“ – er sei ein unverzichtbarer Akteur für die Biodiversität.
Landtagskandidat Arno Meuter äußerte unterdessen sein Unverständnis über den Entstehungsprozess der neuen Verordnung. Es sei kaum nachvollziehbar, dass anerkannte Fachleuten wie Joachim Bernhardt bei der Erstellung des Regelwerks offenbar keine Relevanz beigemessen wurde. „Wenn die Expertise derer, die seit Jahren an der Basis zwischen Mensch und Tier vermitteln, ignoriert wird, fehlt die Balance bei der Interessenabwägung, gerät der Artenschutz ins Hintertreffen“, so Meuter.

Fazit der Begehung

Dass Konflikte entstehen können, wenn Biber in der Nähe von Infrastruktur aktiv werden, wurde bei der Begehung nicht verschwiegen. Doch für die Teilnehmer der Exkursion wurde klar: Die „Wohlfahrtswirkungen“ des Bibers – vom Hochwasserschutz bis zur Schaffung neuer Lebensräume für seltene Arten – müssen stärker gewichtet werden. Darauf ziele auch die Biber-Petition von NABU und BUND ab, für deren Unterstützung Bernhardt warb.
Link zu NABU-Artikel

Die Grünen kündigten an, ihr Augenmerk auf artensensible und praktikable Lösungen zu legen, die auf Artenvielfalt und Interessenausgleich abzielen, statt auf den schnellen Einsatz von Fallen und Abschüssen.